Streit, Rückzug, Schulprobleme: Wo Familien in Landau Hilfe finden
- Ambulante Hilfen unterstützen Familien in schwierigen Situationen.
- Foto: CJD Rheinland-Pfalz Süd
- hochgeladen von Annina Ksionsek
Landau. Wenn Regeln im Familienalltag nicht funktionieren, Streit häufig wird und Eltern wie Kinder sich überfordert fühlen, gerät das Zusammenleben schnell aus dem Gleichgewicht. Die Belastungen zeigen sich dann oft auch außerhalb der Familie: Kinder kommen unausgeschlafen in die Schule, ziehen sich zurück oder fallen durch ihr Verhalten auf. In solchen Situationen kann die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) Raum Landau des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands (CJD) Eltern und Jugendliche unterstützen.
Gaby Beck leitet beim CJD den Bereich Ambulante Hilfen. Die Fachkräfte der SPFH unterstützen Familien zu Hause, begleiten Kinder und Jugendliche und arbeiten gemeinsam mit ihnen an konkreten Zielen.
Wenn Belastungen sichtbar werden
Psychische Belastungen zeigen sich bei Kindern und Jugendlichen auf unterschiedliche Weise. Manche ziehen sich zurück, treffen keine Freunde mehr oder gehen nicht mehr zur Schule. Auch soziale Ängste, Unsicherheiten sowie aggressives oder stark oppositionelles Verhalten können Hinweise darauf sein, dass ein Kind Unterstützung benötigt.
Bei jüngeren Kindern können häufige Kopf- oder Bauchschmerzen ein Anzeichen für eine Überforderung sein. „Wenn ein Kind schon in der Grundschule häufig Kopf- oder Bauchschmerzen hat, sollte man schauen, ob etwas nicht stimmt“, sagt Beck. Eltern sollten dann genauer hinsehen und prüfen, ob das Kind an einer Stelle überfordert oder unglücklich ist.
Auch soziale Medien und Computerspiele können den Alltag belasten. Kinder und Jugendliche verbringen nach Becks Erfahrung teilweise viele Stunden vor Tablets oder Computern und ziehen sich in digitale Welten zurück. Verabredungen mit Gleichaltrigen und gemeinsame Zeit in der Familie würden dadurch mitunter weniger. Hinzu kommen können Einsamkeit, Cybermobbing und der Druck, in sozialen Netzwerken ständig erreichbar zu sein.
Konflikte zu Hause
Eine wichtige Rolle spielen Konflikte innerhalb der Familie. Viele Eltern hätten selbst nicht gelernt, Auseinandersetzungen konstruktiv zu lösen. In angespannten Situationen griffen sie deshalb häufig auf Verhaltensmuster zurück, die sie aus ihrer eigenen Kindheit kennen.
Die Fachkräfte arbeiten mit den Familien daran, neue Formen der Kommunikation zu entwickeln. Eltern lernen, wie sie ihre Kinder ansprechen können, damit diese bereit sind zuzuhören. Auch Regeln und Strukturen für den Alltag werden gemeinsam erarbeitet.
„Wenn ich gleich mit Aggressivität in meinem Ton und in meiner Wortwahl komme, will das Kind natürlich nicht“, erklärt Beck. Die Fachkräfte arbeiteten deshalb offen, wertschätzend, respektvoll und auf Augenhöhe. Sie wollten den Familien nicht vorschreiben, was sie zu tun hätten, sondern sie dabei unterstützen, eigene Lösungen zu entwickeln.
Jugendliche brauchen Vertrauen
Wie Jugendliche auf die Unterstützung reagieren, ist unterschiedlich. Manche können schnell benennen, was sie belastet. Andere sind zunächst ängstlich oder verschlossen. In solchen Fällen setzen die Fachkräfte nicht auf Druck.
„Ehrliches Interesse zeigen, sich wirklich auf die Kinder einlassen und eine Sprache verwenden, die sie verstehen“, nennt Beck als wichtige Grundlage. Statt mit Forderungen auf Jugendliche zuzugehen, könne es helfen, zu fragen: Wie geht es dir? Was brauchst du? Wie kann ich dich unterstützen?
Wenn Vertrauen entsteht, öffnen sich Jugendliche nach Erfahrung der Fachkräfte häufig. Dabei sei es wichtig, ihnen nicht das Gefühl zu geben, jemand wisse bereits, was für sie richtig sei.
