Bundesanwaltschaft in Karlsruhe organisiert Schlag gegen rechtsextreme Jugendgruppen
- Die Gruppe «Deutsche Jugend Voran» stand im Visier der Ermittler bei Durchsuchungen fast überall bundesweit. (Archivbild)
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Karlsruhe. Bundesweite Razzien gegen rechtsextreme Jugendgruppen beschäftigen derzeit Ermittler und Sicherheitsbehörden. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ließ am Mittwoch Räume von 36 mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppen „Jung und Stark“ und „Deutsche Jugend Voran“ durchsuchen.
Nach Angaben der Ermittler gab es Durchsuchungen in zwölf Bundesländern. Insgesamt wurden fast 50 Objekte kontrolliert. Den Beschuldigten wird die Bildung oder Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Viele von ihnen sollen Führungsrollen innerhalb der Gruppen übernommen haben. Der jüngste Beschuldigte ist laut Behörden 16 Jahre alt.
Die meisten Verdächtigen leben in Nordrhein Westfalen sowie in Brandenburg und Sachsen. Razzien gab es in allen Bundesländern außer Baden Württemberg, Thüringen, Hamburg und Bremen.
Vorwürfe wegen Gewalt gegen politische Gegner
In mehreren Fällen ermitteln die Behörden zusätzlich wegen gefährlicher Körperverletzung. Laut Bundesanwaltschaft sollen einige Beschuldigte Menschen aus der linken Szene oder Personen angegriffen haben, die sie für pädophil hielten. Mehrere Opfer wurden von Gruppen attackiert und erlitten teils erhebliche Verletzungen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte, die Gruppen riefen zu Gewalt gegen politische Gegner auf und beteiligten sich an entsprechenden Aktionen. Gewaltaufrufe und Angriffe würden konsequent verfolgt.
Rekrutierung junger Menschen über soziale Medien
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig äußerte Sorge, dass rechtsextreme Netzwerke gezielt sehr junge Menschen ansprechen. Auch Nordrhein Westfalens Innenminister Herbert Reul warnte, die Gruppen nutzten soziale Medien und einfache Feindbilder, um Jugendliche für radikale Propaganda zu gewinnen.
Die beiden Gruppierungen existieren laut Ermittlern seit Mitte 2024 und sind bundesweit organisiert. Mitglieder vernetzen sich über soziale Plattformen und bei regelmäßigen Treffen. Die Gruppe „Deutsche Jugend Voran“ tritt teilweise auch unter dem Namen „Neue Deutsche Welle“ auf.
Auftritte bei Protesten gegen CSD-Veranstaltungen
Beobachtern zufolge richten sich die Gruppen gegen alles, was sie als „links“ wahrnehmen, sowie gegen die LGBTIQ Community. Aktivisten waren unter anderem bei Protesten gegen Christopher Street Day Veranstaltungen in Ostdeutschland präsent und traten dort aggressiv auf.
Nach Einschätzung des Potsdamer Politologen Christoph Schulze sind die Netzwerke organisatorisch noch nicht stark gefestigt. Dennoch gebe es eine ausgeprägte Gewaltkultur innerhalb der Szene.
Mehrere Hundert Anhänger
Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass „Jung und Stark“ mit einigen Hundert Unterstützern die größte dieser Jugendgruppen ist. „Deutsche Jugend Voran“ soll mehr als hundert Anhänger haben. Mitglieder wurden zuletzt auch bei Veranstaltungen der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ und ihrer Jugendorganisation beobachtet.
Bereits zuvor hatten Ermittler gegen mutmaßliche Mitglieder vorgegangen. Ein Berliner Gericht verurteilte im April einen Rädelsführer wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung zu mehr als drei Jahren Haft. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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