Ahmadi Muslime reinigen Stolpersteine zu Ehren der Juden
Zeichen setzen gegen Antisemitismus

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Frankenthal. Am 15. September 2018 fand der Freiwilligentag der Region Rhein-Neckar statt. Zu diesem Anlass beteiligte sich auch die Ahmadiyya Jugend aus Frankenthal an der Aktion. Hierbei unterstützte sie gleich zwei Projekte aus Frankenthal. Zum einen wurden sogenannte "Stolpersteine" gereinigt. Diese sind vor verschiedenen Häusern im Boden verlegte Gedenktafeln, die an das Schicksal der Juden erinnern, die in der Zeit des Holocausts verfolgt, ermordet oder vertrieben wurden. Dieses Projekt wurde vom Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal geleitet. Das zweite Projekt war die Überarbeitung des Friedhofswegs in Mörsch. 

Ich habe die Gelegenheit genutzt und habe Herr Attaul Hakeem bezüglich der Teilnahme am Freiwilligentag interviewed.

Faraz Ahmed: Herr Attaul Hakeem, was hat Sie und Ihre Gruppe zu der Teilnahme motiviert?

Attaul Hakeem: Unsere Motivation liegt im Islam. Der Prophet Muhammad lehrte, dass man der Gesellschaft, in der man lebt, dienen soll. Als Muslim darf man nicht einfach nur für sich leben. Die Nachbarn oder die Stadtmitbewohner haben auch Rechte, die man beachten muss. Dazu zählt dann auch, dass wenn Hilfe gebraucht wird, man zur Seite steht. 

Faraz Ahmed: Wieso haben Sie ausgerechnet diese zwei Projekte ausgewählt?

Attaul Hakeem: Es gab in Deutschland in den letzten Monaten einige antisemitische Vorfälle, bei denen leider auch Muslime beteiligt waren. Der Prophet Muhammad lehrte den Muslimen respektvollen Umgang mit anderen Religionen. So gibt es eine Begebenheit, bei der der Prophet Muhammad mit seinen Gefährten an der Seite einer Straße saß. Als vor ihnen der Trauerzug eines verstorbenen Juden vorbeiging, stand der Prophet aus Respekt auf. Die Gefährten sagten zum Propheten, dass der verstorbene ein Jude war. Daraufhin antwortete der Prophet mit der Frage: "War er kein Mensch?" So wollten wir mit der Teilnahme am Reinigen der Stolpersteine zum Ehren der Juden ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und den verfolgten Juden Respekt zollen. Bei dem anderen Projekt hatten sich bisher nur wenige Helfer angemeldet. Deshalb dachten wir uns, dass wir da sehr gut unterstützen können. Allgemein würde ich sagen, dass es solche Aktionen ruhig öfter als nur ein Mal jährlich geben sollte.

Faraz Ahmed: Vielen Dank Herr Attaul Hakeem!

Hintergrund: Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine im Jahre 1889 gegründete Reformgemeinde im Islam. Sie wurde in Qadian (Indien) von Mirza Ghulam Ahmad gegründet, der den Anspruch erhob, der von allen großen Religionen prophezeite "Messias der Endzeit" zu sein. In Deutschland gibt es die Gemeinde nun seit knapp einem Jahrhundert. Die Frankenthaler Sparte begann Mitte der 80er Jahre. Weitere Informationen auf www.ahmadiyya.de Ein Artikel von Faraz Ahmed

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