Hans Jürgen Schöttinger verstorben
Nachruf auf einen Tausendsassa

Er fehlt: Hans Jürgen Schöttinger. Foto: privat
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Bad Dürkheim. Für die Öffentlichkeit galt er viele Jahre – zumindest optisch - als die pfälzische Antwort auf Joe Cocker, als ideenreicher Organisator der Bad Dürkheimer Fasnacht, als beruflich professioneller Strippenzieher in den Büros der Firmen „Auto Köhler“ und „Anton Schwab GmbH & Co. KG“ und letzthin als unverzichtbarer „Moderator“ am runden Stammtisch der Gaststätte „Sachsenhütte“, die ihm vor zwölf Jahren – nach dem nahe beieinander liegenden Verlust von Arbeit und seiner geliebten dritten Ehefrau Helga – zur zweiten Heimat geworden war.
Seit dem 6. Januar baumelt seine Jacke nun nicht mehr an den Garderobenhaken unter dem Wildschweinkopf des Sachsenhütter Stammtischs: Hans Jürgen Schöttinger ist tot! Mit 70 Jahren verabschiedet sich ein Bad Dürkheimer Original von der regionalen Bühne, die er zu Lebenszeiten stets pfiffig individuell und nach seinem ureigenen Naturell erfolgreich bespielt hatte.
Das berufliche und gesellschaftliche Engagement von „Schötti“, wie ihn seine zahlreichen Freunde gerne nannten, war indes nur die eine Seite seines Charakters. Das Einzelkind von Charlotte und Waldemar Schöttinger, die erfahrenen Bad Dürkheimern zweifellos als engagierte Mitglieder des „Schwarzviertel-Vereins“ noch bekannt sein dürften, war auch ein durch und durch liebender und verlässlicher Familienmensch – auch wenn er sich das nicht immer anmerken ließ. Seine Töchter Corinna und Daniela, die ihm mittlerweile fünf Enkel beschert haben, können das mit Herzblut bestätigen: „Wir haben uns immer auf unseren Vater verlassen können“, sagt Corinna, die inzwischen verheiratet Hickl heißt und für Jürgen Schöttinger stets seine „Prinzessin“ war – verständlich: Denn schließlich avancierte sie mit zarten 18 Lenzen damals zur Prinzessin der „Dergemer Grawler“!. Auch seiner jüngeren Tochter Daniela impfte er frühzeitig den Fasnachts-Virus ein – seit ihrem dritten Lebensjahr schwingt sie auf unterschiedlichen Bühnen die zarten Beine...!
„Papa war uns gegenüber immer sehr liebevoll, sehr freigiebig, gutherzig und niemals böse oder sogar geizig“, erzählt Corinna Hickl. „Er hat mich als aktive Tänzerin ohne Diskussion immer zu meinen Turnieren gefahren! Und wenn er uns in der Familie Geschenke machte - zu Weihnachten oder an Geburtstagen – dann waren die niemals von der Stange oder billig“. Jährliche Familienreisen nach Mallorca gehörten wie selbstverständlich ebenso zu seinem Pflichtprogramm. Was sich Jürgen Schöttinger als Bad Dürkheimer Urgestein natürlich auch nicht hat nehmen lassen – den Wurstmarkt mit der Familie! „Da sind wir immer komplett mit ihm über den Platz gestreift. Alle waren dabei!“, bestätigt Corinna Hickl. „Das war ein Muss!“.
Doch obwohl er nach Jobverlust und dem Verscheiden seiner Helga immer noch den unverwüstlichen Entertainer gab, bemerkte man immer öfter seine stillen Seiten: „Er igelte sich ein, wollte niemandem zur Last fallen und öffnete sich in der letzten Zeit immer weniger, war beratungsresistent“, meint Tochter Corinna. „Er wusste sicher selbst, dass er gesundheitliche Probleme hatte – doch durch seine panische Angst vor Diagnosen konsultierte er keinen Mediziner!“. Das bemerkte auch seine „zweite Familie“ – die Gastronomenfamilie Cule von der „Sachsenhütte“ in der Weinstraße Nord. Hatte Schöttinger doch dort seit Jahren seine „zweite Heimat“ gefunden, verfolgte hier pünktlich ab 9 Uhr ein festes tägliches Ritual und gehörte zweifellos zum „Inventar“ – sodass man immer dann, wenn er ausnahmsweise mal durch Abwesenheit glänzte, sogleich Nachforschungen anstellte: „Was ist mit Jürgen? Unser Kumpel am Stammtisch?“ wunderten sich mit ehrlicher Besorgnis Drago, Barbara und Sohnemann Christian Cule.
Am 6.1.2019 war diese Frage leider schon beantwortet: Da nämlich war Hans Jürgen Schöttinger bereits auf seiner Couch im Elternhaus friedlich entschlafen. Er fehlt allen!
Sein jüngster Enkel, der vierjährige Milan, brachte es nach der Bestattung von „Schötti“ auf den Punkt - mit unnachahmlichem Kindermund: „Der Opa ist jetzt vergraben wie ein Schatz!“. Und genauso bleibt er uns in Erinnerung.

Udo Barth

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