Zoo Landau warnt: Asiatische Wildschweine drohen auszusterben
- Eine Studie mit Beteiligung des Zoos Landau fordert schnelle Schutzmaßnahmen für zwölf asiatische Wildschweinarten.
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Landau. Eine Studie mit Beteiligung des Zoos Landau warnt vor einer drohenden Ausrottung asiatischer Wildschweinarten. Das Fachjournal Nature Reviews Biodiversity hat den internationalen Rettungsplan jetzt veröffentlicht.
Die Afrikanische Schweinepest bedroht zwölf Wildschweinarten, die ausschließlich in Asien vorkommen. Fünf dieser Arten stuft die Weltnaturschutzunion bereits als „vom Aussterben bedroht“ ein, eine weitere als „stark gefährdet“.
Dr. Jens-Ove Heckel, Direktor und Tierarzt des Zoo Landau in der Pfalz sowie Vorsitzender der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz, gehört zu den 31 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hinter der Studie. Das Team benennt acht Maßnahmen, mit denen Regierungen, Zoos und Naturschutzorganisationen gegensteuern können.
Wildschweine als Rettungsfall für Zoos
„Wir erleben hier eine der rasantesten Krisen, die jemals eine ganze Gruppe von Säugetieren mit Ausrottung bedroht hat. Das Zeitfenster zum Handeln wird bei einigen Arten bereits sehr klein“, sagt Heckel. Besonders dringend braucht es nach Einschätzung des Teams Frühwarnsysteme für Ausbrüche, größere Erhaltungszuchtprogramme und sofort verfügbare Notfallfinanzierungen.
Die Lage spitzt sich vor allem auf den Inseln Südostasiens zu. Auf den Philippinen leben mehrere Wildschweinarten nur auf einzelnen Inseln. Dazu gehören die Visayas-Mähnen- und Pustelschweine, die der Zoo Landau züchtet und die in der Natur nur noch kleine Restbestände auf Negros und Panay bilden.
Für mehrere Arten fehlt bislang eine formelle Bestandsbewertung durch die Weltnaturschutzunion. Nur fünf der zwölf endemischen Arten leben bisher in menschlicher Obhut. Einige Bestände bleiben zu klein, um die genetische Vielfalt langfristig zu sichern.
„Wir dürfen nicht warten, bis eine Art unmittelbar vor der Ausrottung steht. Erhaltungszucht muss beginnen, solange noch ausreichend Tiere und genetische Vielfalt vorhanden sind“, mahnt Heckel. „Zoos können dabei eine entscheidende Sicherungsoption, gleichsam Rettungsboote, für das Überleben bedrohter Arten bilden.“
Verlust hätte Folgen für ganze Ökosysteme
Wildschweine verbreiten Samen, gestalten Lebensräume und dienen großen Beutegreifern wie Tigern und Leoparden als Nahrung. Lokale und indigene Gemeinschaften verbinden mit ihnen außerdem wichtige Ernährungs- und Kulturtraditionen.
„Wenn eine solche Art verschwindet, verlieren wir nicht einfach eine weitere Tierart aus der Natur. Wir verlieren ein einzigartiges Stück Evolution und zugleich wichtige Funktionen innerhalb eines Ökosystems“, sagt Heckel.
Die Autorinnen und Autoren fordern deshalb einen koordinierten One-Health-Ansatz. Naturschutz, Veterinärmedizin, Landwirtschaft, Wissenschaft, Politik und lokale Gemeinschaften sollen zusammenarbeiten. Die Afrikanische Schweinepest betrifft damit nicht nur die Schweinehaltung, sondern auch Biodiversität, Ökosysteme, Ernährungssicherheit und menschliche Lebensgrundlagen.
Das Fachjournal Nature Reviews Biodiversity gibt der bislang wenig beachteten Artenschutzkrise zusätzliches internationales Gewicht. Die beteiligten Organisationen arbeiten bereits an der Umsetzung der Empfehlungen. Unter anderem wollen sie das Thema bei der UN-Biodiversitätskonferenz im Oktober in Jerewan weiter auf die internationale Agenda setzen.
Autor:Annina Ksionsek aus Landau |