Mit KI Leben retten: Neues Drohnenmodell schützt Kitze vor dem Tod
- Schüchtern und schützenswert liegt das Rehkitz da - und freut sich, wenn ihm geholfen wird.
- Foto: Oswald Mohn
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Kreis SÜW. Lebensrettung mal anders, das kann man von Mitte Mai bis Ende Juni auf und in den Wiesen im Landkreis SÜW beobachten. In diesem Zeitraum setzen sich einige Jäger, ausgestattet mit Wärmebild-Drohnen, und Ehrenamtliche – rund 60 Personen umfasst der Helferkreis - mit Kartons und Kunststoff-Kisten gepackt mit Gras, die verschlossen werden, zur Rettung der Kitze ein. Um 4 oder 5 Uhr fangen sie mit der Kitzrettung an, damit das Gras nicht erwärmt ist. Das sagt Oswald Mohn, der Ansprechpartner für die Landwirte. Er ist Jäger wie die meisten derer, die ehrenamtliche Kitzretter sind. Alle sind in der Kreisjagdgruppe Südliche Weinstraße, bei der Mohn im Vorstand und Schatzmeister ist.
„Wir stellen unsere Arbeit dem Landwirt zur Verfügung, der zum Tierschutz verpflichtet ist“, sagt Mohn. Wie das gemeint ist, erklärt er anschließend: „Der Landwirt ist verpflichtet nach dem Tierschutz- und Bundesnaturschutzgesetz, kein Tier ohne Grund zu töten. Die Mahd ist kein Grund, die Jagd schon, weil das Tier dann als Nahrungsmittel weiterverarbeitet wird.“
Kitze zu retten, ist sein und ihr Anliegen
Warum liegt es ihm am Herzen, die Kitze zu retten? – „Um sie vor dem Mähtod zu bewahren. Sonst werden sie durch den Mäher zerschreddert.“ Heute kann man für die Kitz-Rettung die neuesten digitalen Möglichkeiten nutzen. Zunächst aber entscheide sich der Zeitpunkt, wann man die Wiesen mähen müsse, schlichtweg nach der Wetterlage.
- Vorsichtig mit Handschuhen packt man das Tier an, damit die Mutter es wieder annimmt.
- Foto: Oswald Mohn
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„Man schaut in die Wettervorhersage hinein. Es muss mindestens drei Tage eine Schönwetter-Periode sein. Je nachdem wird sonst der Mahd-Termin verschoben.“ Am Montag, 11. Mai, oder Dienstag, 12. Mai, ist geplant, dass in Annweiler die Wiesen gemäht werden. Ein anderer Landwirt möchte erst am Mittwoch, 20. oder Donnerstag, 21. Mai, mähen.
„Das kann sich jeden Tag ändern, evtl. auch erst nach dem Feiertag“, sagt Mohn. Der Landwirt als Grundpilot rufe bei ihm an und sagt, dass er mähen wolle. Dann gehen sie morgens an die Wiese hin und holen die Kitze ab, wenn welche da sind. Letztes Jahr haben sie in seiner Region 98 Tiere aus den Wiesen herausgetragen, 200 gesichtet. Das Ganze hänge nicht nur mit der Wetterlage zusammen, sondern auch davon, wie alt sie sind. „Mit drei Wochen sind die Kitze so weit, dass sie flüchten können. Bevor sie drei Wochen alt sind, sind sie geruchlos, werden nicht von den Füchsen und anderen Wildtieren wahrgenommen. Ab drei Wochen haben sie ein Fluchtverhalten.“ Dank diesem kommen die Kitze leicht in Gefahr, vermäht zu werden.
Wie das passiert, schildert Mohn ebenfalls: „Der Mäher fährt mit einer entsprechenden Geschwindigkeit mit zwei Messern drüber und kann die Geschwindigkeit nicht stoppen. Um die Tiere vorher erkennen zu können, sind wir auf die Wärmebildkamera gekommen.“
KI ist im Einsatz
Dieses Jahr setzen sie erstmals die Künstliche Intelligenz ein, die über eine Wärmebildkamera auswertet, dass sich in der Wiese ein Tier befindet. „Dieses Jahr ist der Stand so, dass man nur ein Tier erkennt. Nächstes Jahr wird man erkennen können, was für ein Tier da ist“, sagt Mohn.
Ziel ist es auf nächstes Jahr hin auch, erkennen zu können, ob es ein ausgewachsenes Tier oder ein Jungtier ist. Die KI wird mit den Aufnahmen und damit Daten der Wärmebildkamera gefüttert. Die Drohne, die sie 2021 angeschafft haben, haben sie gegen ein neues Modell ausgetauscht, das mit KI funktioniert.
Früher hat man Stecken in die Böden gesteckt und eine Plane darüber, dass die Muttertiere erschreckt werden und ihre Jungen hinaustragen aus dem Feld. Nach drei Tagen empfinden sie es aber nicht mehr als Störung und merken es nicht. Insofern empfinde Mohn die Wärmebildkamera als bessere Alternative.
