Winterschlaf im Vogelheim – Gartenschläfer überrascht Nistkastenpfleger
- Ein ganzes Nest voller Gartenschläfer im Nistkasten.
- Foto: Jürgen Schnepf
- hochgeladen von Charlotte Basaric-Steinhübl
Ilvesheim/Edingen-Neckarhausen. Während die einen sich bereits mit der Frühjahrsmüdigkeit herumplagen, halten andere noch ausgiebig Winterschlaf. Das gilt auch für den seltenen Gartenschläfer, dem Gartentier des Jahres 2025, dem Jürgen Schnepf auf der Spur ist. Der engagierte Naturfreund ist Vorstandsmitglied im Verein für Vogel- und Naturschutz Ilvesheim und betätigt sich zudem im NABU Edingen-Neckarhausen als kundiger Führer bei naturnahen Exkursionen sowie in der Nistkastenpflege.
Letztere betreibt er auch in Ilvesheim, wo er rund 80 Nistkästen in verschiedenen Habitaten, sowie auf der vereinseigenen Vogelweide betreut. „Es ist sinnvoll, das alte, verunreinigte Nistmaterial mit Milbenbesatz zu entfernen, damit Platz für frische Nisteinlagen geschaffen wird“, weiß der Hobby-Vogelkundler und ergänzt: „Zumeist fange ich im Oktober mit dieser Arbeit an, damit ich bei der Vielzahl der Kästen zeitnah über die Runden komme."
Dabei hatte er eine Begegnung der besonderen Art. Beim Entfernen des Nistmaterials purzelte auch ein Gartenschläfer aus dem Kasten. „Das Kerlchen - mit der typischen „Zorro-Maske“ um die Augen - guckte mich wie narkotisiert an, ich guckte wohl ebenso verblüfft zurück, angesichts des ungewöhnlichen Nistkastenbewohners“, verrät Schnepf schmunzelnd. Er beförderte den Findling rasch in seine Schlafstube zurück und freute sich über die Erkenntnis, „dass es in Ilvesheim Gartenschläfer gibt. Das ist eine kleine Sensation“, findet Schnepf. Nach dem Fund ging er fortan vorsichtiger beim Öffnen der Klappe zum Nistkastenreinigen zu Werke. Und tatsächlich entdeckte er im vergangenen Jahr ein ganzes Nest voll mit Gartenschläfern, die sich gemeinsam zum Winterschlaf eingenistet hatten. Ein rasches Handyfoto von der mehrköpfigen Belegschaft und die kleinen Gesellen konnten ungestört weiterschlafen. „Keine Ahnung, wie die Tierchen durch das Einflugloch des Kastens kamen, die müssen sich ausgesprochen schlank machen können“, stellte Schnepf fest.
Einem Vertreter dieser Gattung wurde der angefressene Winterspeck allerdings zum Verhängnis. „Er steckte im Flugloch eines Meisennistkasten fest. Zum Glück fanden ihn Kollegen von mir und konnten den kleinen Fettsack befreien“, erzählt Jürgen Schnepf lachend.
Zusammen mit Norbert Pfrang reinigt er auch in Edingen-Neckarhausen Nistkästen, die auf Initiative der Naturfreunde und der Gemeinde aufgehängt wurden. Bislang ohne Gartenschläfer-Untermieter. „Ich wohne ja in Edingen „Im Vogelskorb“, und damit in einem Gebiet, wo die Straßen viele Namen von Vögeln tragen, da fühlt man sich als Schnepf (analog zur Vogelart Schnepfe) für eine solche Aufgabe geradezu prädestiniert“, scherzt der pensionierte Lehrer.
Er zimmert in seiner Werkstatt auch ehrenamtlich Nistkästen, und kann verschiedene Vogelstimmen gekonnt „nachzwitschern“, so dass sich manche Vogelarten bei seinen vogelkundlichen Wanderungen direkt „angesprochen“ fühlen. „Vögel sind kleine Überlebenskünstler, die man aufgrund der schwindenden Ressourchen gerade jetzt mit einer Winterfütterung oder noch besser mit einer Ganzjahresfütterung unterstützen sollte“, rät Jürgen Schnepf. Der Futterplatz sollte aber stets sauber gehalten werden. Am besten eigneten sich Futterröhren, deren Inhalt nicht mit den Hinterlassenschaften der Vögel in Kontakt kommt. Bei trockenem Wetter sollte man auch im Winter an das Aufstellen einer Vogeltränke denken und das Wasser regelmäßig erneuern. „Im baldigen Frühjahr können wir uns dann an Vogelgezwitscher als der schönsten Gartenmusik erfreuen“, findet Jürgen Schnepf. ha
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.