Erst gerettet, jetzt wieder vor dem Aus: Landstuhl droht ICE-Halt zu verlieren
- ICE vor dem Aus: Die Deutsche Bahn streicht zum Fahrplanwechsel 2027 die bisherige Frühverbindung zwischen Saarbrücken und München. Damit steht auch der erst im vergangenen Jahr gerettete Fernverkehrshalt in Landstuhl erneut auf der Kippe (Symbolbild).
- Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
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Fahrplan 2027: Deutsche Bahn streicht die erst vor einem Jahr gerettete München-Verbindung wegen schwacher Nachfrage. Ob Landstuhl damit seinen letzten Fernverkehrshalt verliert, ist noch offen.
Von Erik Stegner
Landstuhl. Erst drohte das Aus, dann kam die überraschende Rettung. Doch die Freude über den Erhalt des ICE-Halts in Landstuhl könnte nur von kurzer Dauer sein. Ausgerechnet jene Verbindung, die der Sickingenstadt vor einem Jahr den Verbleib im Fernverkehrsnetz sicherte, streicht die Deutsche Bahn nun wieder. Der Grund: sehr schwache Nachfrage. Damit steht Landstuhl erneut vor einer ungewissen Zukunft als Fernverkehrsstation.
ICE nach München und Garmisch wird gestrichen
Wie die Deutsche Bahn in ihrer Pressemitteilung vom 13. Oktober mitteilt, entfällt zum Fahrplanwechsel am Sonntag, 13. Dezember 2026, das zweite Fahrtenpaar zwischen Saarbrücken und München. Betroffen ist die frühe Verbindung mit Abfahrt um 5.36 Uhr in Saarbrücken, die bislang um 6.10 Uhr in Landstuhl hält und anschließend über Kaiserslautern, Mannheim, Stuttgart und Augsburg nach München fährt. Am Wochenende führt die Verbindung sogar weiter bis Garmisch-Partenkirchen. Auch die zugehörige Rückfahrt mit Ankunft um 22.16 Uhr in Saarbrücken fällt künftig weg.
Eine weitere Direktverbindung zwischen Saarbrücken und München bleibt bestehen. Sie startet um 8.27 Uhr in Saarbrücken. In der Gegenrichtung erreicht der Zug die saarländische Landeshauptstadt um 19.17 Uhr. Einen Halt in Landstuhl nennt die Deutsche Bahn für diese Verbindung in ihrer aktuellen Pressemitteilung allerdings nicht. Damit steht die Frage im Raum, ob der Bahnhof Landstuhl künftig erneut vollständig vom planmäßigen Fernverkehr abgekoppelt wird.
Schon im Oktober 2025 drohte das Aus
Die aktuelle Entwicklung erinnert an die Diskussion im vergangenen Jahr. Damals hatte die Deutsche Bahn zunächst vorgesehen, zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 die planmäßigen Fernverkehrshalte in Landstuhl zu streichen. Der rheinland-pfälzische Mobilitätsstaatssekretär Michael Hauer schlug Ende Oktober Alarm. Er kritisierte die weitere Ausdünnung des Fernverkehrs in der Fläche und forderte mehr Planungssicherheit. Für Reisende aus Landstuhl hätte die Streichung bedeutet, künftig grundsätzlich in Kaiserslautern oder Homburg (Saar) in den Fernverkehr umsteigen zu müssen. Doch wenig später folgte die überraschende Wende: Nach Gesprächen mit der Deutschen Bahn konnte Stadtbürgermeister Mattia De Fazio verkünden, dass der Fernverkehrshalt doch erhalten bleibt. Ein kurzfristig geänderter Fahrzeugeinsatz machte es möglich, den bisherigen Eurocity durch einen kürzeren ICE zu ersetzen. Die tägliche Direktverbindung nach München, am Wochenende sogar bis Garmisch-Partenkirchen, galt damals als deutliche Aufwertung für den Bahnhof Landstuhl.
Schon damals warnte die Bahn vor geringer Nachfrage
Allerdings hatte die Deutsche Bahn bereits bei der Bekanntgabe der positiven Entscheidung auf ein Problem hingewiesen: Die bisherige Fernverbindung wurde nur wenig genutzt. Als mögliche Ursache nannte das Unternehmen attraktive parallele Nahverkehrsangebote, die auch mit dem Deutschlandticket genutzt werden können. Weitere Fernverkehrshalte waren deshalb schon damals nicht vorgesehen. Stadtbürgermeister Mattia De Fazio appellierte seinerzeit ausdrücklich an die Bevölkerung, das Angebot stärker zu nutzen. „Nur durch eine gute Auslastung können wir solche Verbindungen langfristig sichern“, betonte er damals. Die von der Bahn bereits damals angesprochene geringe Nachfrage erhält mit der angekündigten Streichung nun eine neue Brisanz. Welchen Anteil die Fahrgastzahlen in Landstuhl an der Entscheidung haben, ist bislang offen.
Neue ICE-Verbindung – aber nicht für Landstuhl
Während Landstuhl erneut um seinen Fernverkehrshalt bangen muss, kündigt die Deutsche Bahn für die Region eine zusätzliche Verbindung nach Hamburg an. Der ICE fährt künftig von Saarbrücken über Homburg (Saar), Kaiserslautern und Neustadt an der Weinstraße nach Frankfurt und weiter Richtung Norden. Landstuhl wird in der veröffentlichten Haltefolge nicht genannt.
Bleibt Landstuhl ganz ohne ICE? Antwort der Bahn steht noch aus
Ob mit der Streichung der frühen München-Verbindung tatsächlich sämtliche planmäßigen Fernverkehrshalte in Landstuhl entfallen, geht aus der Pressemitteilung der Deutschen Bahn nicht eindeutig hervor. Die Redaktion hat deshalb bei der zuständigen Pressesprecherin Marina Kallis nachgefragt. Dabei geht es auch um die bisherige Auslastung der Verbindung, die konkreten Fahrgastzahlen für Landstuhl und mögliche Alternativen für den Bahnhof. Bis zur Veröffentlichung dieses Berichts lag noch keine Antwort der Deutschen Bahn vor. Sobald eine Stellungnahme vorliegt, werden wir den Artikel entsprechend aktualisieren.
Wie wechselhaft sich die Zukunft des Landstuhler Fernverkehrshalts entwickelt hat, zeigen unsere beiden bisherigen Berichte:
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |
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