Chorkonzert
Romantische Chorlieder mit dem Konzertchor Ludwigshafen
- Konzertchor Ludwigshafen
- Foto: Barbara Suppé
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Am Sonntag, 14.06.2026 um 17.00 Uhr führt der Konzertchor Ludwigshafen unter der Leitung von Christiane Michel-Ostertun in der
Friedenskirche Ludwigshafen Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Edvard Grieg, Frederic Chopin und Bernd Stegmann auf.
Felix Mendelssohn Bartholdys „Lieder ohne Worte“ gehören zu jenen musikalischen Kostbarkeiten, die sich scheinbar jeder sprachlichen Festlegung entziehen. Miniaturen von großer Innigkeit, in denen eine Melodie mehr sagt als jeder Satz. Mendelssohn selbst war überzeugt, dass Musik präziser spreche als Worte – zu eindeutig für Sprache, zu bestimmt für Begriffe. Aber was passiert, wenn man Mendelssohn sprechen lässt? Genau das wagt der Komponist und Kirchenmusiker Bernd Stegmann in einem außergewöhnlichen Projekt: Er lässt diese wortlose Musik sprechen.
Der Ausgangspunkt seines Projekts war überraschend schlicht. Auf dem Klavier lagen zufällig ein Gesangbuch und Mendelssohns erstes Lied ohne Worte in E-Dur nebeneinander. Vor einer Sitzung, die mit einem gemeinsamen Lied beginnen sollte, probierte er, ob sich dieses Klavierstück singen ließe. Und plötzlich passte alles: Die gleichmäßig fließenden Sechzehntel im Klavier wirkten wie ein Strom der Zeit. Darüber spannt sich eine weit ausschwingende, kantable Melodie – fast so, als wolle sie ohnehin gesungen werden. Dazu trat der Text von Jochen Klepper: „Der du die Zeit in Händen hast“. Musik und Wort trafen denselben inneren Punkt: Fließen und Ruhen zugleich. Bewegung und Geborgenheit. Zeit, die vergeht – und Gott, der sie trägt So entsteht kein kommentierter Mendelssohn, kein fromm übermaltes Original, sondern eine neue, atmende Form: Chorlieder, die das Unsagbare nicht fixieren, sondern in eine weitere Dimension öffnen. Was zunächst wie ein ästhetisches Sakrileg anmutet – Mendelssohns Klavierstücke mit Texten zu versehen, sie vom Chor singen und vom Klavier begleiten zu lassen – erweist sich als ein poetisches Experiment von großer Feinfühligkeit. Die „Lieder ohne Worte“ sagen etwas sehr Bestimmtes – nicht trotz, sondern wegen ihrer Wortlosigkeit. Wenn jedoch ein Text genau diesen inneren Sinn trifft, kann er die Musik nicht einengen, sondern sichtbar machen. Nicht als Übersetzung, sondern als zweite Stimme desselben Gefühls. Wie in einer chemischen Reaktion verbinden sich zwei Stoffe zu einer neuen Substanz: Musik und Sprache verschmelzen zu einer eigenen künstlerischen Gestalt.
Auch die Werke von Robert Schumann bewegen sich in jenem Spannungsfeld zwischen Innerlichkeit und Weltbezug, das die Romantik so unverwechselbar macht. Dazu die geistlichen Texte aus dem Evangelischen Gesangbuch, von Bernd Stegmann ausgewählt - sie öffnen Räume vom innigen Gebet bis zum großen Staunen über die Schöpfung. Natur wird hier nicht bloß beschrieben, sondern empfunden – als Resonanzraum der Seele. Die seit Jahrhunderten gesungenen Texte sind von schlichter Schönheit, die Kindheitserinnerung und existenzielle Geborgenheit zugleich vermitteln. Es ist Musik, die nicht überwältigen will, sondern sich dem Herzen anvertraut – zart, durchsichtig und von einer Innigkeit, die gerade im Chorklang ihre besondere Wärme entfaltet.
Bei Edvard Grieg weitet sich der romantische Horizont nach Norden. Seine Lieder tragen die Sehnsucht und das Kolorit skandinavischer Landschaften in sich – eine Mischung aus Volksliedton, poetischer Schwermut und heller, klarer Melodik. Im Text „Ich wollt, dass ich daheime wäre“ klingt Heimweh nicht als bloße Klage, sondern als leise, singende Erinnerung.
Mit Frédéric Chopin betritt schließlich ein Komponist die Bühne, der gemeinhin nicht mit Chormusik in Verbindung gebracht wird. Und doch ist seine Musik von einem zutiefst gesanglichen Impuls durchdrungen. Kaum ein anderer hat das Klavier so sehr zum Singen gebracht wie er – mit Kantilenen von inniger Schlichtheit, mit schwebenden Linien, die wie Atemzüge wirken.Wenn Chopins Musik im Chorgewand erscheint, offenbart sich diese verborgene Vokalität auf überraschend natürliche Weise. Die melodische Eleganz, das zarte Changieren zwischen Licht und Schatten – all das lässt sich auch im gemeinsamen Atem eines Chores erfahren. Was bei Chopin oft wie ein intimes Selbstgespräch klingt, wird hier zum geteilten Empfinden, zum vielstimmigen Innehalten. So fügt sich auch seine Musik in das romantische Panorama des Abends ein: als leise, poetische Stimme, die weniger erzählt als erinnert – und gerade in ihrer Zurückhaltung eine umso tiefere Wirkung entfaltet.
Mit Bernd Stegmann erhält das Programm schließlich eine gegenwärtige Stimme, die sich gleichwohl tief aus dem Geist der Romantik speist. Als Komponist und Texter tritt er nicht nur vermittelnd zwischen die Epochen, sondern schöpferisch in einen Dialog mit ihnen. Seine Musik knüpft an die innige Klangsprache des 19. Jahrhunderts an, ohne sie zu imitieren – sie hört genau hin, nimmt Motive, Stimmungen und poetische Bilder auf und führt sie behutsam weiter.Dabei entsteht etwas Eigenständiges: eine Tonsprache, die Transparenz und Wärme verbindet, die dem Wort Raum gibt und zugleich dem Klang vertraut. Wie schon in der Auseinandersetzung mit Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ wird auch hier das Verhältnis von Musik und Sprache neu ausgelotet. Stegmann versteht beides nicht als Gegensatz, sondern als zwei Ausdrucksformen derselben inneren Bewegung.
So schließt sich ein Kreis: Romantische Empfindsamkeit begegnet zeitgenössischem Gestaltungswillen. Vergangenheit wird nicht museal bewahrt, sondern lebendig weitergedacht. Und im gemeinsamen Atem des Chores zeigt sich, dass diese Musik – ob aus dem 19. oder 21. Jahrhundert – aus derselben Quelle schöpft: dem Bedürfnis, das Unsagbare zum Klingen zu bringen.
Wenn Sie bei diesem Klangerlebnis dabei sein möchten, laden wir Sie herzlich am 14.6. um 17.00 Uhr in die Friedenskirche ein.
Informationen kompakt:
Sonntag, 14.06.2026 um 17.00 Uhr
Friedenskirche Ludwigshafen, Leuschnerstraße 56
„Romantische Chorlieder“
Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Edvard Grieg, Frederic Chopin und Bernd Stegmann für Chor und Klavier
Angela Hinderberger, Sopran
Olena Ivchenko, Klavier
Florian Wilhelm, Harfe
Konzertchor Ludwigshafen
Professorin Christiane Michel-Ostertun, Leitung
Autor:Barbara Suppé aus Ludwigshafen |
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