GAIA warnt vor Investitionsstau bei Windenergie
Viele genehmigte Windenergieprojekte werden nicht umgesetzt – Projektentwickler fordert bessere Rahmenbedingungen

Torsten Szielasko, GAIA-Geschäftsführer, im Unternehmenssitz.
  • Torsten Szielasko plant seit 1999 Windenergieprojekte und ist Geschäftsführer des Projektentwicklers GAIA.
  • Foto: GAIA
  • hochgeladen von Joana Castelló

Trotz steigender Genehmigungen kommt der Ausbau der Windenergie in Süddeutschland aus Sicht von GAIA vielerorts nicht voran. Das Unternehmen fordert deshalb vom Deutschen Bundestag eine Reform der Ausschreibungsmechanismen, damit bereits genehmigte Projekte in Süddeutschland und Rheinland-Pfalz schneller umgesetzt werden können.

GAIA hat ein Positionspapier mit den Forderungen zur künftigen Ausgestaltung des EEG in einem Brief an alle 630 Bundestagsabgeordneten geschickt. Zur besseren Einordnung erhielten die Abgeordneten neben dem Forderungspapier zusätzlich ein Papier mit Hintergründen sowie eine Studie von Caeli zur Windenergie in Baden-Württemberg. Darin macht das Unternehmen deutlich, dass bereits genehmigte Projekte in Süddeutschland und Rheinland-Pfalz schneller realisiert werden müssen, um Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Akzeptanz der Energiewende zu sichern.

GAIA warnt vor wachsender Ausbaulücke in Süddeutschland

Der Projektentwickler für Windenergie- und Photovoltaik-Freiflächenanlagen GAIA aus Rheinland-Pfalz fordert eine grundlegende Reform der EEG-Gesetzgebung. Das Unternehmen warnt vor einer zunehmenden Fehlsteuerung der Energiewende: Das aktuelle Fördersystem verhindere die wirtschaftliche Nutzung der Windenergiepotenziale in den großen Verbrauchsregionen Süddeutschlands.

„Wir erleben aktuell einen politischen Irrsinn: Die Behörden genehmigen Projekte, die Länder weisen neue Windflächen aus, Investoren stehen bereit – und am Ende scheitern die Vorhaben am Fördersystem des Bundes. Millionenbeträge, die bereits in Planung und Genehmigungen geflossen sind, bleiben ungenutzt. Das kostet Investitionen, Wertschöpfung und Zeit bei der Umsetzung der Energiewende und im Kampf gegen den Klimawandel“,

erklärt Torsten Szielasko, Geschäftsführer von GAIA.

Nach Angaben der Energiewirtschaft entfällt rund ein Drittel des deutschen Stromverbrauchs auf Süddeutschland. Gleichzeitig werden dort lediglich rund 14 Prozent des deutschen Windstroms erzeugt. Ursache sei vor allem das bundesweite Ausschreibungssystem, das sich nahezu ausschließlich am günstigsten Strompreis orientiert und die systemische Notwendigkeit einer regional ausgewogenen Erzeugungsstruktur nicht ausreichend berücksichtigt, sagt Szielasko.

Ausbaupfad realistisch absichern und Projektstau abbauen

Besonders kritisch bewertet GAIA, dass in Süddeutschland inzwischen ein Projektüberhang von rund 20.000 Megawatt an bereits genehmigten Windenergievorhaben besteht, die trotz Baureife nicht realisiert werden können.

Um diese Schieflage zu korrigieren, fordert GAIA eine stärkere regionale Steuerung des Windenergieausbaus. Dazu gehören eine temporäre Südquote von 35 Prozent des jährlichen Ausschreibungsvolumens für Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie ein rechtlich abgesicherter Realisierungsmechanismus für bereits genehmigte Projekte in Süddeutschland, beispielsweise durch jährliche Sonderausschreibungen sowie die Anhebung des jährlichen Ausschreibungsvolumens.

Bezüglich der vorgesehenen Resilienzausschreibungen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit fordert GAIA die Einführung verbindlicher regionaler Mindestquoten von 20 Prozent, ausschließlich für Projekte in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

„Gerade diese Regionen sind in Dunkelflauten besonders auf lokale Erzeugung angewiesen, da Importstrukturen aus dem Norden allein keine ausreichende Versorgungssicherheit gewährleisten“, so Szielasko.

Regionale Steuerung der Energiewende stärken

Der Projektentwickler sieht in der wirtschaftlichen Ausgestaltung des Ausschreibungssystems einen weiteren zentralen Hebel zur Steuerung des regionalen Ausbaus. Der im EEG diskutierte Korrekturfaktor sowie das zugrunde liegende Referenzmodell bilden die strukturellen Unterschiede zwischen Nord- und Binnenlandstandorten nach Einschätzung von GAIA bislang nur unzureichend ab.

Der aktuell vorgesehene Faktor von 1,50 werde den spezifischen Kosten- und Ertragsbedingungen süddeutscher Projekte nicht gerecht. Daher fordert das Unternehmen eine Anhebung auf mindestens 1,70 oder alternativ die Einführung eines weiterentwickelten Referenzmodells, das insbesondere Lastnähe und Versorgungssicherheit systematisch in die Vergütungssystematik integriert.

Systemintegration im Binnenland sicherstellen – Systemkosten in Milliardenhöhe vermeiden

Besonders kritisch sieht GAIA, dass die tatsächlichen Systemkosten der Energiewende im EEG kaum berücksichtigt werden. Eine Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) zeigt, dass der einseitige Ausbau im Norden Systemkosten von rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr allein durch Redispatch verursachen kann.

„Der Strom wird immer häufiger dort erzeugt, wo er am günstigsten produziert werden kann, nicht dort, wo er benötigt wird. Die Kosten für Netzausbau, Netzengpässe und Redispatch zahlt am Ende die Allgemeinheit. Diese Kosten werden im Ausschreibungssystem praktisch ignoriert“,

erklärt Torsten Szielasko. Regional erzeugter Windstrom könne dagegen Netze entlasten, Transportkosten reduzieren und die Versorgungssicherheit stärken.

Neben einer Anpassung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Binnenlandprojekte steht insbesondere die bessere Integration von Speichertechnologien und Netzanschlüssen im Fokus, um Projekte zuverlässig realisieren zu können.

Appell an den Gesetzgeber

Mit Blick auf die Beratungen zum EEG 2027 appelliert GAIA an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die regionale Balance der Energiewende zu einem zentralen Bestandteil der Gesetzgebung zu machen.

„Deutschland braucht nicht nur mehr Windenergie. Deutschland braucht Windenergie am richtigen Ort. Wenn die Energiewende dauerhaft akzeptiert, bezahlbar und sicher bleiben soll, muss die Politik jetzt die strukturelle Benachteiligung Süddeutschlands beenden“,

so Szielasko.

Das vollständige Positionspapier wurde den energiepolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Bundestagsfraktionen sowie weiteren Mitgliedern des Deutschen Bundestages übermittelt.

Quelle: GAIA

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Autor:

Joana Castelló aus Frankenthal

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