Gefährlicher als Heroin? Synthetische Opioide auf dem Vormarsch

Gefährlicher als Heroin? Synthetische Opioide auf dem Vormarsch / Symbolbild | Foto: Thaut Images/stock.adobe.com
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Heidelberg. Der Drogenmarkt in Deutschland verändert sich. Darauf weist das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises, das auch für die Stadt Heidelberg zuständig ist, in einer aktuellen Information hin. Neben alten Bekannten wie Heroin spielen synthetische Opioide wie zum Beispiel Fentanyl oder Substanzen aus der Stoffgruppe der Nitazene eine zunehmend größere Rolle. Grund dafür ist zum einen die sinkende Verfügbarkeit von Heroin, zum anderen aber auch der günstigere Preis der aus dem Ausland eingeführten synthetischen Opioide. Diese sind nicht nur einzeln zum Verkauf verfügbar, oft werden sie aufgrund der geringeren Kosten auch anderen Drogen beigemischt, um so das Gewicht zu erhöhen, die Gewinnspanne zu maximieren und auch, um bei den Konsumenten eine schnellere Abhängigkeit herbeizuführen. Die im Vergleich zu Heroin deutlich stärkere Wirkung führt zu einer höheren Rate an Überdosierungen mit Todesfolge.

Was genau sind synthetische Opioide und was macht sie so gefährlich?

Opioide ahmen die Wirkung natürlicher Opiate wie etwa Morphin und Codein nach, die aus dem Schlafmohn gewonnen werden. Das bekannteste halbsynthetische Opioid ist Heroin. Opioide sind bei korrekter Anwendung wichtiger Bestandteil in der Anästhesie und in der Behandlung von Schmerzpatienten, weisen missbräuchlich angewendet aber ein hohes Abhängigkeitspotential auf. Tilidin, Tramadol und Oxycodon zum Beispiel werden in den letzten Jahren vermehrt von Jugendlichen konsumiert und Fentanyl dürfte spätestens seit der Opioidkrise in den USA traurige Bekanntheit erlangt haben. Gerade Fentanyl wirkt extrem stark und macht sehr schnell abhängig. Diese starke Wirksamkeit kann bei missbräuchlichem Konsum schon in geringen Mengen zu fatalen Überdosierungen führen. Ähnlich ist es bei Substanzen aus der Stoffgruppe der Nitazene, deren Wirkstärke die von Heroin um den Faktor 100 übersteigt. Bereits geringe Substanzmengen können einen Atemstillstand auslösen, der zum Tod führen kann.

Viele Jugendliche und Erwachsene, die hauptsächlich illegal im Internet vertriebene synthetische Opioide wie etwa Tramadol und Tilidin konsumieren, sind sich dieser Gefahren nicht ausreichend bewusst. Auch die bewusst falsch angegebenen Inhaltsstoffe der dort vertriebenen Produkte erhöhen die Gefahr. Die steigende Anzahl von Todesfällen bei schwer suchtkranken Menschen gehen nach Einschätzung der Landeskriminalämter hauptsächlich auf durch mit Fentanyl und Nitazenen gestrecktes Heroin zurück. Oft wagen junge Drogenkonsumierende mit dem als harmlos wahrgenommenen Tilidin den Einstieg, um im Verlauf ihrer Suchtkarriere auf stärkere Opioide zu wechseln. Als Folge davon steigt der Anteil junger Opioidabhängiger an Substitutionspraxen, Suchtkliniken und Suchtberatungsstellen stetig an – bislang besonders in größeren Städten.

Wie sieht es in der Rhein-Neckar-Region aus?

