Mehr als 120 Tage? SÜW fordert neue Regeln für Straußwirtschaften
- Straußwirtschaften gelten als wichtiges Standbein für die Direktvermarktung im Weinbau.
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Kreis Südliche Weinstraße. Mehr Flexibilität für Straußwirtschaften und weniger Bürokratie. Das fordern Landrat Dietmar Seefeldt, Uta Holz vom Verein Südliche Weinstraße und der Kleinfischlinger Winzer Frank Spiegel in einem gemeinsamen Schreiben an Landwirtschaftsministerin Christine Schneider.
Die drei wollen die rechtlichen Rahmenbedingungen an die heutige Situation der Weinbaubetriebe anpassen. Hintergrund sind nach ihren Angaben unter anderem rückläufige Weinabsätze, steigende Kosten und ein verändertes Konsumverhalten. Die Direktvermarktung über Straußwirtschaften spiele deshalb für viele Betriebe eine wichtige Rolle.
Als konkretes Problem nennen sie die Begrenzung auf 120 Öffnungstage im Jahr. Spiegel beschreibt, dass er trotz großer Nachfrage nach Weinverkostungen und dem Ausschank eigener Weine bereits früh im Jahr Gäste abweisen musste, weil die Öffnungstage für das gesamte Jahr eingeplant werden müssen.
120 Öffnungstage als Knackpunkt
In dem Schreiben heißt es: Für Besucherinnen und Besucher ist kaum nachvollziehbar, warum ein Weingut seine Weine zwar verkaufen, sie aber an 245 Tagen nicht ausschenken darf. Das sorge für Unverständnis und passe nicht zu den Erwartungen an eine moderne Wein- und Tourismusregion.
Seefeldt, Holz und Spiegel sehen Straußwirtschaften als Teil der Weinkultur und der touristischen Identität der Region. Gleichzeitig hätten sich die Strukturen im Weinbau verändert. Viele Betriebe bewirtschafteten größere Rebflächen, während die Zahl der Weinbaubetriebe kontinuierlich zurückgehe. Zudem investierten zahlreiche Winzerinnen und Winzer in Vinotheken und touristische Angebote, um Kundinnen und Kunden zu binden.
Die Vorgaben betreffen nach Darstellung der Beteiligten nicht nur den Weinbau. Spiegel betont, dass auch andere landwirtschaftliche Betriebe wie Gemüsebaubetriebe mit Hofcafé vor der Frage stehen, wie sie ihre Produkte direkt vermarkten können, wenn ihnen nur 120 Öffnungstage im Jahr zur Verfügung stehen.
Keine Gleichstellung mit klassischer Gastronomie
Die drei betonen, dass sie keine Konkurrenz zur klassischen Gastronomie aufbauen wollen. Stattdessen sollen zeitgemäße Modelle geprüft werden, die die besonderen Bedingungen landwirtschaftlicher Direktvermarktungsbetriebe berücksichtigen und gleichzeitig faire Wettbewerbsbedingungen sichern.
Konkret regen sie an, die zulässigen Öffnungstage flexibler zu gestalten oder andere Modelle für Straußwirtschaften zu entwickeln. Dabei solle berücksichtigt werden, dass Betriebe mit mehr Öffnungstagen dann auch strengeren Regeln der Gastronomie und Hotellerie gerecht werden müssen, etwa bei sanitären Einrichtungen.
Aus Sicht der Initiatoren könnten angepasste Regelungen auch dem Tourismus nutzen. Sie schreiben, authentische Weinerlebnisse direkt beim Erzeuger seien ein wichtiger Bestandteil des Weintourismus, könnten zusätzliche Besuchsanlässe schaffen und Gäste länger in der Region halten. Davon könnten auch Gastronomie, Hotellerie und weitere Bereiche der regionalen Wirtschaft profitieren. Wie die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße mitteilt, hoffen Seefeldt, Holz und Spiegel nun auf eine Rückmeldung von Ministerin Schneider.
Autor:Annina Ksionsek aus Landau |