Besonderheiten
Die Drohnenpiloten sind Leute mit entsprechender Ausbildung. Ein Führerschein ist nötig, der beim Luftfahrtbundesamt ausgestellt wird, der A1 oder A2. „Die Drohne braucht eine Haftpflichtversicherung, denn, wenn sie herunterfällt, kann Schaden entstehen. Die Drohnenregistrierungsnummer gibt einen Hinweis darauf, wer der Besitzer ist. Drohnen bis 250 Gramm kann man ohne Führerschein fliegen.“
Wie funktioniert das über die Drohne, die man bei der Kitzrettung oben in der Luft sieht? „Das sind kleinere Drohnen, die vom Boden aus gesteuert werden. Die, für die man einen Führerschein braucht, werden über ein Tablet gesteuert. Man kann den Bildschirm in Wärmebildsicht und Sichtbild, das heißt das, was man ohne Wärmebild erkennt, aufteilen“, sagt Mohn.
Dranbleiben und dem Kitz hinterher sein muss man
Bernd Kirstahler aus Schweighofen arbeitet mit einem Team aus jemandem, der die Drohne fliegt sowie zweien, die das Kitz suchen und es einsammeln, bei der Kitzrettung zusammen. Das Gebiet, in dem sie tätig sind, erstreckt sich über Schweighofen sowie einige Wiesen in Kapsweyer und Oberotterbach. Er ist seit 25 Jahren als Jäger und Kitzretter dabei. Hier habe er schon viele Verletzungen von Tieren gesehen, die ihn erschüttert haben. Immer schon sei er Naturschützer gewesen und schon lange im BUND tätig, auch im Vorstand des Naturschutzbundes Südpfalz und des Storchenvereins in Kapsweyer-Steinfeld sowie als Jäger.
„Früher war es anstrengender“
Wenn er auf frühere Einsätze zurückblicke, sei dies anstrengender gewesen. Er habe immer mit dem Hund die Weiden abgesucht. Jetzt sei durch den Drohneneinsatz vieles sehr viel einfacher von den Einsätzen her. Die Kitze hat man mehr auf landwirtschaftlichen Flächen und Wiesen, die gemäht werden, gefunden. Vor ein paar Tagen hat man angefangen, zu mähen.
„Bei 40 Kilometer Wind pro Stunde wird es für die Drohne gefährlich. Ab da sollte man sie nicht mehr lenken und muss die Suche händisch machen. Auch, bevor die Sonne aufgeht, muss man es machen, damit die Erde sich nicht erwähnt. Nach dem Kitze Aufsammeln werden diese in Kartons und Kunststoff-Kisten gepackt mit Gras und so, dass die Tiere Luft bekommen. Man muss sie beschützen, denn sie sind sehr lebhaft. Ab dem Alter von ca. zwei Wochen bekommen sie den Fluchtreflex, gerade wenn man ihnen zu nahe kommt.“
Ab da gehe quasi das Erlebnis los: „Sobald die Drohne das Kitz entdeckt, lässt er sie zehn bis 15 Meter über ihm stehen. Der Helfer hat ein Fischernetz von einem Meter Durchmesser, das wir selbst gebaut haben, wirft es dem Tier über und fängt es damit. Manchmal rennt es weg und dann muss man mit der Drohne hinterherfliegen und muss es finden.“
Ein Drohnenpilot erzählt
Frank Allein, der für das Gebiet Duttweiler zuständig und ebenfalls ein Tiere schützender Jäger ist, ist einer der Drohnenpiloten. Er suche die Gegend gerne ab, weil er Tiere liebt und den Anblick, wenn diese leiden, nicht ertragen kann. Oft bemerken Fußgänger, dass ein Problem bestehe, und sprechen ihn dann darauf an. Durch die neue Verfahrensmethode mit den Drohnen werden in der Regel weniger Tiere übersehen. In den Weinbergen ist das selten der Fall. Häufiger liegen die Kitze in den Wiesen.
In den fünf Jahren, seitdem er dabei ist, hatte er nur ein Tier, das vermäht worden ist. Letztes Jahr haben sie rund 100 Tiere gerettet, freut er sich.
Einfach unterwegs mit dem Drohnenführerschein
Auch Alexander Dorst aus Landau-Dammheim ist wie die anderen Genannten Jäger und gehört der Kreisjagdgruppe Südliche Weinstraße an. Er ist schon länger dabei, fliegt aber seit vier Jahren die Drohnen, die mit der neuesten Technik ausgestattet sind. Ist es schwierig, einen solchen Führerschein zu machen? - „Nein, die Prüfung für die Drohne erfolgt online“, sagt Dorst.
Man macht einen Kurs online und schaut Videos, macht Probeprüfungen und dann kann man, wenn man genug Erfolgspunkte angezeigt bekommen hat und damit das Signal bekommen hat, dass man reif für die Prüfung ist, diese schriftlich einreichen und machen. Danach bekommt man eine pdf-Datei, auf dem eine Nummer steht. Es ist die erste Prüfung für eine Drohne und relativ unkompliziert.“
Auch Tiere wollen respektiert werden
Auch dafür, wie man richtig mit einem Tier, das man retten wolle, umgehen müsse, hat er einen Tipp: „Das Tier darf nicht angefasst werden. Deshalb haben wir Einmalhandschuhe an und halten das Tier sehr weit weg von uns, denn die Gefahr ist groß, dass es sonst das Muttertier nicht annimmt“, sagt Dorst. Bei den Einsätzen zur Rettung der Kitze finden vor allem in Herxheimweyher drei oder vier Einsätze an einem Tag statt. (jewa)
Autor:Jennifer Warzecha aus Landau |
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