Neue Stadtführung in Speyer
Über die Bedeutung der Rheinquerung

Stadtführer Frank Seiler zeigt Stiche, Zeichnungen und Fotos davon, wie der Rhein früher verlaufen ist - ganz dicht bei der Stadtmauer nämlich.
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  • Stadtführer Frank Seiler zeigt Stiche, Zeichnungen und Fotos davon, wie der Rhein früher verlaufen ist - ganz dicht bei der Stadtmauer nämlich.
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Speyer. Pfälzer und Badener sind gute Nachbarn. Meist fahren sie ohne groß darüber nachzudenken über die natürliche Grenze, den Rhein: zum Arbeiten, zum Einkaufen, zum Arzt, zum Weinfest. Dass der Rhein aber auch eine trennende Wirkung haben kann, wird spätestens dann klar, wenn die Rheinquerung erschwert ist. So wie zur Zeit.

Wer hätte gedacht, dass die Sperrung der Salierbrücke, die so viele Menschen derzeit zu Umwegen zwingt, auch ihr Gutes haben könnte? Ohne die Sperrung hätten Frank Seidel und Otmar Geiger vermutlich nicht das neueste Format im Reigen der Speyerer Stadtführungen entwickelt. Denn darin geht es um die Geschichte der Rheinquerung bei Speyer, um die historische, wirtschaftliche und soziale Bedeutung von Brücken, Fähren und Übergängen für die Domstadt.

Bis 1938 gab es in Speyer keine feste Brücke, lediglich eine, die 1865 aus einem schwimmenden Verbund aus 42 Kähnen und einer darüber liegenden festen Holzkonstruktion gebaut wurde. Drei große Teile waren herausnehmbar,  wollte ein Schiff passieren; zwei wurden mit Dieselmotoren, eines von Hand betrieben. "Ein tolles technisches Konstrukt", schwärmt Stadtführer Frank Seidel bei seiner Premierenführung. Davor gab es etliche Fähren, die auch Kutschen und Pferde übersetzten. Fünf Fähren allein im Bereich Speyer waren es zur Hochzeit. Das spiegelt sich auch in der einzigen echten Speyerer Sage wieder: "Fährmann, hol über!" heißt sie  - und ist jedem Kind in Speyer bekannt, sagt Seidel, selbst ein "echter Speyrer Brezelbuw".

Doch mit der Rheinregulierung im 19. Jahrhundert veränderte sich der Fluss völlig. Zuvor mäandrierte der Rhein und reichte bis zur Stadtmauer unweit des Domes. Zwischen Karlsruhe und Bobenheim-Roxheim wurden unter Ingenieur Johann Gottfried Tulla zur Begradigung 18 Durchstiche durchgeführt, der Rhein auf dieser Strecke um 49 Kilometer verkürzt. Mit der Regulierung wollte man Sumpfgebiete austrocknen und die Malaria zurück drängen, neue Siedlungsgebiete am Rhein schaffen und den Fluss schiffbar  machen. 

Am längsten fuhr die Fähre nach Rheinsheim, bis 1966 nämlich. 20 Jahre später wurde sie als reine Fußgänger- und Fahrradfähre an den Wochenenden und Feiertagen wieder in Betrieb genommen - und fährt bis heute. In der Vergangenheit spielte sie eine wichtige Rolle auf dem Habsburger Postweg, betrieben von der Familie Thurn und Taxis.

1871 verkaufte die Stadt die im Wasser liegende Brücke an die Eisenbahngesellschaft, weil diese angekündigt hatte, Speyer an den überregionalen Bahnverkehr anschließen zu wollen. Für 72.000 Gulden, was nur in etwa die Hälfte der Baukosten waren. Die Investition rechnete sich aus Speyerer Sicht nicht: Speyer bekam ein "Klepperbähnle" - und das benachbarte Schifferstadt wurde zum Eisenbahnknotenpunkt.

Als im Februar 1929 der Rhein zufror, das Bähnle nicht fuhr und die Brücke durch denn Frost beschädigt wurde, reifte die Erkenntnis: Eine feste Brücke muss her. 1938 wurde sie fertig gestellt - an exakt dem selben Platz, an dem heute die Salierbrücke über den Rhein führt. Allerdings sprengte die Wehrmacht auf dem Rückzug noch im März 1945 die Brücke. Die Franzosen installierten eine schwimmende Behelfsbrücke; Fähren wurden wieder eingesetzt - bis 1956 die Salierbrücke ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Wer sich für die Stadtführung "Brücken, Fähren, Übergänge - Speyer und der Rhein" interessiert: Noch fünf Mal lädt Frank Seidel bis Oktober zum Spaziergang vom Domplatz zum Rhein und zum Schifffahrtsmuseum ein. An jedem vierten Freitag im Monat, das nächste Mal am Freitag, 28. Juni. Karten gibt es vor Ort oder bei der Tourist-Information in der Maximilianstraße 13.

Autor:

Cornelia Bauer aus Bruchsal

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