„Der Gast ist der Kapitän“: Wünsche und Alltag im Hospiz Bethesda Landau

Im Hospiz Bethesda Landau stehen die Wünsche und die Selbstbestimmung der Gäste im Mittelpunkt.  | Foto: Diakonissen Speyer/ Melanie Hubach
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Landau. Eine Frau wünschte sich, ihren Geburtstag mit Freunden und ihrer Familie im Wald zu feiern. Das Team des Hospizes Bethesda Landau plante den Ausflug und organisierte den Transport. Die Umsetzung sei nicht einfach gewesen, berichtet Jorge Costa, am Ende habe aber alles geklappt. Am nächsten Tag sei die Frau friedlich gestorben.

Für Costa zeigt dieses Erlebnis, worum es in der Hospizarbeit geht. Schwerkranke Menschen sollen nicht nur versorgt, sondern mit ihren Wünschen und Bedürfnissen wahrgenommen werden. „Der Gast ist der Kapitän“, sagt der Leiter des stationären Hospizes. Die Gäste sollen möglichst selbst bestimmen können, was mit ihnen geschieht. Dazu gehört auch, Angebote abzulehnen.

Ängste ernst nehmen

Viele schwerkranke Menschen haben Angst vor Schmerzen, Luftnot, Übelkeit oder anderen belastenden Symptomen. Auch die Sorge, anderen zur Last zu fallen, werde häufig angesprochen. Viele wollten nicht pflegebedürftig sein und fürchteten den Verlust ihrer Selbstständigkeit.

„Am Ende des Lebens kommt oft eine Bilanz“, sagt Costa. Menschen blickten auf ihr Leben zurück und fragten sich, was sie gut gemacht hätten, was von ihnen bleibe und wie es ihrer Familie gehen werde. Manchmal gehe es auch darum, noch einmal Kontakt zu einem Angehörigen aufzunehmen. Ein Gespräch könne dabei ein Stück Mut geben.

Costa hält es für wichtig, Ängste nicht kleinzureden. Trauer, Wut und Verzweiflung dürften ihren Platz haben. Schon ein Gespräch, aktives Zuhören oder das Halten einer Hand könne einem schwerkranken Menschen guttun.

Kleine Wünsche werden wichtig

Neben den großen Fragen des Lebens sind es oft alltägliche Wünsche, die den Aufenthalt prägen. Eine Tasse Kaffee, ein vertrautes Lied oder das Lieblingsessen können in der letzten Lebensphase besonders wichtig werden.

Die hauseigene Küche kocht täglich frisch und richtet sich nach den Wünschen der Gäste. Costa erzählt von einem Gast, der sich ein Steak wünschte. Das Team besorgte das Fleisch und bereitete es für ihn zu. Wenn es die körperliche Verfassung erlaubt, können Gäste auch selbst in der Küche mithelfen.

Auch andere Wünsche versucht das Team möglich zu machen. Manche Menschen möchten noch einmal nach Hause oder einen besonderen Ort besuchen. Dafür steht unter anderem ein Wunschmobil zur Verfügung.

Angehörige brauchen ebenfalls Hilfe

Auch Angehörige sind in dieser Situation oft verunsichert. Sie möchten den erkrankten Menschen unterstützen, wissen aber nicht immer, was richtig ist. Besonders belastend kann es sein, wenn er kaum noch reagiert oder sich seine Atmung verändert.

Das Team erklärt, welche Veränderungen zum Sterbeprozess gehören. Dazu zählt auch, dass Menschen manchmal nicht mehr essen oder trinken möchten. Angehörige haben dann häufig Angst, der Mensch könne verhungern oder verdursten. Costa erklärt, dass Nahrung und Flüssigkeit in dieser Phase auch belastend sein können.

Stattdessen können einfache Formen der Zuwendung hilfreich sein. Dazu gehören Mundpflege, eine Hand- oder Fußmassage und das Halten der Hand. Auch wenn der Mensch nicht mehr antwortet, kann es sinnvoll sein, mit ihm zu sprechen.

Costa bezeichnet Angehörige als „Co-Patienten“. Sie werden einbezogen und können wichtige Informationen über die Biografie, Gewohnheiten und Wünsche des Gastes geben. Gleichzeitig müssen sie ihre eigenen Kräfte im Blick behalten. Viele fühlten sich verpflichtet, rund um die Uhr da zu sein. Costa rät ihnen deshalb, zwischendurch nach Hause zu gehen, zu duschen oder einige Stunden zu schlafen.

Ein Ort für die letzte Lebenszeit

Das Hospiz Bethesda Landau liegt auf dem Gelände der Bethesda Landau in der Bodelschwinghstraße, unweit des Städtischen Klinikums. Das eingeschossige Gebäude ist kreuzförmig angelegt. In der Mitte befindet sich ein Atrium, das die Räume mit Tageslicht versorgt. Um den Lichthof gruppieren sich neun Gästezimmer, ein Angehörigenzimmer, ein Raum der Stille sowie ein Wohn- und Essbereich.

Die Einzelzimmer verfügen über ein barrierefreies Bad und eine geschützte Terrasse. Angehörige können im Hospiz übernachten. Vom Wohn- und Essbereich führt eine Terrasse in den Garten.

Das Hospiz Bethesda Landau bietet schwerkranken Menschen neun Gästezimmer, einen Garten und Raum für Angehörige.  | Foto: Diakonissen Speyer/ Melanie Hubach
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Das Hospiz soll den Gästen ermöglichen, den letzten Abschnitt ihres Lebens möglichst selbstbestimmt zu verbringen. Zur Betreuung gehören die pflegerische und ärztliche Versorgung, Musiktherapie, Seelsorge, psychologische Gespräche sowie die Begleitung durch ausgebildete Ehrenamtliche.

