Ideen für den Wandel: Lassen sich die Gleise der Hafenbahn neu nutzen?

Stadtplaner Helmut Buchholz führte gestern auf seiner ersten Tour im Rahmen des Inselsommers, der von der Initiative Lokale Agenda 2010 organisiert wird, durch LU-Süd. | Foto: Julia Glöckner
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Ludwigshafen. Stadtplaner Helmut Buchholz führt am Mittwochabend zum Thema Stadtgrün und Parkräume durch Ludwigshafen. Entsiegelung im Sinne des Stadtklimas wird wegen der zunehmenden Hitze zum wichtigen Jahrhundertprojekt. Auch beim Thema Mobilität werden einige Diskussionen bereits hinter den Kulissen geführt.

Von Julia Glöckner

Die Parkinsel ist ein Stadtteil mit hohem Bevölkerungsanteil, der nachhaltig denkt und lebt – und gleichzeitig mit einer der höchsten Pkw-Dichten. Viele Bewohner fahren allerdings bereits E-Autos. Parken auf den Straßen gehört dagegen noch zum Stadtbild. Auch in der Parkstraße, die so eng ist, dass das verbotene Gehwegparken teilweise noch immer Gewohnheit ist.

Die längs zur Straße angeordneten Parkplätze sind entsiegelt und durch Grünstreifen sowie Bäume unterbrochen, Autos stehen nicht dicht an dicht, was man unter Stadtplanern aufgelockertes Parken nennt. Es verschönert das Straßenbild und trägt dazu bei, dass Wasser versickert, was dem Stadtgrün zugutekommt. „Wenn mehr Stellflächen in der Stadt so gestaltet würden, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Buchholz. Die Gehwegparker könnten in der Parkstraße auf aufgelockerte Parkzonen ausweichen, wenn auch der gegenüberliegende Fahrbahnrand entsprechend gestaltet wird. Auch Carsharing wäre ein Teil der Lösung: in Süd seien die Fahrzeuge besonders stark ausgelastet und die Hälfte der Zeit ausgebucht.

In der verkehrsberuhigten Straße „Am Luitpoldhafen“ stehen die Luxusvillen direkt am historischen Hafen. „2008 war Halberg noch da und zwei Gleise der Südbahn waren noch in Betrieb. Einige Jahre später wusste man bereits, dass sich hier alles verändern soll. Die Straße ist jedoch ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Gärten und öffentliche Plätze sind versiegelt und heizen sich in der Sonne auf. Viele Autos parken auf der Straße, weil die Doppelgaragen als Abstellräume genutzt werden.“

Durch die Lehmbachstraße und die Schwanthalerallee weht Tag und Nacht ein kühler Wind vom Rhein her. Auch die Hitzekarten weisen dort 1,2 Grad weniger aus als in den kreuzenden Straßen und rund drei Grad weniger als in der Innenstadt. Freiluftschneisen werden in Städten immer wichtiger. 

Am Schwanthalerplatz seien laut Buchholz großzügige Grünflächen und ein breiter Grünstreifen vorbildlich geplant worden, dies sei die grüne Lunge am Nordende. Allerdings führten rings um die Quadrate Autostraßen, um jedes Gebäude bis zur Haustür zu erschließen. „Es ist nicht gelungen, dass der Betreiber des Inselcafés seine Außengastronomie auf der Straße einrichten durfte, indem man eine 80 Meter lange Querverbindung schließt“, sagt Buchholz. "Bislang serviert das Inselcafé auf der Wiese im Quadrat und quert dafür die Straße."

Auf der Brache, die durch den Brand der Styropor-Lagerhalle entstand, hofft die Stadt seit zwölf Jahren auf neuen Wohnraum für Bewohner mit höherem Einkommen, die Steuereinnahmen kämen dem Haushalt zugute. Wohnen für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen oder weniger sei ausreichend realisiert, sagteBuchholz. Bislang begründeten die Hafenbetriebe erfolgreich, dass es in der Nachbarschaft einen Hafen gebe, der entsprechende Nutzung braucht.

Die Backsteinbauten entlang des alten Hafens werden erhalten  bleiben. Teils stammen sie aus der Phase der Industriearchitektur, die Schönheit in Industriestädte zurückbringen sollte und sich in allem wiederfinden sollte, in seriell gefertigten Produkten und den Werkshallen. Werksgebäude wurden damals mit großen Fenstern versehen, Hallen mit Licht geflutet. „An vielen Orten finden sich stillgelegte Bahnschienen“, stellt Buchholz fest. „Die Idee geisterte zunächst unter progressiven Vordenkern herum, später durch die ganze Stadt, daraus etwas zu machen, weil die Gleise noch funktionieren und die Breite einer S-Bahn haben. Dafür braucht es allerdings mehr Entschlossenheit. So etwas muss man auch wollen. Solange das Projekt vor allem mit Anstrengung und Investitionen verbunden wird, bleibt alles, wie es ist.“

Die Radstation vor dem Polizeipräsidium sei ein Klimaschutzprojekt und diene der vernetzten Mobilität an der Endhaltestelle. Das Gebäude befindet sich nach dem Umzug der Polizei in die Heinigstraße weiterhin in öffentlicher Hand. „Als Modellprojekt ließe sich viel daraus machen. Pilotprojekte werden von EU und Bund bezuschusst“, erklärt Buchholz. „Ein Abriss ergibt keinen Sinn.“

Auch vor dem alten Bahndepot ließe sich der Vorplatz neu gestalten und entsiegeln. Allerdings befänden sich die Parkflächen dort in Privatbesitz. „In der Karl-Krämer-Straße zeigt die Neubebauung dagegen viel Natur in einer gelungenen Wohnanlage“, so Buchholz. Die Tiefgarage erlaube extensive Begrünung, mache daneben auch Bewässerungssysteme möglich. Dennoch kann der Boden dort einige Liter Wasser aufnehmen, die von der Vegetation verdunstet werden und damit die Umgebung kühlen.

Die Führung zeigte die durchgrünte Wohnanlage in der Karl-Krämer-Straße | Foto: Julia Glöckner
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Das Gerücht, dass auf dem Mittelstreifen ein Straßenbahnprojekt geplant ist, halte sich hartnäckig. „Das ist allerdings nicht vorgesehen. Der Mittelstreifen ließe sich mit einfachen Mitteln stärker begrünen, etwa durch das Projekt ,Stadtbäume spenden‘“, sagt Buchholz. „Die zweibahnige Allee auf beiden Seiten ist angesichts des Durchgangsverkehrs angemessen, den man aus den Wohnvierteln heraushalten will. Eine stärke Begrünung hätte größere Effekte aufs Stadtklima.“

Am Flussufer wächst derzeit die Rheinpromenade, die Teil der Stadt der Zukunft ist. „Auf Höhe der Hochschule wird gerade gebaut“, sagt Buchholz. „Nach der Fertigstellung soll man von der Drehbrücke bis zur Rheingalerie und weiter bis in den Hemshof gelangen.“ Statt das Oberflächenwasser entlang der Flussmeile in die Kanalisation abzuleiten, hätte man es besser ins Hafenbecken geführt. Viele Projekte dieser Art könnten dazu beitragen, die Pegel im Sommer stabiler zu halten.

Das Rheinufer biete laut Buchholz noch viele Potenziale – etwa bei der Begrünung der Brücken durch Beete oder Kletterpflanzen. jg

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Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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