Hospizarbeit in Ludwigshafen
25 und 20 Jahre im Einsatz für Sterbende

Gedenkplatz im Hospiz Elias | Foto: Katja Hein
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Gleich zwei besondere Jubiläen: In diesem Jahr feiert der Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst (AHPB) in Ludwigshafen sein 25-jähriges Bestehen. Das stationäre Hospiz Elias nahm fünf Jahre später im April 2005 die ersten Patienten auf und blickt in diesem Monat auf 20 abwechslungsreiche Jahre zurück.

Als der Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst vor 25 Jahren mit zwei hauptamtlichen Krankenschwestern in Ludwigshafen startete und später das Hospiz Elias 2005 im Ludwigshafener Ortsteil Gartenstadt seine Türen öffnete und die ersten Patienten aufnahm, war die Idee, sterbenden Menschen nicht nur medizinische, sondern vor allem menschliche Begleitung zu bieten, noch längst nicht so verbreitet wie heute. „Es war eine Zeit, in der über das Sterben wenig gesprochen wurde“, erinnert sich Rolf Kieninger, der das stationäre Hospiz seit dem ersten Tag leitet und prägt, zu dem inzwischen auch der Hospizdienst gehört. „Wir wollten genau das ändern. Wir wollten Orte schaffen, die offen sind – offen für Gespräche, für Begegnungen und für das Leben bis zuletzt“, führt er weiter aus.

Ermöglicht wurde der Hospizneubau durch das Vermächtnis von Gerda und Dr. Heinz Bauer, die der Hospizbewegung eng verbunden waren und einen der ersten Kurse für ehrenamtliche Hospizbegleiter in Ludwigshafen besucht hatten. Wichtige Grundlage war damals, der fünf Jahre vor dem stationären Hospiz gegründete Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst. Seit inzwischen 25 Jahren berät und begleitet der AHPB schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige in und um Ludwigshafen in ihrer vertrauten Umgebung. Der ambulante Dienst, in dem haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende zusammenarbeiten, ist eng mit dem stationären Bereich vernetzt.

Menschlichkeit und Zuwendung

Das Hospiz Elias, zu dem zusätzlich zum AHPB und stationären Bereich auch ein SAPV-Stützpunkt und ein Bildungswerk gehören, steht für gelebte Mitmenschlichkeit, aber auch für Innovation, Vielfalt und gesellschaftliches Engagement. Die Einrichtung hat sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der regionalen Gesundheitsversorgung entwickelt. Besonders die stationäre Einrichtung weit mehr als ein medizinischer Ort. Es ist ein Zuhause – für die begleiteten Patientinnen und Patienten ebenso wie für ihre Angehörigen. Die Zimmer sind individuell eingerichtet, auf Wunsch können persönliche Gegenstände mitgebracht werden. Gemeinschaft und Geborgenheit stehen im Vordergrund. „Unser Ziel ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, die unsere Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt“, betont Hospizleiter Rolf Kieninger. Dazu gehört eine Begleitung rund um die Uhr, aber auch ein nach den persönlichen Wünschen gestalteter Tagesablauf. „Das späte Frühstück im Bett, das Fest mit den Angehörigen im Garten oder eine Party im Seminarraum – das alles darf und soll so sein“, so Rolf Kieninger. Oder wenn jemand nachts um drei eine Suppe will – dann bekommt er sie. „Das gehört für uns dazu.“

Nicht der Tod, sondern das Leben im Mittelpunkt

„Wir kochen und backen gemeinsam, feiern Geburtstage und manchmal auch einfach das Leben“, ergänzt Pflegekraft Susanne Ringeisen, ebenfalls seit dem ersten Tag mit im Team. Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Konzept: Nicht das Sterben stehe im Mittelpunkt, sondern das Leben – so lange es eben geht. Ein besonders bewegender Moment war die Hochzeit einer Patientin im Garten des Hospizes, erinnern sich die Mitarbeitenden. „Sie wusste, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb“, erzählt Ringeisen. „Aber sie wollte diesen Tag noch erleben. Also haben wir mit ihr zusammen alles vorbereitet – vom Blumenstrauß bis zum Sekt. Es war ein Fest voller Tränen, aber auch voller Liebe und Leben.“ Brigitte Schulz, die auch zu den Mitarbeiterinnen der ersten Stunde gehört, kreierte extra eine Hochzeitstorte. Es sind diese Geschichten, die deutlich machen, was für ein besonderer Ort das Hospiz ist und was es für die hier arbeitenden und auch die hier betreuten Menschen bedeutet.