Der erste Tag im Hospiz

Der erste Tag im Hospiz kann für die Betroffenen emotional und körperlich sehr anstrengend sein. Das Team empfängt sie, fragt nach Beschwerden und gibt ihnen Zeit, anzukommen. Neben dem Hospizvertrag und der Kostenübernahme werden auch Medikamente, Essenswünsche und persönliche Gewohnheiten besprochen.

Danach richtet sich der Alltag möglichst nach den Bedürfnissen der Gäste. Pflege, Mahlzeiten, Gespräche, Therapieangebote und Besuche haben ihren Platz, ebenso wie Rückzug und Ruhe. Am Nachmittag gibt es häufig Kaffee und frisch gebackenen Kuchen. Die Gäste können in ihrem Zimmer, im Wohnzimmer oder im Garten Zeit verbringen.

Nähe zulassen, Grenzen wahren

Wie sich Nähe zu den Gästen und die eigene professionelle Rolle miteinander verbinden lassen, dafür gebe es kein allgemeingültiges Rezept, sagt Costa. Jede Begegnung sei anders. Zu manchen Menschen entstehe eine größere Nähe als zu anderen.

Seine Gefühle wolle er dabei nicht unterdrücken. „Wenn ich am Ende weine oder vielleicht traurig bin, das gehört auch zum Menschsein“, sagt Costa.

Jorge Costa leitet das stationäre Hospiz Bethesda Landau.  | Foto: Diakonissen Speyer/ Alexander Martin
  • Jorge Costa leitet das stationäre Hospiz Bethesda Landau.
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Zugleich sei es wichtig, Belastungen im Team zu besprechen. Alle sechs Wochen findet eine Supervision statt. Dabei werden Fälle, Probleme im Team und ethische Fragen thematisiert. Auch im Alltag tauschen sich die Mitarbeitenden untereinander aus. Die Psychologin steht ebenfalls für Gespräche zur Verfügung.

Ehrenamtliche begleiten und unterstützen

Ehrenamtliche führen Gespräche mit Gästen und Angehörigen, begleiten Spaziergänge, helfen beim Kochen und Backen, bieten kreative Angebote wie Töpfern an, dekorieren die Räume, unterstützen bei der Gartenpflege und helfen bei Veranstaltungen.

Wer sich engagieren möchte, absolviert zunächst einen Grundkurs und anschließend einen Aufbaukurs. Außerdem ist ein Praktikum im ambulanten oder stationären Bereich erforderlich. Hinzu kommen ein erweitertes Führungszeugnis und eine Schulung nach dem Infektionsschutzgesetz.

Dankbarkeit, die bleibt

Trotz der Schwere seiner Arbeit gibt es für Costa Momente, die ihn tief berühren. Angehörige kommen manchmal nach einem oder zwei Jahren noch einmal ins Hospiz zurück. Sie bringen ihre Erinnerungen und ihre Dankbarkeit mit. Dann nehmen sich Costa und seine Kolleginnen und Kollegen Zeit, gemeinsam über die vergangene Zeit zu sprechen. Manchmal fließen dabei erneut Tränen.

„Auch wenn das eine sehr schwierige Situation war, ist es trotzdem schön und menschlich“, sagt Costa. Die Dankbarkeit der Angehörigen sei für ihn besonders wichtig. „Diese Dankbarkeit ist mein Futter.“

Aufnahme und Kosten

Aufgenommen werden Menschen mit einer lebensbedrohlichen, fortschreitenden und nicht heilbaren Erkrankung sowie begrenzter Lebenserwartung. Voraussetzung ist, dass die Versorgung zu Hause nicht mehr ausreichend sichergestellt werden kann oder eine umfassende palliative Betreuung erforderlich ist. Zusätzlich wird ein ärztliches Attest benötigt.

Wenn eine Versorgung zu Hause noch möglich ist, kommen zunächst ambulante Hospizdienste oder die spezialisierte ambulante Palliativversorgung, kurz SAPV, infrage. Die Aufnahme erfolgt mit dem Einverständnis der erkrankten Person. Costa empfiehlt, sich frühzeitig zu informieren und das Hospiz kennenzulernen. Eine Beratung oder Besichtigung verpflichtet nicht zu einer späteren Aufnahme.

Der Aufenthalt ist für die Gäste kostenfrei. Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen 95 Prozent der Kosten, für die übrigen fünf Prozent ist das Hospiz auf Spenden angewiesen. Es verfügt über neun Gästeplätze. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt nach Angaben Costas etwa 30 bis 40 Tage.

Hospiztag in Landau

Wer sich über Hospiz- und Palliativarbeit informieren möchte, hat dazu am Samstag, 10. Oktober 2026, Gelegenheit. Von 10 bis 13 Uhr informieren mehrere Einrichtungen auf dem Rathausplatz in Landau über ihre Arbeit. Der Welthospiztag steht unter dem Motto „So bunt wie das Leben. Hospiz.“ Interessierte können mit den Beteiligten ins Gespräch kommen.

In Landau gebe es bereits viel Engagement durch Ehrenamtliche, Spenderinnen und Spender sowie den Förderverein „Ein Hospiz für Landau und die Südliche Weinstraße“, sagt Costa. ksio

Hospiz Bethesda Landau

Adresse: Bodelschwinghstraße 21a, 76829 Landau
Telefon: 06341 2823030
E-Mail: hospiz-ld@diakonissen.de

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Im Hospiz Bethesda Landau stehen die Wünsche und die Selbstbestimmung der Gäste im Mittelpunkt.  | Foto: Diakonissen Speyer/ Melanie Hubach
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Jorge Costa leitet das stationäre Hospiz Bethesda Landau.  | Foto: Diakonissen Speyer/ Alexander Martin
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Annina Ksionsek aus Landau

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