BriMel unterwegs
„Jazz meets Movie“ im Freischwimmer
- Drei exzellente Musiker im Freischwimmer
- Foto: Johann-Peter Melder
- hochgeladen von Brigitte Melder
Ludwigshafen. Die Location „Freischwimmer“ im ehemaligen Hallenbad Nord lockte am 15. September wieder einmal etliche Gäste an, um bereits in der 6. Saison mit „Olaf Schönborn & Friends“ einen musikalischen Höhepunkt zu erleben. Eingeladen hatte der umtriebige Saxofonist Olaf Schönborn dieses Mal die beiden Musiker Robert Schippers aus Aachen an der Orgel und Julian Losigkeit aus Mannheim am Schlagzeug. Mit bekannten Melodien von Ennio Moricone, Henry Mancini, Klaus Doldinger und vielen anderen interpretierten sie atmosphärisch mitreißenden Jazz. Die perfekte Ergänzung zum gerade zu Ende gegangenen Festival des Deutschen Films auf der Parkinsel.
Geschäftsführer Jozua Knoll checkte die Technik und begrüßte in gewohnt herzlicher Manier die Gäste des heutigen Events. Er freute sich, dass das Publikum so zahlreich erschienen war und viele Gesichter kenne er zudem. Er erzählte von der zum „Tag des offenen Denkmals“ enthüllten Skulptur „Fliegender Genius“, die nun wieder im Foyer zu finden sei. Bis 2001 stand sie hier, wurde dann aber aus Sicherheitsgründen entfernt. Langfinger sind überall, die solche „Schwergewichte“ stehlen und einschmelzen lassen.
Programmhinweise unter anderem zum Jubiläumskonzert „70 Jahre Freischwimmer“ mit dem bekannten Trompeter Joo Kraus am 20.10. folgten, das als ganz besonderes Konzert gefeiert wird. Sie haben sich etwas gegönnt und für den Tag auch den besseren Champagner eingeplant. Am 17.11. kommt ein alter Freund von Olaf Schönborn, Thomas Siffling mit „Tribute to Sonny Rollins & Miles Davis“ (Miles Davis wäre 100 Jahre alt geworden. Der 08.12. steht im Zeichen von Weihnachten und Plätzchen mit „Mehr als Xmas Jazz“ und der Berliner Sängerin Sarah Kaiser. Hinweis, dass der Verein noch Mitglieder sucht und Freude auf heutigen Melodien, die man erkennt. Die Musiker haben gut geübt dafür. Unter großem Applaus kam das Trio zu ihrer Becken-Stage.
Olaf Schönborn, frisch vermählt mit der Musikerin Gabi Klinger, hatte nach der Sommerpause und vielen anderen Auftritten heute wieder sein „Wohnzimmerkonzert“. Spot an, Ton an und schon ging es los. Das erste Stück von Ennio Moricone mit dem Titel „Poverty“ stammt aus dem Film „Es war einmal in Amerika“, zu Beginn mit vielen Schwingungen von der Hammondorgel ausgehend, erst später setzten Saxofon und Schlagzeug ein. Um ein besseres Gefühl für seine Fußarbeit zu haben, spielt Robert Schippers ohne Schuhwerk. Das „Trio mit sechs Händen“ spielte hemdsärmelig. Applaus für diesen tollen Einstieg in den Abend. „Lelianas Song“ spielte man aus dem Videospiel „Klagelied der Elfen“ aus World of Warcraft. Olaf Schönborn bediente sich hierbei eines ganz besonderen blockflötenähnlichen Instrumentes, was dem Ganzen etwas mystisches verlieh. Einen besonderen Touch verliehen die Musiker „Aquarius“ aus dem Film „The 5th Dimension“ by Donna Summer. Die Hammondorgel wurde im Takt mit dem Schlagzeuger mit Klatscheinlagen seitens des Publikums begleitet. Ein Streich über die Tasten zur Beendigung belohnte das Publikum mit viel Applaus. Filmmusik passt auch wunderbar zu einem Film, wie zum Beispiel Orson Welles‘ Thriller aus den 50er Jahren „Der dritte Mann“. Damals spielte der Österreicher Anton Karas auf einer Zither die Akkorde. Olaf hörte ihn noch persönlich spielen als dieser vor 1500 langhaarigen und kaum interessierten Studenten in der Mensa während des Mittagessens ein Konzert gab. Heute wurde die Zither durch das Saxofon ersetzt. Hauptsache man hat die Melodie im Kopf. Im Film „Frühstück bei Tiffany“ hatte Audrey Hepburn „Moon River“ gesungen, im 3/4 Walzer-Takt. Das Trio änderte es in einen 5/4 Takt und Robert Schippers reizte sein Spiel bis zuletzt aus, so dass Olaf Schönborn lange warten musste bis er wieder zum Einsatz kam. Zur nächsten Filmmusik erzählte er die Geschichte: der Film spielt in der Prärie - wurde aber auch für eine Werbung benutzt. Heute dürfte man hierfür keine Werbung mehr machen: Es war der Song aus der „Marlboro“ Zigarettenwerbung. Ursprünglich stammte die Melodie aber aus dem Western „Die glorreichen Sieben“. Schloss man die Augen, zog der Film an einem vorbei, die Cowboys und indigenen Reiter, mit denen es im Galopp in die Pause ging.
