Zoos starten Zuchtprojekt zugunsten bedrohter Nutztierrassen
Landauer Zoo zeigt selten zu sehende Schafe, Hühner und Kaninchen

Hahn und Henne des Bergischen Schlotterkamms, eine der bedrohtesten alten deutschen Hühnerrassen, im Zoo Landau.
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  • Hahn und Henne des Bergischen Schlotterkamms, eine der bedrohtesten alten deutschen Hühnerrassen, im Zoo Landau.
  • Foto: Zoo Landau
  • hochgeladen von Thomas Klein

Landau. „Artenschutz der anderen Art“: Die Mitgliedszoos des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ), zu denen auch der Zoo Landau in der Pfalz zählt, bündeln künftig ihre Kräfte, um einheimische sogenannte „alte Nutztierrassen“ vor dem Verschwinden zu bewahren. „Besucherinnen und Besucher denken bei der Erhaltung gefährdeter Arten meist an Wildtiere, dabei sind auch 64 Prozent aller einheimischen Haustierrassen gefährdet“, weiß Landaus Zoodirektor und Zootierarzt Dr. Jens-Ove Heckel zu berichten. Heckel, der vor seinem Veterinärstudium auch eine Landwirtschaftslehre abgeschlossen hat, hält besonders auch moderne Zoos mit ihren wertvollen Tierbeständen und ihrer Expertise für geradezu prädestiniert, dabei zu helfen, das Verschwinden dieses wichtigen Teils der biologischen Vielfalt mit aufzuhalten.
Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Projekts soll die wissenschaftliche Erhaltungszucht nun optimiert und die bedrohten Tiere stärker als bisher nachgezüchtet werden. Außerdem soll das Thema des Aussterbens einheimischer Nutztiere fest in den Unterrichtsangeboten der Zooschulen verankert und ein jährliches Fachsymposium etabliert werden. Mit Agrarwissenschaftlerin Dr. Julia Drews wurde eigens eine verantwortliche Projektkoordinatorin eingestellt. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt.
Warum ist die Bewahrung der z.B. im Streichelzoo des Landauer Zoos gehaltenen und gezüchteten Bergischen Schlotterkämme oder des Deutschen Großsilber-Kaninchens überhaupt wichtig? Alte Nutztierrassen tragen viele gute und wertvolle Eigenschaften in sich, die den heutigen klassischen Hochleistungsrassen inzwischen oft fehlen. Deswegen sind sie in der Lage, mit extensiven Haltungsformen gesünder, nachhaltiger und schonender zurecht zu kommen. Prof. Dr. Dr. Kai Frölich, Direktor von Europas größtem Zentrum für alte Haus- und Nutztierrassen, dem VdZ-Tierpark Arche Warder merkt an, „dass fast alle Experten sich einig sind, dass eine Transformation der derzeitigen Produktionsverfahren in der Landwirtschaft notwendig ist. Nur wie diese verlaufen soll und in welcher Geschwindigkeit sie vollzogen werden muss, wird kontrovers diskutiert. Die Nutzung alter Rassen auf Teilflächen kann dabei durch extensive Bewirtschaftung zum Erhalt der Biodiversität und Ökosystemleistung beitragen.“ Z.B. sind alte Rinder-, Ziegen- oder Schafrassen, wie das auch im Zoo Landau gezeigte, sehr kleine französische Ouessant-Schaf, an bestimmte Standorte angepasst und somit auch kulturhistorisches Erbe ihrer jeweiligen Region. Diese robusten Tiere durchgängig u.a. auf extensiv genutzten Weiden zu halten ist sinnvoll, da sie auch mit energiearmen Futter zurechtkommen und somit zur nachhaltigen Pflege von Kulturlandschaften beitragen. Letztlich sind die alten Rassen auch eine Antwort auf künftige Herausforderungen: Durch ihre größere genetische Variabilität können sie besser auf Veränderungen in puncto Klima oder Produktion reagieren.

Autor:

Thomas Klein

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