Mit acht individuell gestalteten Zimmern, einer gemeinschaftlichen Küche und einem lichtdurchfluteten Aufenthaltsraum schafft das Hospiz eine Atmosphäre des Miteinanders. Der weitläufige Garten mit Atrium, Rosenpavillon und Gemüsegarten lädt zum Verweilen ein und bietet Patienten, Mitarbeitenden und Angehörigen Orte der Ruhe und Besinnung, aber auch einen Grillplatz für gemeinsame Feiern.

Auseinandersetzung mit Leben, Sterben, Tod und Trauer

Das in der Ludwigshafener Gartenstadt angesiedelte Hospiz hat sich immer weiterentwickelt. Dabei war dem Team von Anfang an gesellschaftliches Engagement wichtig. Das startete bereits mit dem Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst vor 25 Jahren. 2008 wurde dann das Bildungswerk Hospiz Elias gegründet, um die Themen Leben, Sterben, Tod und Trauer noch mehr in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen. Durch Seminare, Workshops und Informationsabende werden sowohl Fachkräfte als auch Interessierte angesprochen. Aber auch beim Engagement für Diversität und Inklusion setzt das Hospiz Zeichen. Im Mai 2023 wurde die Ludwigshafener Einrichtung als erstes Hospiz in Rheinland-Pfalz und zweites in Deutschland mit dem Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ ausgezeichnet. Eine Kultur der Offenheit und Akzeptanz gegenüber Menschen unterschiedlicher Religionen oder sexueller Orientierungen und Identitäten ist dem Team wichtig. „Viele ältere oder pflegebedürftige Menschen, die der LGBTQ-Community angehören, haben Angst, sich am Lebensende erneut verstecken zu müssen. Aber auch Menschen mit jüdischem Hintergrund befürchten heute noch Diskriminierung", erklärt Kieninger. Er und sein Team sehen sich in der Verpflichtung, Diversität zu leben und für Akzeptanz einzutreten – immer wieder und immer neu.

In 25 und 20 Jahren fast 7.000 Sterbende begleitet

Zum Jubiläum blickt das stationäre Hospiz auf über 2.300 begleitete Menschen zurück. Die durchschnittliche Verweildauer liegt seit dem Beginn bei 21 Tagen. Manche blieben wenige Tage, andere mehrere Monate. Über 4.500 Menschen wurde seit Beginn des AHPBs das längere Verbleiben in der häuslichen Umgebung ermöglicht. Auf das Geleistete ist das Team zu Recht stolz, ist doch auch viel Pionierarbeit damit verbunden.

Hinter den Zahlen stehen viele individuelle Geschichten – voller Schmerz, aber vor allem voller Dankbarkeit und Hoffnung. Dabei sei vor allem auch die Begleitung der Angehörigen eine wichtige Aufgabe. „Man kann den Abschied an einem geliebten Menschen nicht üben“, so die Hospizmitarbeitenden. Sie werden oft gefragt, wie man hier arbeiten kann. „Es ist eine sehr erfüllende Arbeit, die mich jeden Tag vor neue Herausforderungen stellt. Das Sterben kann ich nicht verhindern, aber ich kann versuchen, es erträglich zu machen“, antwortet Hospizleiter Rolf Kieninger darauf. Und Susanne Ringeisen ergänzt: „Die Arbeit im Hospiz hat mich tief in mein eigenes Menschsein hineingeführt“.

Albert Schweitzer schrieb einmal: „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“ Im Hospiz Elias mit seinen vier Säulen wird dieser Satz gelebt – Tag für Tag. Hier ist ein Ort, an dem Menschen in ihrer letzten Lebensphase mit Würde und Respekt begleitet werden.

Hospiz Elias – Zahlen & Fakten

  • Start Ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst (AHPB): 2000, mit einem Büro im St. Annastiftskrankenhaus
    Begleitete Menschen AHPB: rund 4.500
  • Eröffnung stationäres Hospiz: 2005 auf dem Gelände des St. Marienkrankenhauses, 8 stationäre Einzelzimmer
    Begleitete Menschen stationäres Hospiz: über 2.300
  • Besonderheiten
    - Bildungswerk seit 2008
    - SAPV-Stützpunkt
    - Qualitätssiegel „Lebensort Vielfalt“ (seit 2023)
    - Nachhaltigkeitsprojekte (z. B. Photovoltaik-Anlage)
  • Träger: St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH
  • Leitung: Rolf Kieninger

Weitere Informationen unter: www.hospiz-elias.de

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Autor:

Katja Hein aus Ludwigshafen

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