65 Jahre ORBEA – 1960–2025
Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein: seit 65 Jahren aktiv für Vögel, Natur und Biodiversität

Klaus Eisele von der ORBEA entlässt einen Uhu auf einem waldähnlichen Industriegelände in die Freiheit | Foto: Foto: ORBEA
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  • Klaus Eisele von der ORBEA entlässt einen Uhu auf einem waldähnlichen Industriegelände in die Freiheit
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Maudach, Oktober 2025. Vor 65 Jahren wurde die ORBEA gegründet, die Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein. Getragen wird die ORBEA heute von 15 Ehrenamtlichen, die ein breites Aufgabenfeld stemmen. Es reicht von Nistkastenpflege und Schwalbenschutz über Pflege von Biotopen bis hin zu Bildungsarbeit und politischem Engagement. „Wir sind nur wenige, aber wir packen an beim Tier- und Artenschutz sowie bei der Erhaltung von tierischen Lebensräumen“, bringt Klaus Eisele, ehrenamtlicher ORBEA-Leiter, die Arbeit seiner kleinen Gruppe auf den Punkt.
Eisele, der die Aufgabe im Jahr 2017 von ORBEA-Gründer Franz Stalla übernahm, ist heute ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter von Ludwigshafen und dem Rhein-Pfalz-Kreis. Der seit 50 Jahren in Natur und Umweltschutz tätige Eisele ist seit rund 35 Jahren aktives ORBEA-Mitglied und hat sich in dieser Zeit ein breites Fachwissen in Ornithologie und Naturschutzthemen erarbeitet. ORBEA steht für kompetenten, bodenständigen Naturschutz und verbindet Vogelschutz, Artenschutz, Förderung von Biodiversität mit Bildungsarbeit und politische Vernetzung.
Die Helferinnen und Helfer der ORBEA Ludwigshafen bringen große Expertise in ihre Arbeit ein. Viele von ihnen verfügen über spezielle Kenntnisse – etwa zu Fledermäusen, Wildbienen, Hornissen und Wespen – sowie über fundiertes Wissen zu Biodiversität und ökologischen Zusammenhängen. Darüber hinaus können sie verlässliche Erstversorgung für verletzte Tiere leisten.
Von Volkshochschule bis Forschungsprojekt
Die Entstehungsgeschichte der ORBEA ist eng mit der lokalen Bildungsarbeit verknüpft: Aus Volkshochschul-Kursen bildete sich in den 1960er-Jahren ein kleiner Kreis von Vogelfreunden, der bald zum Kern der ORBEA wurde. Diese Gruppe organisierte Exkursionen, Vorträge und erste Pflanzaktionen – und legte so das Fundament.
„Heute wollen wir nicht nur Vögel retten, sondern Lebensräume erhalten“, sagt Eisele. Entsprechend hat sich ORBEA mit den Jahren inhaltlich weiterentwickelt: Aus dem früher stark ornithologisch geprägten Arbeitskreis wurde eine breit aufgestellte Naturschutzorganisation, die Arten- und Lebensraumschutz im größeren Zusammenhang der Biodiversität behandelt.
Besonderes Gewicht hat der Industrie- und Gebäudeschutz: Auf Industrieflächen werden geeignete Flächen erkannt, geschützt und gefördert, ohne Betriebsabläufe zu stören – ein Modell, das in Ludwigshafen bereits erfolgreich mit lokalen Unternehmen umgesetzt wird. In Zusammenarbeit mit Architekturbüros, Wohnungsbaugesell-schaften und Industrieunternehmen wurden bis heute über 3.500 Nistmöglichkeiten in Neubauten geschaffen. In den vergangenen Jahrzehnten hat ORBEA daneben etwa 3.000 Sträucher und Hecken in Ludwigshafen und Umgebung gepflanzt – stets in enger Kooperation mit der Stadt, die sich als Förderin und Partnerin erwiesen hat.
Weitere Aktivitäten der ORBEA sind die Betreuung von über 2.000 Nistkästen und mehr als 600 Schwalbennestern in Ludwigshafen und Umgebung sowie der Schutz von Gebäudebrütern. Dazu kommt die Leistung von Erster Hilfe für verunglückte oder verwaiste Wildtiere – von Mauerseglern bis Igeln. „Dazu haben wir ein 24-Stunden-Notfalltelefon eingerichtet, das zu bestimmten Zeiten regelrecht heiß läuft“, so Eisele. Ein weiteres ORBEA-Aufgabenfeld ist die Pflege von Biotopen, neuerdings sogar mit einer eigenen etwa 60köpfigen Schaf- und Ziegenherde, die aus einem nahe gelegenen Gnadenhof rekrutiert wurde. Dazu kommen Pflanzungen von Hecken, Wiesen und Streuobstbeständen.
Klimawandel und invasive Arten werden in allen Aktivitäten mitgedacht: ORBEA bereitet Schutzmaßnahmen vor, fördert Insektenlebensräume und passt Pflegekonzepte an veränderte Artenzusammensetzungen an. Jüngstes Projekt ist die Beteiligung an einem bundesweiten Umweltforschungsprogramm zur KI-gestützten Erfassung nachtaktiver Insekten. Daneben engagiert sich die ORBEA aktuell mit der Uni Göttingen beim Monitoring von Rebhühnern, ein ORBEA-Mitglied promoviert derzeit an der Uni Landau über Fledermäuse.
Besonders am Herzen liegt Eisele die von der ORBEA getragenen Bildungsangebote: „Wir bieten jährlich rund 20 Exkursionen, Vorträge und Schulprojekte. Erst vor kurzer Zeit bestanden eine Handvoll Nachwuchs-Umweltschützer ihr ‚Kinderzukunftsdiplom‘ auf unserer Station“, sagt Eisele. Ziel ist es auch künftig Menschen für den Schutz von Biodiversität und Stadtnatur zu gewinnen.
Abgerundet wird das ORBEA-Aufgabenspektrum durch politische Arbeit im Netzwerk mit anderen Natur- und Umweltverbänden in ganz Deutschland.
Außerdem bewegt sich die ORBEA in einem bewährten Netzwerk an hochkompetenten Partnern im Ehrenamt. Beispiele reichen von Wildvogelrettung e.V., Greifvogelstation Haßloch und Ehrenamtliche Wildvogelhilfe e.V., bis hin zum Gnadenhof Pfalzhof in Ellerstadt. Gemeinsam sichern sie schnelle Hilfe für verletzte oder verwaiste Tiere. Eisele betont: „Die Arbeit der ORBEA ist zu 100 Prozent ehrenamtlich, getragen von Idealismus und Spenden.“