Olaf Schönborn freute sich, dass es bereits die 6. Saison seiner Konzert-Reihe ist und ist dankbar, dass das Publikum immer so zahlreich kommt, egal, was gespielt wird. Er bedankte sich bei Jozua Knol und dem ganzen Freischwimmerteam für die stetige Hilfe. Er betonte, dass sie kein offizielles Budget für Werbung erhalten, sondern dass die Werbung nur über „Mund zu Mund“-Propaganda funktioniert. Mit der getragenen Titelmelodie aus „Gladiator“ und Soloparts ging es weiter, Olaf Schönborn hielt sich dezent im Hintergrund. Er glänzte heute wieder mit einer erfrischenden Moderation. Applaus für die Premiere mit den beiden Musikern. Er fragte wie üblich das Publikum, woher es kommt, wobei ein Gast sogar aus Darmstadt gekommen war. Hier kann man sich noch connecten ohne online zu sein und es entsteht ein reger Austausch zwischen den Zuschauern. Die momentane Verkehrssituation veranlasste ihn zu der Bemerkung, dass es leider keine Seilbahn gab, um nach Ludwigshafen zu gelangen.
James Bond 007-Filme kennt auch fast jeder und hieraus spielten sie „Live and let die“ (im Original von Paul McCartney), bei dem das Publikum wieder im Klatschtakt mitmachte. Tosender Applaus für diese grandiose Performance. Die Melodie aus „Das Boot“ hat viele tiefe Töne. Das Basssaxofon mit 20 kg Gewicht hievte Olaf Schönborn nur für sein heutiges Publikum in die Höhe und der Klang war einzigartig, tatsächlich wie in einem U-Boot. Als der Film „Easy Rider“ in den 70er Jahren erschien waren die Schauspieler noch wilde Kerle. Schönborn präsentierte den Song dem Alter der Schauspieler angepasst jetzt etwas langsamer als Swingversion: „Born to be wild“ wieder mit dem Altsaxofon gespielt und mit Refrain-Begleitung durch das Publikum. Ein Gast hatte Geburtstag und bekam natürlich von allen „Happy Birthday“ gesungen. Die Vorstellung der Bandmitglieder folgte bevor mit einer speziellen irischen Holzflöte von Celine Dion „My heart will go on“ aus dem Film „Titanic“ gespielt wurde. Olaf Schönborn spielt dieses Instrument nicht so häufig und deshalb verwunderte es auch nicht, dass ein paar kleine Töne danebenlagen. Mit seinem Saxofon war er wieder „save“ und ein Stück sollte noch folgen. „Singin‘ in the rain“ aus dem Film „Du sollst mein Glücksstern sein“ und die Finger flogen nur so über die Tasten der Hammondorgel. Extra Applaus dafür. Hinweis auf den Kultursommer Ludwigshafen für nächsten Dienstag, wo ein Vortrag mit Livemusik aus den 20er Jahren und Jazz um 19.30 Uhr im Max-Planck-Gymnasium stattfinden wird. Ohne Zugabe gings natürlich nicht und das Publikum ging höchst zufrieden nach Hause. (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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