Neuer Sammelband: Gedenkstätte Neustadt forscht zum frühen KZ in der Turenne-Kaserne
- Wer sich über die NS-Geschichte in Neustadt informieren will, findet in einem neuen Sammelband auch Forschung zur Turenne-Kaserne.
- Foto: Wallstein Verlag
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Neustadt. Ein neuer wissenschaftlicher Sammelband wirft einen genaueren Blick auf frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus. Mit dabei ist auch ein Beitrag der Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt an der Weinstraße, der die Geschichte des Konzentrationslagers in der damaligen Turenne-Kaserne nachzeichnet.
Der Band heißt Durchsetzung der Diktatur. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus und erscheint im Wallstein Verlag. Beiträge von Historikerinnen und Historikern sowie Gedenkstätten aus ganz Deutschland untersuchen darin, welche Rolle diese Lager bei der Etablierung der nationalsozialistischen Herrschaft im Jahr 1933 spielten.
Was der Neustadt-Beitrag beschreibt
Dr. Anja-Maria Bassimir, Jan Wiese und Björn Uhrig rekonstruieren auf Grundlage von Archivmaterial die Geschichte des frühen Konzentrationslagers in Neustadt. In der Turenne-Kaserne internierten die Nationalsozialisten zwischen März und April 1933 rund 450 Männer und mindestens eine Frau. Nach Angaben im Band handelte es sich bei den Inhaftierten überwiegend um politische Gegner des Nationalsozialismus, darunter Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter, Mitglieder des Zentrums und weitere Regimekritiker.
Nach Einschätzung des Autorenteams zeigt das Beispiel Neustadt exemplarisch, wie die Nationalsozialisten unmittelbar nach der Machtübernahme politische Gegner ausschalteten und mit Gewalt, Einschüchterung und Entrechtung die Grundlagen der Diktatur schufen. Die Geschichte des Lagers verdeutliche außerdem, dass die nationalsozialistische Terrorherrschaft nicht erst mit den großen Konzentrationslagern begonnen habe, sondern bereits 1933 vor Ort sichtbar geworden sei.
Die Veröffentlichung unterstreicht nach Darstellung im Text auch den wissenschaftlichen Anspruch der Gedenkstätte. Sie versteht sich demnach nicht nur als Erinnerungsort, sondern auch als Forschungs- und Bildungsstätte und will durch Archivarbeit und eigene Publikationen zur Aufarbeitung der regionalen NS-Geschichte beitragen.
Das Autorenteam erklärt dazu: Erinnerung braucht Forschung. Nur wenn wir historische Quellen auswerten, Biografien rekonstruieren und lokale Ereignisse in größere Zusammenhänge einordnen, können wir die Mechanismen der Diktatur verstehen und für die Gegenwart vermitteln.
Weitere Informationen zur Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt an der Weinstraße sowie zu Führungen und Bildungsangeboten gibt es unter www.gedenkstaette-neustadt.de.
Autor:Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße |