Die Menschen, die bleiben – Wenn Nähe, Zeit und Zuhören zum wertvollsten Geschenk werden
- SGD Süd-Präsident Hannes Kopf überreichte in diesem Jahr Heidi Zies die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz
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Ehrenamt. Es gibt Situationen im Leben, in denen sich nichts mehr reparieren lässt. Keine helfende Hand kann eine schwere Diagnose ungeschehen machen, kein gut gemeinter Satz kann den Tod verhindern. Wenn ein Mensch am Ende seines Lebens angekommen ist, bleibt manchmal nur eines: da zu sein.
Da sein, wenn Worte fehlen
Heidi Zies tut genau das. Seit vielen Jahren. Die Frau aus dem Zellertal begleitet seit 2008 ehrenamtlich sterbende Menschen. Seit 2021 ist sie nach entsprechender Ausbildung zudem als Trauerbegleiterin tätig. Sie gehört damit zu jenen Menschen im östlichen Donnersbergkreis, die freiwillig eine Aufgabe übernehmen, vor der viele andere zurückschrecken: Sie gehen dorthin, wo ein Leben zu Ende geht.
Es ist ein Ehrenamt fernab großer Bühnen. Eines, bei dem Zuhören wichtiger sein kann als Reden und bei dem sich Erfolg kaum in Zahlen ausdrücken lässt. Denn was ist eine Stunde wert, die man einem Menschen schenkt, dessen Zeit begrenzt ist?
Zeit, die zum Geschenk wird
Heidi Zies ist mit ihrem Engagement nicht allein. Für den Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst im östlichen Donnersbergkreis waren für das Jahr 2025 insgesamt 31 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgewiesen. Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, die eines verbindet: Sie sind bereit, einen Teil ihrer eigenen Zeit anderen zu schenken.
Hospizbegleitung bedeutet dabei nicht, Sterben zu organisieren. Die Ehrenamtlichen ersetzen weder Ärzte noch Pflegekräfte. Sie verabreichen keine Medikamente und können eine Krankheit nicht aufhalten.
Sie kommen als Menschen zu Menschen. Sie hören zu, führen Gespräche, unterstützen Angehörige und halten Situationen aus, für die es manchmal keine passenden Worte gibt. Und vielleicht besteht ihre wichtigste Aufgabe gelegentlich gerade darin, nichts erklären oder lösen zu wollen. Einfach nur da zu sein.
Die Begleitungen finden dort statt, wo die schwer kranken Menschen leben – in den eigenen vier Wänden oder in Pflegeeinrichtungen. Für den Hospizdienst sind 67 Sterbebegleitungen in Pflegeeinrichtungen und im häuslichen Umfeld ausgewiesen.
67 – eine nüchterne Zahl. Doch hinter jeder einzelnen steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte. Jemand, der eine Kindheit hatte, Familie und Freunde, vielleicht einen Beruf, Lieblingsorte, Hoffnungen und Enttäuschungen. Jemand, der geliebt, gelacht und gestritten hat. Und der irgendwann mit der Tatsache konfrontiert wird, dass die eigene Lebenszeit endet.
- Hospizbegleitung bedeutet dabei nicht, Sterben zu organisieren. Die Ehrenamtlichen ersetzen weder Ärzte noch Pflegekräfte.
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Sterben folgt keinem Drehbuch
Auf solche Begegnungen werden die ehrenamtlichen Hospizbegleiter vorbereitet und entsprechend geschult. Denn guter Wille allein genügt in einer derart sensiblen Situation nicht. Trotzdem lässt sich nicht alles lernen. Sterben folgt keinem Drehbuch. Die langjährige Hospizbegleiterin Monika Krause brachte es einmal auf einen einfachen Satz: „Der Tod ist so einzigartig, wie jeder Mensch einzigartig ist.“
Der eine möchte reden. Der andere schweigen. Manche Menschen wollen über ihre Krankheit oder den bevorstehenden Tod sprechen, andere lieber über Erinnerungen oder ganz alltägliche Dinge. Nähe kann ein langes Gespräch bedeuten – oder gemeinsam Stille auszuhalten.
