Mut-Tour macht Station in Landstuhl
Teilnehmer bieten Austausch für einen offenen Umgang mit Depression

Sechs Teilnehmer der Mut-Tour machten Halt am Alten Markt. Der Smiley soll Anonymität ermöglichen und ein Zeichen dafür sein, dass sich viele Menschen mit Depression noch immer verstecken müssen  Foto: Walter
  • Sechs Teilnehmer der Mut-Tour machten Halt am Alten Markt. Der Smiley soll Anonymität ermöglichen und ein Zeichen dafür sein, dass sich viele Menschen mit Depression noch immer verstecken müssen Foto: Walter
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Landstuhl. Für diese Tour muss man Mut haben, und das gleich in mehrfacher Hinsicht: In der vergangenen Woche machte die Mut-Tour Station in Landstuhl. Die Teilnehmer sind gemeinsam in ganz Deutschland unterwegs, um anderen Mut zu machen und ins Gespräch zu kommen. Das Ziel: Depressionen zu entstigmatisieren.

Von Stephanie Walter

In der Sickingenstadt Landstuhl kamen am Donnerstag sechs Teilnehmer der Tour mit ihren Tandems am Alten Markt an. Naomi und Antoniya berichteten in einem Gespräch mit dem Wochenblatt von ihrer Reise und ihren Erfahrungen im Umgang mit der Erkrankung.
Für beide ist es das zweite Mal, dass sie an der Tour teilnehmen. Erlebt haben sie bisher viel Positives, nicht nur von der gemeinsamen Reise, sondern auch von den vielen Gesprächen mit Interessierten vor Ort. Trotzdem ist die anstrengende Reise, bei der pro Tag rund 60 Kilometer zurückgelegt werden, auch eine Herausforderung.
„Mit völlig fremden Menschen unterwegs zu sein, gemeinsam nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen, zusammen zu kochen und auch mit den Menschen an den Haltestellen ins Gespräch zu kommen, dafür braucht man schon Mut. Auch bei der Fahrt auf dem Tandem, bei der es darum geht, zu vertrauen, oder Verantwortung zu übernehmen“, erzählt Antoniya.
Trotzdem sind es die Bewegung und die gemeinsamen Gespräche, die den Teilnehmern auch persönlich gut tun. „Es gibt sehr tiefe und intime Unterhaltungen, natürlich auch über unsere Depressionserfahrung, aber wir erleben auch viel Schönes und es macht insgesamt sehr viel Spaß“, so Naomi. Die Mut-Tour soll aber in erster Linie nicht der Therapie gelten, sondern Aufmerksamkeit erregen und das Thema Depression in die Öffentlichkeit tragen. Dies gelingt auch, denn oft werden die Gruppen angesprochen. Dabei ist es den Teilnehmern wichtig, sich bewusst Zeit für das persönliche Gespräch mit Interessierten oder Betroffenen zu nehmen.

Für einen offenen Umgang und gegen Stigmatisierung

„Wir sind unterwegs, um ins Gespräch zu kommen und für Offenheit mit der Erkrankung zu werben, denn Depressionen müssen als ’normale’ Krankheit anerkannt werden“, so Antoniya. Ein großes Problem seien immer noch Vorurteile und Unverständnis. Beide Interviewpartnerinnen berichten von Situationen, in denen sie selbst Vorurteile erfahren haben, durch Ärzte, Krankenkassen oder Bekannte. Oft wird ein falsches Bild der Krankheit gezeichnet, weil es auch zu wenige Informationen über psychische Erkrankungen gibt. Das Krankheitsbild ist sehr vielfältig, bei jedem können die Auswirkungen unterschiedlich sein.
„Auch wenn wir in Deutschland schon sehr weit sind und wir oft Interesse und Verständnis erfahren, haben persönliche Erlebnisse gezeigt, dass das Thema noch ein Problem darstellt. Viele Betroffene haben Angst, von ihrer Erkrankung und Therapie zu sprechen und schämen sich. Oft kommen Selbstzweifel und Schuldgefühle dazu, weil die Krankheit nicht als solche akzeptiert, oder man wie ein rohes Ei behandelt wird“, so Naomi.
Um zu zeigen, dass sich viele Depressionserfahrene noch immer verstecken müssen, beziehungsweise Angst haben, über ihre Erkrankung zu sprechen, trägt bei jedem Gruppenfoto ein Teilnehmer einen Smiley als Maske vor dem Gesicht.
Gerade im Hinblick darauf, dass noch immer sehr viele Vorurteile existieren, freuen sich die Teilnehmer sehr, dass auch eine Mitfahrerin ohne Depressionserfahrung zu der Gruppe gehört.
„Wer noch nicht an einer Depression erkrankt war, kann nur schwer nachvollziehen, wie es uns damit geht und warum wir uns so verhalten, wie wir es tun. Daher ist es toll, dass unsere Mitfahrerin so offen ist und uns verstehen will. Das ist genau das Zeichen, das wir setzen wollen“, erzählt Antoniya.

Selbst mitfahren

ür die nächste Mut-Tour werden bereits jetzt Mitfahrer gesucht. Wer teilnehmen möchte, muss zunächst ein Mitmachwochenende in Kassel besuchen.
Dort erfährt man, wie die Tour abläuft. Als Vorbereitung auf die Tour, bei der sich die Teilnehmer die Unterkunft selbst suchen, wird hier bereits gecampt. Der Besuch eines Mitmachwochen-endes verpflichtet nicht nur Teilnahme. Es besteht auch die Möglichkeit, die Gruppe nur für einzelne Etappen zu begleiten. sw

Weitere Informationen:

Weitere Informationen zur Mut-Tour gibt es unter www.mut-tour.de

Autor:

Stephanie Walter aus Wochenblatt Landstuhl

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