Hitze und Dürre setzen Bauern im Rhein-Neckar-Kreis unter Druck
- Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Rhein-Neckar, Georg Koch, auf seinem Kartoffelacker. Noch sind die Spätkartoffel klein. Koch hofft auf gedeihliches Wachstum im "Knollennest"
- Foto: Hannelore Schäfer
- hochgeladen von Charlotte Basaric-Steinhübl
Rhein-Neckar. Dürre, ausgetrocknete Böden und steigender Kostendruck - karge Zeiten für die Landwirtschaft. „Das Klima hat sich verändert. Und das verändert unsere Arbeit, erhöht die Kosten und mindert die Erträge“, fasst Georg Koch im Gespräch mit dem WOCHENBLATT zusammen. Der Kartoffelanbauer und Direktvermarkter leitet den Ortsbauernverband Edingen und ist stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Rhein-Neckar.
„Wir sehen und spüren den Klimawandel täglich und man fragt sich schon, wo führt uns diese Entwicklung noch hin“, gesteht Koch. Ganz so neu sei das Ganze dann aber doch nicht. „2003 hatten wir schon ein Mal einen brutal heißen Sommer, 2018 und 2022 herrschte ebenfalls Hitzestress auf den Feldern. Dass die Sommer immer heißer und trockener werden, ist aber eine Tatsache und darauf muss sich die Landwirtschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten einstellen.“ Dazu zählten beispielsweise der Anbau hitzebeständigerer Weizensorten, die dem zwischenzeitlich „südländischen“ Klima hierzulande besser gewachsen seien sowie eine wasserschonende Bodenbearbeitung.
„Was uns Landwirten in der Region jetzt helfen würde, wäre ein richtig schöner mehrtägiger Landregen, aber den können wir halt nicht bestellen, da muss schon Petrus ran“, scherzt der Edinger und ergänzt: „Mein erster Blick und der meiner Kollegen gilt morgens der Wetter-App“.
Immerhin seien die Getreide-Anbauer mit einem blauen Auge davon gekommen und konnten eine Durchschnittsernte einfahren. „Die Ernte war rund zwei Wochen früher als üblich weitgehend abgeschlossen, wobei schlussendlich die Qualität des Korns über die weitere Verwendung und damit den Preis entscheidet“, so Koch. Notreifes Getreide treibe nämlich kleinere Körner aus.
Schlechter sehe es bei den Gemüse-Anbauern aus: „Die Wurzeln der jungen Gemüsepflanzen reichen nicht tief, sie können sich also auch nicht weiter unten im Erdreich versorgen. Wo es möglich ist, wird beregnet und das kostet zusätzlich Geld.“ Auch Früchte wie Beeren oder Äpfeln können bei großer Hitze Schaden nehmen und Sonnenbrand zeigen. Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln, so genannte Hackfrüchte, die im Spätsommer oder Herbst geerntet werden, leiden ebenfalls unter der großen Hitze und Trockenheit. Auch hier werde mitunter beregnet: „Selbst wenn wir damit die Trockenheit verringern, ist ja nicht die Hitze weg. Wenn es regnet ist der Himmel bewölkt und es herrschen ganz andere Voraussetzungen“, weiß der Landwirt.
Auch durstige Hasen und Kaninchen würden sich an der Wasserversorgung bedienen, indem sie mitunter sogar die Bewässerungsschlauche anknabberten, um an die Flüssigkeit zu kommen, was für die Bauern natürlich weniger erfreulich sei. „Bei der Ernte der Frühkartoffeln hat noch alles gepasst, der Klassiker die festkochende „Annabelle“ ist jetzt auch in unserer Kartoffelscheune zu haben. Bei den Spätkartoffeln sieht es leider etwas anders aus. Kartoffeln sind eine empfindliche Kultur, die stark von den Witterungsbedingungen abhängt“, weiß der Fachmann und ergänzt: „Sie stellen bei 25 Grad Außentemperatur das Wachstum ein, erst wenn es kühler wird wachsen sie in ihrem irdischen „Knollennest“ weiter.Wir Bauern sind gewohnt mit der Natur zu arbeiten, egal wie schwierig die äußeren Bedingungen auch sind“, fügt Georg Koch hinzu.
Und was wünscht er sich für die Zukunft? „Dass die Menschen unserer Arbeit und unseren Berufsstand wieder mehr wertschätzen und qualitativ hochwertige regionale Produkte auch preislich honorieren. Die Landwirtschaft ist schließlich unser aller Lebensgrundlage und sollte vorrangig auch im eigenen Land erhalten bleiben.“ ha
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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