Meilensteine aus 65 Jahren ORBEA
• 1960: Gründung durch Franz Stalla – aus VHS-Kursen entsteht der „Arbeitskreis für Ornithologie und Naturschutz“.
• 1962–2000: Aufbau einer der größten künstlichen Schwalbenkolonien Deutschlands.
• 1970er–2000: Bau der kleinen ORBEA-Station im Maudacher Bruch als Zentrum für Exkursionen, Schulführungen und Workshops, später kam ein kleines Naturkunde-Museum mit Präparaten hinzu. Einführung der „Goldenen Nisthöhle der Pfalz“ (über 25-mal verliehen).
• 1987–2000: Franz Stalla erhält für die ORBEA zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, den Umweltschutzpreis und den Maximilianstaler der Stadt Ludwigshafen.
• Ab 2000: Kooperationen mit Schulen und Unternehmen wie GAG (Nisthilfen bei Gebäudesanierungen) und BASF (Industrienaturschutz). Pflanzaktionen im Ludwigshafener Hochzeitswäldchen – über 3.000 Bäume und Vogelschutz-Sträucher initiiert gemeinsam mit der Stadt Ludwigshafen und Industrieunternehmen, Integration von Schutzmaßnahmen in Stadtplanung und Industrieflächen. Aktionen im „Jahr der Stadtvögel“ (2009). Erfolgreiches Engagement für die Unterschutzstellung von Vogelräumen: Hansenbusch (West) 2007 und Südteil Große Blies 2017.

Unterstützen auch Sie die Arbeit der ORBEA – praktisch, finanziell oder durch Kooperationen. Helfende Hände sind ebenso willkommen wie jede Spende.

ORBEA – Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein
Leitung: Klaus Eisele, Kathrin Barsnick (ehrenamtlich)
Station Maudacher Bruch, Ludwigshafen
Kontakt: naturschutz@orbea-lu.de, Buero-LU@t-online.de
Kontakt für Presse: Klaus-Peter Rieser, Mobil 0174 1973160
Notfall-Wildtierhilfe: 0160-99164962

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Klaus Eisele von der ORBEA entlässt einen Uhu auf einem waldähnlichen Industriegelände in die Freiheit | Foto: Foto: ORBEA
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Autor:

Klaus-Peter Rieser aus Ludwigshafen

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