Leute, kauft ein Eis, der Sommer wird heiß– Tipps gegen Hitze im Wohngebäude
- In Holland finden sich die orangenen Markisen fast an jedem Gebäude. Sie haben eine kulturelle und eine designgeschichtliche Bedeutung.
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Ludwigshafen. In den Städten im Oberrheingraben gab es zwischen 2020 und 2024 einen Zuwachs von 7 heißen Tagen. Mit ein paar einfachen Kniffen lassen sich Innenräume bei Hitzewellen um einige Grad herunterkühlen. Richtiges Nutzerverhalten ist wesentlich.
Von Julia Glöckner
In Ludwigshafen heizen sich einige Stadtteile im Sommer besonders stark auf. Starke Versiegelung und Bebauung in derselben Traufhöhe sind beste Voraussetzungen dafür, dass Hitze sich staut und nicht mehr weicht. Studien bilden ab: Die Pfälzer zeigen eine gutes Anpassungsverhalten an Hitze. Forscher erklären dies damit, dass Hitzewellen am Oberrhein schon immer stärker ausfielen, Pfälzer haben gelernt, damit umzugehen. Menschen aus dem mediterranen Raum können das noch besser. Die besten Tipps kommen aus Italien, Südfrankreich, Spanien.
Das richtige Nutzerverhalten kann ausschlaggebend sein, ob die Hitze aus dem Wohngebäude bleibt und man im Sommer produktiv ist und gut schläft. Für den Betrieb eines Klimageräts und einer Anlage muss man im Sommer mit 50 bis 300 Euro Stromkosten mehr rechnen, je nach Wohnungsgröße und Dauer des Betriebs.
Fensterflächen von außen abschirmen
Im Mittelmeerraum werden Fensterläden, Rollläden, Markisen tagsüber geschlossen. Seit einigen Jahren sind Bambusvorhänge von jungen spanischen Architekten wiederentdeckt worden. Die Baumbusmatten heizen sich weniger stark auf als anderes Material. Sie lassen außerdem mehr Licht durch. Wichtig ist, dass die Glasflächen sich nicht aufheizen. Sonnensegel oder Vorhänge vor dem Balkon haben ähnliche Effekte. Professioneller Sonnenschutz ist deutlich günstiger als der Betrieb einer Klimaanlage, wobei Fachfirmen helfen.
Türen tagsüber schließen
Wenn das Wohnhaus zur Nordseite durch Bäume oder andere Gebäude beschattet ist und auf die Südseite die Sonne knallt, bleiben die Räume nach Norden kühl, wenn man alle Türen schließt. Zur Südseite hin nutzen die Menschen aus dem mediterranen Raum die Räume nicht. Nachts die Fenster offen lassen sollte man nur, wenn es noch um 7 Uhr weniger als 21 Grad hat.
Richtig lüften
Gelüftet wird nur dann, wenn die Außentemperatur niedriger ist als drinnen – also früh morgens und spät abends. Am Tag bleiben Fenster konsequent geschlossen.
Flur für natürliche Thermik nutzen
Tagsüber können offene Türen zum Keller und Hausflur für einen natürlichen Kamineffekt sorgen: Am wärmsten ist es immer im obersten Geschoss. Öffnen Sie die Türen nur, wenn es im Flur kühler bleibt als in den Wohnungen. Im Dachgeschoss sollte dafür ein Fenster gekippt werden und Ventilatoren im Einsatz sein. Öffnen Sie die Türen nicht, wenn sich im Flur die Wärme staut. Gute Nachbarschaft ist Voraussetzung dafür, das Gebäude für die Sogthermik zu nutzen.
Luftzirkulation gezielt erzeugen
Ventilatoren helfen zusätzlich, stehende warme Luft gefühlt zu kühlen.
Feuchte Tücher oder Verdunstung nutzen
Ein Trick aus heißen Regionen: feuchte Tücher vor dem Fenster oder im Raum aufhängen. Die Verdunstung entzieht der Luft Wärme.
Helle Farben reflektieren Hitze
Weiße oder helle Fassaden und Dächer reflektieren Sonnenstrahlen besser. Das ist ein Grund, warum viele Häuser im Süden weiß gestrichen sind.
Hitzequellen meiden
Backofen und Herd erzeugen zusätzliche Wärme. Im Süden wird deshalb oft erst abends gekocht.
Hitze in die Weite tragen
Hohe Räume schützen besser vor Hitze, besagt die Schule des Architekten Theodor Fischer, die Florian Nagler aufgreift: hohe Decken und viel Luftvolumen in Gebäuden, durch die Hitze in die Weite getragen wird, ist die einfachste Maßnahme gegen Hitze in Gebäuden. Wer empfindlich auf Hitze reagiert, sollte in den Altbau ziehen. Dickes Gemäuer speichert zudem nachts Kühle.
Hitzeaktionsplan der Stadt
Vulnerable Gruppen wie Ältere über 60 oder Menschen mit Vorerkrankungen sollen Hitzetipps der Städte kennen. Dazu gehören vor allem ausreichend trinken, körperliche Anstrengung und Sonne meiden sowie kühle Orte aufsuchen (etwa klimatisierte Räume oder schattige Plätze). Kommunen ergänzen das durch Maßnahmen wie Trinkbrunnen, Kühlräume und mehr Stadtgrün, um Hitze zu reduzieren. Städtebauliche Maßnahmen wie das Pflanzen von Bäumen und Entsiegeln brauchen jedoch viele Jahre, bis sie greifen.
Fachleute, besonders gefährdete Personen gezielt zu unterstützen – etwa durch Pflegeeinrichtungen, nachbarschaftliche Hilfsangebote sowie durch direkte Ansprache und Informationsvermittlung. Klimaresiliente Quartiere zu gestalten, durch Pflanzen von Bäumen oder Dachbegrünung, ist zentrale Grundlage des Hitzeaktionsplans.
Dämmung und Sonnenschutz
Eigentümer können sich zum Thema Dachbegrünung, Hitzeschutz und Dämmung von Energieberatern beraten lassen. Wichtig ist, Energieplaner zu finden, die individuelle Lösungen fürs Gebäude finden und einen ganzheitlichen Blick aufs Bauwerk in seiner Komplexität und Wechselwirkung mit dem Stadtklima haben. Holzfaser oder Wärmedämmung von außen ist der beste Schutz gegen Hitze, sie hält die Temperaturen tagsüber in Wohngebäuden konstant, selbst in Hitzewellen. jg
Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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