Vortrag in Rockenhausen rückt den Krieg in der Ukraine persönlich nah
- In Rockenhausen sprach Prof. Ihor Zhaloba über den Krieg in der Ukraine und seine eigenen Erfahrungen an der Front.
- Foto: Donnersberger Integrationsinitiative e. V. (DII)
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Rockenhausen. Ein Historiker, der selbst an der Front war, hat in der Donnersberghalle in Rockenhausen eindringlich über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gesprochen. Beim Vortrags- und Gesprächsabend der Donnersberger Integrationsinitiative am Freitag, 9. Oktober, ging es nicht nur um Geschichte, sondern auch um die Frage, was der Krieg für Menschen ganz konkret bedeutet.
Rund 35 Gäste kamen zu der Veranstaltung "Die Ukraine im russischen Angriffskrieg". DII-Vorständin Prof. Dr. Erika Steinert eröffnete den Abend. Im Publikum saßen Menschen mit deutschen, ukrainischen und afghanischen Wurzeln. Auch der Kreisbeigeordnete Güngör Aydin, Natalja Wald vom Beirat für Migration und Integration sowie Vertreterinnen der Initiative Omas gegen Rechts waren dabei.
Steinert betonte das Ziel des Abends, Rechtspopulismus und Falschinformationen etwas entgegenzusetzen und Raum für Austausch zu schaffen. In einer von ihr verlesenen Grußbotschaft würdigte Katharina Binz, Vizepräsidentin des Landtags Rheinland-Pfalz, den Einsatz der Ukraine für Freiheit und demokratische Werte in Europa.
Vom Hörsaal an die Front
Im Mittelpunkt stand Prof. Ihor Zhaloba, Historiker, Vorsitzender der Paneuropa-Union Ukraine und ehemaliger Frontsoldat. Er ordnete den Freiheitskampf der Ukraine historisch ein und spannte den Bogen von der Unabhängigkeit 1991 über die Annexion der Krim und die Kämpfe im Donbas bis zur groß angelegten Invasion am 24. Februar.
Zhaloba meldete sich nach eigenen Angaben einen Tag nach Beginn der Invasion freiwillig zum Militärdienst und war rund zwei Jahre als Soldat im Einsatz. Er schilderte die Rolle der Zivilbevölkerung als entscheidend. Lehrkräfte, IT-Spezialisten, Handwerker und Senioren bauten Checkpoints auf, schützten kritische Infrastruktur und entwickelten später mobile Drohnen- und Luftabwehrteams.
Besonders eindringlich berichtete Zhaloba von seinen Fronterfahrungen und von gefallenen Kameraden. Sein Vortrag machte deutlich, dass es aus seiner Sicht bei der Verteidigung der Ukraine nicht nur um Territorium geht, sondern auch um demokratische und europäische Grundwerte. Valentina Kempf übersetzte den zweisprachigen Abend.
Beim anschließenden Ausklang mit Mineralwasser und Brezeln diskutierten die Gäste weiter. Eine ukrainische Inklusions-Grundschullehrerin sagte: „Als Pädagogin ist es mir wichtig, dass wir die Geschichte der Ukraine kennen und verstehen. Die Ukraine ist ein Teil Europas, und ihr Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit betrifft uns alle. Ich wünsche mir, dass es mehr solcher Begegnungen gibt und dass die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten weiterhin Unterstützung erhalten.“
Aus der ukrainischen Community kam außerdem der Wunsch nach stärkerer deutscher Unterstützung. Laut Veranstalterin regten Teilnehmende auch konkrete Sammelaktionen an. Eine entsprechende Hilfsaktion bereitet die Initiative derzeit vor. Als Ansprechpartner und Kontaktadresse stellt sich der Kreisbeigeordnete Güngör Aydin zur Verfügung.
Autor:Anja Stemler aus Kusel-Altenglan |