Drei Formen der Unterstützung
Das CJD bietet im Raum Landau verschiedene ambulante Hilfen an. Dazu gehören die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) Raum Landau, die Erziehungsbeistandschaft und der begleitete Umgang.
Bei der SPFH kommen Fachkräfte regelmäßig in die Familie und unterstützen Eltern und Kinder im Alltag. Bei der Erziehungsbeistandschaft liegt der Schwerpunkt auf der Begleitung eines Kindes oder Jugendlichen. Der begleitete Umgang unterstützt den Kontakt zwischen Eltern und Kindern, wenn dieser nicht ohne Hilfe stattfinden kann.
Welche Unterstützung notwendig ist, wird gemeinsam mit dem Jugendamt, der Familie und den Fachkräften vereinbart. Dabei werden konkrete Ziele festgelegt. Die SPFH kann ein- bis dreimal pro Woche für jeweils ein bis zwei Stunden in die Familie kommen.
Zu Beginn findet ein gemeinsames Gespräch statt. Dabei werden die ersten Ziele festgelegt. Im Verlauf der Unterstützung können weitere Themen hinzukommen. Die Fachkräfte besprechen ihre Berichte mit der Familie, bevor sie an das Jugendamt weitergegeben werden.
Die Aufträge für die ambulanten Hilfen kommen nach Angaben Becks ausschließlich vom Jugendamt. Je nach Situation können auch die Schulsozialarbeit und Beratungsstellen erste Anlaufstellen sein.
Wenn sich etwas verändert
Wie viel ambulante Unterstützung bewirken kann, zeigt ein Beispiel aus Becks Arbeit. In einer Familie mit mehreren Kindern fehlten zunächst feste Strukturen. Die Mutter war mit Haushalt und Erziehung überfordert, der Vater arbeitete nachts und beteiligte sich kaum am Familienalltag. Die Kinder fielen im Kindergarten und in der Schule auf, die Familie hatte kaum Kontakte nach außen.
Über mehrere Jahre begleiteten die Fachkräfte die Familie. Gemeinsam mit der Mutter erarbeiteten sie, wie sie den Haushalt und den Alltag besser strukturieren konnte. Zeitweise gehörte auch ein Kontrollauftrag des Jugendamts dazu.
Nach Angaben Becks hat sich die Situation inzwischen deutlich verändert. Die Mutter kommt im Haushalt selbstständig zurecht, der Vater unterstützt sie. Die Kinder besuchen Kindergarten und Schule, haben Freundschaften und sind in Vereinen aktiv. Das älteste Kind hat eine Ausbildung begonnen. Eine Heimunterbringung konnte verhindert werden.
Aus einem zunächst abgeschlossenen Familiensystem sei ein offeneres geworden, sagt Beck. Die Kinder hätten ihren eigenen Weg gefunden und seien sozial besser angebunden.
Nicht allein bleiben
Auch Eltern sind häufig verunsichert, wenn ihr Kind psychisch belastet ist. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen, oder befürchten, dass sich die Situation weiter verschärft. Nach Becks Erfahrung haben manche außerdem Angst vor dem Jugendamt. Lange Wartezeiten auf Therapieplätze könnten die Belastung zusätzlich erhöhen.
Ihr wichtigster Rat an Familien lautet: „Auf keinen Fall alleine bleiben. Auf jeden Fall reden.“
Eltern können sich beispielsweise an das Jugendamt, die Schulsozialarbeit, Lehrkräfte oder Beratungsstellen wenden. Auch Jugendliche können beim Jugendamt Unterstützung suchen. Entscheidend sei, mit einer vertrauten Person über die Situation zu sprechen und Hilfe anzunehmen.
Was Mut macht
Was Beck in ihrer Arbeit Mut macht, ist ihr Vertrauen in die Veränderungsbereitschaft der Menschen. „Ich glaube, dass jede Mama und jeder Papa es so gut macht, wie er oder sie kann“, sagt sie. Manche könnten es zunächst nicht besser, wollten aber lernen, etwas zu verändern.
„Wir dürfen den Glauben an die Veränderungsbereitschaft der Menschen nicht aufgeben“, sagt Beck. „Alle Kinder haben es verdient, ein gutes Elternhaus und eine gute Kindheit zu haben. Alle Kinder haben Hilfe verdient. Das ist der Grund, weshalb wir immer wieder weitermachen, auch wenn es manchmal schwer ist.“ /ksio
Weitere Informationen: www.cjd.de
Autor:Annina Ksionsek aus Landau |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.