Donnersberger Integrationsinitiative e.V.
Zwischen Geschichte und persönlichem Schicksal: Bewegender Vortrag über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine
- Foto: M. Faller
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Wie fühlt es sich an, wenn ein Historiker plötzlich selbst Teil der Geschichte wird und
statt im Hörsaal an der Front steht? Diese Frage prägte den Vortrags- und
Gesprächsabend der Donnersberger Integrationsinitiative e. V. (DII) am 9. Oktober 2026
in der Donnersberghalle in Rockenhausen.
Unter dem Titel „Die Ukraine im russischen Angriffskrieg“ gewährte Prof. Ihor Zhaloba
den rund 35 Gästen eindringliche Einblicke in Vergangenheit und Gegenwart seines
Heimatlandes. DII-Vorständin Prof. Dr. Erika Steinert eröffnete die Veranstaltung und
begrüßte ein bunt gemischtes Publikum mit deutschen, ukrainischen und afghanischen
Wurzeln. Unter den Anwesenden waren unter anderem der Kreisbeigeordnete Güngör
Aydin (in Vertretung für Landrat Rainer Guth), Natalja Wald vom Beirat für Migration und
Integration sowie Vertreterinnen der Initiative „Omas gegen Rechts“.
Zeichen gegen Rechtspopulismus und Falschinformationen
Steinert betonte das Anliegen des Abends: Zeichen gegen Rechtspopulismus zu setzen
sowie Raum für Information, persönlichen Austausch und Dialog zu schaffen. In der von
Steinert verlesenen Grußbotschaft der Schirmherrin Katharina Binz (Vizepräsidentin des
Landtags Rheinland-Pfalz) wird der militärische Einsatz der Ukraine gewürdigt, die seit
mehr als vier Jahren auch die Freiheit und demokratischen Werte Europas verteidige. Die
Veranstaltung der Donnersberger Integrationsinitiative leiste einen wichtigen Beitrag
zum gesellschaftlichen Miteinander, gerade in Zeiten von Desinformation und
vereinfachten Debatten.
Vom Hörsaal an die Front
Im Mittelpunkt stand Prof. Ihor Zhaloba – Historiker, Vorsitzender der Paneuropa-Union
Ukraine und ehemaliger Frontsoldat. Er ordnete den ukrainischen Freiheitskampf in
einen jahrhundertelangen Kontext ein, der sich nach der Unabhängigkeit 1991
spätestens mit der Annexion der Krim und den Kämpfen im Donbas 2014 dramatisch
verschärfte.
Mit der groß angelegten Invasion am 24. Februar 2022 änderte sich Zhalobas Leben
schlagartig: Er meldete sich tags darauf freiwillig zum Militärdienst und war rund zwei
Jahre als Soldat im Einsatz. Eindringlich beschrieb er die zentrale Rolle der
Zivilbevölkerung: Lehrkräfte, IT-Spezialisten, Handwerker und Senioren griffen zu den
Waffen, bauten Checkpoints auf, schützten kritische Infrastruktur und entwickelten
später mobile Drohnen- sowie Luftabwehrteams. Dieser zivile Widerstand war
entscheidend dafür, den russischen Vormarsch in den ersten Kriegswochen zu stoppen.
Besonders bewegend schilderte Zhaloba seine Fronterfahrungen und erinnerte an
gefallene Kameraden. Sein Bericht verdeutlichte, dass es bei der Verteidigung der
Ukraine nicht allein um Territorium geht, sondern um demokratische und europäische
Grundwerte. Er hob die hohe Kampfmoral der Ukrainer hervor, die Verantwortung für ihr
Überleben übernehmen – im starken Gegensatz zur russischen Seite, wo viele kaum
wissen, wofür sie ihr Leben aufs Spiel setzen. Dank der Übersetzung von Valentina
Kempf konnten die Gäste dem zweisprachigen Vortrag mühelos folgen.
Vielfältiger Austausch zum Ausklang
Beim anschließenden Ausklang mit Mineralwasser und Brezeln spiegelten sich
unterschiedliche Erwartungen wider: Während sich ein Besucher noch tiefere Einblicke
in die aktuelle Militärlage gewünscht hätte, lobte eine aus Kaiserslautern angereiste
Aktive der dortigen regionalen Ukrainehilfe den Abend ausdrücklich. Aus den Reihen der
ukrainischen Gäste wurde der Wunsch nach einer noch stärkeren deutschen
Unterstützung geäußert.
Eine ukrainische Inklusions-Grundschullehrerin hob die bildungspolitische Relevanz
hervor:
„Als Pädagogin ist es mir wichtig, dass wir die Geschichte der Ukraine kennen und
verstehen. Die Ukraine ist ein Teil Europas, und ihr Kampf um Freiheit und
Unabhängigkeit betrifft uns alle. Ich wünsche mir, dass es mehr solcher Begegnungen
gibt und dass die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten weiterhin Unterstützung
erhalten.“
Für eine besonders herzliche Note sorgte eine unerwartete Begegnung: Vor Ort traf Prof.
Zhaloba auf Switlana, die Großmutter einer seiner besonders leistungsstarken
Studentinnen aus der Ukraine.
Aus der ukrainischen Community betonten Valentina und Oksana stellvertretend, wie
wertvoll der Abend war, um die Perspektive der Ukraine sichtbar zu machen. Die
eigenständige Geschichte und Identität des Landes dürfe nicht verfälscht oder infrage
gestellt werden. Ihr Dank galt der Veranstalterin dafür, eine so kompetente
Persönlichkeit erlebt und die Perspektive der Ukraine einem breiteren Publikum
nähergebracht zu haben.
Der Abend schloss mit der zentralen Frage: Was können Kommunen und Einzelne vor
Ort tun, um die Ukraine wirksam zu unterstützen? Neben allgemeinen Ratschlägen
wurde angeregt, die Möglichkeit einer weiteren Sammelaktion über die Kreisverwaltung zu
prüfen und diese gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt ins Leben
zu rufen.
Erika Steinert dankte dem Referenten sowie allen Beteiligten für das Gelingen des
Abends. Die Veranstaltung setzte ein starkes Zeichen für Solidarität, Verständigung und
ein friedliches Zusammenleben in Europa.
Donnersberger Integrationsinitiative e. V. (DII)
Prof. Dr. Erika Steinert
E-Mail: erika.steinert@gmail.com
Autor:Mirco Faller aus Rockenhausen |
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