Drama auf Deponien bei Karlsruhe: Störche verhungern mit vollem Magen
- Weil Störche an der Schnabelspitze keine Geschmacksrezeptoren haben, können sie nicht zwischen Gummis und Würmern unterscheiden.(Archiv)
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Karlsruhe/Bruchsal. Auf Müllkippen im Südwesten finden Weißstörche zwar leicht Futter. Doch genau dort lauert für viele Tiere eine tödliche Gefahr.
Auf Deponien etwa bei Bruchsal, Ellwangen oder Bietigheim sammeln sich häufig Dutzende Weißstörche. Sie laufen über Abfallberge, sitzen auf Containern und suchen im Müll nach Essensresten. Für die Vögel wirkt eine Deponie wie ein schneller Imbiss. Zwischen Abfällen finden sie Aas oder Lebensmittelreste oft leichter als auf Feldern.
Tödliches Futter im Müll
Naturschützer warnen jedoch vor den Folgen. Der Storchenbeauftragte des Naturschutzbunds, Stefan Eisenbarth, spricht von „tödlichem Futter“. Störche besitzen an der Schnabelspitze keine Geschmacksrezeptoren. Weiche Materialien wie Gummi oder Silikon fühlen sich für sie ähnlich an wie Würmer.
Die Tiere picken daher häufig nach Müll und verschlucken ihn. In den Mägen verendeter Störche finden Helfer immer wieder ungewöhnliche Inhalte.
- Dichtungsringe und Gummiteile
- Plastikhandschuhe und Verpackungsreste
- Hundekotbeutel oder Tetra Pak Stücke
- Schnüre und Bänder aus Gartenbau oder Weinbau
Sind zu viele dieser Materialien im Magen, können sie nicht mehr ausgewürgt werden. Es kommt zu einem Verschluss. Die Tiere verhungern, obwohl ihr Magen voller Müll ist.
Gefahr auch für Küken
Der Abfall landet nicht nur im Magen erwachsener Störche. In vielen Nestern finden Naturschützer ausgespiene Ballen aus Gummi und Silikon. Immer wieder werden auch tote Küken entdeckt, deren Mägen mit Plastik gefüllt sind. Die Altvögel hatten die Teile beim Füttern mit Nahrung verwechselt.
Auch beim Nestbau entsteht ein Risiko. Schnüre, Netze oder Folien werden in den Horst eingearbeitet. Sie können sich um Beine wickeln oder Wasser im Nest stauen. Jungvögel sterben dann an Verletzungen oder Nässe.
Warum Störche immer wieder Deponien anfliegen
Forschungen des Max Planck Instituts für Ornithologie zeigen, dass Lage und Gewohnheit eine große Rolle spielen. Je näher ein Storchenhorst an einer Müllhalde liegt, desto häufiger fliegen die Tiere dorthin. Zudem lernen Störche voneinander. Wenn Artgenossen dort Nahrung finden, folgen andere Tiere.
Die Deponien bieten tatsächlich Vorteile. Die Nahrung ist leicht verfügbar. Viele Störche müssen deshalb nicht mehr bis nach Afrika ziehen.
Bestände wachsen im Südwesten
Die Storchenpopulation hat sich in Baden Württemberg deutlich erholt. Früher flogen die Tiere im Winter meist bis nach Afrika, weil es in Europa zu wenig Nahrung gab. Durch Müllhalden und andere neue Nahrungsquellen bleiben heute mehr Störche in Europa.
Nach Angaben von Naturschützern wurden im Südwesten zuletzt mehr als 2600 Storchenpaare gezählt. Fünf Jahre zuvor waren es noch 1767.
Naturschützer fordern Maßnahmen
Tierschützer sehen vor allem die Politik in der Pflicht. Diskutiert werden mehrere Möglichkeiten.
- offene Container abdecken
- Deponien mit Netzen überspannen
- Müll stärker in Hallen lagern
Solche Maßnahmen könnten verhindern, dass Störche Abfälle als Nahrung aufnehmen. Ohne Veränderungen bleibe die Müllkippe für viele Tiere eine gefährliche Falle. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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