Eine realistische Einschätzung, wie verbreitet synthetische Opioide in der Rhein-Neckar-Region sind, ist schwierig, da nur ein kleiner Teil der Drogenkonsumierenden in Suchtberatungsstellen, Substitutionspraxen und Kliniken in Erscheinung tritt. „Vor allem ist es wichtig, über die Hilfsangebote in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis zu informieren. Jugendliche oder Erwachsene können sich jederzeit an die Suchtberatungsstellen und die Suchtambulanzen wenden – die Beratung und Behandlung dort ist kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht“ erklärt die Kommunale Suchtbeauftrage des Rhein-Neckar-Kreises, Christine Köhl. Suchtberatungsstellen helfen auch, wenn Betroffene eine Entzugsbehandlung oder Drogenersatztherapie durchführen wollen. In der Region gibt es einige Ärztinnen und Ärzte, die solche Drogenersatztherapien anbieten. „Die substituierenden Ärzte engagieren sich sehr für ihre Patientinnen und Patienten“, so Köhl.

Was tun im Notfall?

Wichtig ist aber das beherzte Handeln im Notfall: „Bei Verdacht auf eine Überdosierung, also zum Beispiel bei Atemstillstand oder Bewusstlosigkeit nach Drogenkonsum muss sofort die 112 kontaktiert werden, es besteht immer akute Lebensgefahr“, warnt die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Anne Kühn. Sie weist darauf hin, dass Rettungspersonal, Ärztinnen und Ärzte der Schweigepflicht unterliegen. Lebensrettend kann auch die sofortige Gabe des Notfallmedikamentes Naloxon in Form eines Nasensprays sein, wofür Drogenkonsumierende ein ärztliches Rezept erhalten können. Unter www.naloxontraining.de bietet die Deutsche Aidshilfe ein Online-Training zum Thema Naloxon und Drogennotfall an.

Vortrag am 10. Februar in Heidelberg

Am Dienstag, 10. Februar, findet um 18 Uhr im Carl-Winter-Saal in der Plöck 18 in Heidelberg, ein Vortrag zum Thema „Synthetische Opioide: Sind wir gewappnet? Was rollt auf uns zu?“ von Dr. Heiko Bergmann vom IFT Institut für Therapieforschung München mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Die AG Sucht Heidelberg und der Rhein-Neckar-Kreis laden zu dieser Veranstaltung ein.red

Infobox

Hilfreiche Kontakte im Rhein-Neckar-Kreis, Heidelberg und Mannheim:
Suchtberatungsstelle des AGJ-Fachverbands in der Bergheimer Straße 127/1 in Heidelberg, Telefon 06221/29051, www.suchtberatung-heidelberg.de; in Schwetzingen in der Carl-Benz-Str. 5, Tel. 06202/8593580

Suchtberatungsstelle der Stadtmission Heidelberg/Blaues Kreuz, Plöck 16 – 18, Tel. 06221/149820, www.heidelberger-suchtberatung.de

Fachstelle Sucht des bwlv in Heidelberg, Unterer Fauler Pelz 1, Tel. 06221/23432, fs-heidelberg@bw-lv.de

Suchtberatungsstelle in Weinheim, Zeppelinstr. 21, Tel. 06201/62542, www.suchtberatung-weinheim.de

Fachstelle Sucht des bwlv in Wiesloch, Westliche Zufahrt 14, Tel. 06222/52088, www.bw-lv.de/beratungsstellen/fachstelle-sucht-wiesloch/

Suchtambulanz des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim, J 5, Zentralambulanz Tel. 0621/7103-2850, www.zi-mannheim.de

Psychiatrisches Zentrum Nordbaden Wiesloch, Ambulanzzentrum im Haus 26, Heidelbergerstrasse 1a, 69168 Wiesloch, Tel. 06222/55-2600, E-Mail: ambulanzzentrum@pzn-wiesloch.de

Zentrum für psychische Gesundheit Schwetzingen, Bodelschwinghstraße 12, Tel. 06202/84-8020, E-Mail: ambulanz@zfpg-schwetzingen.de

Zentrum für psychische Gesundheit, Röntgenstraße 3 im Ärztehaus 2, Weinheim, Tel. 06201/89-4300, E-Mail: ambulanz@zfpg-weinheim.de

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Autor:

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