Auch für Angehörige verändert sich in dieser Zeit vieles. Sie möchten helfen und können doch nicht verhindern, was kommt. Sie wollen stark sein und müssen gleichzeitig selbst Abschied nehmen. Auch ihnen können die Ehrenamtlichen Gesprächspartner und Stütze sein.
Ein Stück des Weges mitgehen
Für Heidi Zies endet diese Begleitung nicht zwangsläufig mit dem Tod. Gemeinsam mit Gitta Koch gestaltet sie beispielsweise die „Spaziergänge mit allen Sinnen“ für Trauernde. Menschen, die jemanden verloren haben, machen sich gemeinsam auf den Weg. Solche Spaziergänge führten unter anderem rund um den Retzbergweiher bei Sippersfeld und durch das Zellertal.
Dabei geht es weniger um Kilometer als um Begegnungen, Natur, Wahrnehmung, Gespräche und kleine Impulse. Das Bild des gemeinsamen Weges passt zu diesem Ehrenamt. Wer trauert, muss einen Weg gehen, den er sich nicht ausgesucht hat. Die Begleiter können ihm diesen Weg nicht abnehmen. Aber sie können ein Stück davon mitgehen.
Heidi Zies engagiert sich darüber hinaus für ältere Menschen. Als sogenannter „Engel der Pflege“ kümmert sie sich um Seniorinnen und Senioren im Zellertal, unter anderem im Seniorenheim in Albisheim. Als langjährige Vorsitzende und heutiges Vorstandsmitglied von „Zellertal aktiv“ setzt sie sich zudem für ihre Heimat, Tourismus, Kultur und Wein ein. Bei der Weinbruderschaft zu St. Katharinen Oppenheim ist sie als Weinschwester und als Bruderrätin auch im Vorstand der Organisation aktiv.
Lebensfreude auf der einen, Sterben und Trauer auf der anderen Seite – auf den ersten Blick könnten die Welten kaum unterschiedlicher sein. Vielleicht gehören sie aber enger zusammen, als man denkt. Wer erlebt, wie endlich das Leben ist, weiß möglicherweise besonders gut, welchen Wert seine schönen Augenblicke besitzen.
Ein Ehrenamt, das kaum jemand sieht
2026 wurde Heidi Zies für ihr vielfältiges ehrenamtliches Wirken mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Es ist eine öffentliche Anerkennung für eine Arbeit, die meistens gerade nicht öffentlich stattfindet. Viele Formen des Ehrenamts sind sichtbar. Wenn die Feuerwehr ausrückt, der Sportverein ein Turnier veranstaltet oder freiwillige Helfer ein Dorffest organisieren, kann jeder sehen, was Menschen in ihrer Freizeit für andere leisten.
Hospizarbeit dagegen geschieht häufig hinter verschlossenen Türen. Es gibt keine Zuschauer, keine Tabellen und keine Pokale. Die entscheidenden Begegnungen bleiben aus gutem Grund privat. Und trotzdem leisten Menschen wie Heidi Zies und die anderen ehrenamtlichen Hospizbegleiter etwas, das für eine Gesellschaft von unschätzbarem Wert ist.
Sie erinnern daran, dass ein Mensch nicht aufhört, ein Mensch zu sein, wenn Medizin nicht mehr heilen kann. Dass Würde nicht mit einer Diagnose endet. Und dass auch am Ende eines Lebens Nähe und menschliche Zuwendung wichtig bleiben.
Manchmal bedeutet Ehrenamt nicht, die Welt zu retten. Manchmal bedeutet es, freiwillig durch eine Tür zu gehen, hinter der ein schwerer Abschied wartet. Zuzuhören, wenn jemand reden möchte. Zu schweigen, wenn Worte nicht gebraucht werden. Nicht wegzuschauen, wenn es schwierig wird. Und einfach zu bleiben. [rav]
Kontakt
AHPB im östlichen Donnersbergkreis
Dannenfelser Straße 40 b
67292 Kirchheimbolanden
Tel. 06352 70597-14
E-Mail: ahpb-donnersberg@diakonissen.de
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |
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