Schwalben kämpfen mit Nistplatzmangel und Insektenrückgang
- Rauchschwalbe beim Füttern der Jungen
- Foto: Hannelore Schäfer
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Heddesheim/Region. „An Mariä Geburt (9. September) ziehen alle Schwalben furt, an Mariä Verkündigung (25. März) kommen sie wiederum“, heißt es in einem alten Sprichwort. Im Mittelalter galt die Schwalbe zudem als Lichtvogel, der in den Tagen um den 25. März wieder in heimischen Gefilden auftauchte und den Frühling mitbrachte. Die eleganten Flugkünstler, die wie kaum eine andere Vogelart die Leichtigkeit des Seins verkörpern, haben verstärkt mit Problemen zu kämpfen. Der Mangel an Insekten und Nistmöglichkeiten machen dem zwitschernden Völkchen arg zu schaffen. Das Gleiche gilt für die Mauersegler.
Als Mitbewohner, die buchstäblich unter einem Dach mit den Menschen leben, sind sie auf dessen Gastfreundschaft angewiesen. Gerade an neuzeitlichen oder sanierten Gebäuden ist geeigneter Wohnraum jedoch Mangelware. „Mit dem Anbringen künstlicher Nester kann man die Wohnungsnot dieser Zugvögel wirksam lindern“, betont der Heddesheimer Vogelexperte Kurt Klemm. Normalerweise bauen Schwalben ihre Behausungen aus lehmhaltiger Erde und Pflanzenteilen. Aus dem feuchten Material formen sich die Vögel unzählige kleine Klümpchen zum Nestbau. Die daraus entstehenden Gebilde kleben sie an Hauswände oder unter Dachvorsprünge. „Am Baumaterial mangelt es den Schwalben heutzutage aber erheblich“, erklärt Kurt Klemm und fügt an: „Sowohl Mehl- als auch Rauchschwalben sind auf feuchte Erd- und Lehmvorkommen angewiesen. Heddesheim sei gewissermaßen auf Lehm gebaut, weshalb die Heddesheimer mundartlich auch als „Lellebollem“ bezeichnet würden. „Wir haben zwar von Natur aus geeignetes Baumaterial aber die Landschaft wird zunehmend versiegelt“, bedauert Klemm. Bei eher sandigen Bodenverhältnissen könne man alternativ auch eine Schale mit lehmhaltigem Material anbieten. Allerdings sei generell darauf zu achten, dass die künstlich angelegten Pfützen und Behältnisse bis in den Frühsommer hinein feucht gehalten werden, um die geschwätzigen Frühlingsboten gerade in der Bauzeit mit Material zu versorgen. „Egal ob ein Nest Marke Eigenbau oder eines im Fertig-Format an der Hauswand angebracht wird, ein darunter befestigtes Kotbrett hält unliebsame Verschmutzungen fern“, rät Klemm.
Vielen sei auch nicht bekannt, dass Schwalbennester ganzjährig geschützt seien. Ein Verstoß gegen dieses Verbot kann mit einer erheblichen Geldbuße nach dem Bundesnaturschutzgesetz geahndet werden. Aber nicht nur die Mehl- auch die Rauchschwalben nehmen zahlenmäßig immer weiter ab. Während früher in jedem Kuhstall das munter zwitschernde Völkchen anzutreffen war, sind heutzutage viele Ställe verschlossen, soweit sie überhaupt noch existieren. Reiterhöfe seien noch eine der wenigen Zufluchtsstätten. In den Ställen gebe es auch noch Mücken sowie andere Fluginsekten und die seien nun mal die einzige Nahrungsquelle der Schwalben, die ihre Beute ausschließlich im Flug jagen. „Der Rückgang an Insekten ist äußerst dramatisch, daher haben es die Schwalben immer schwerer ihren Nachwuchs aufzuziehen“, weiß Klemm. In der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide, die zunehmende Versiegelung der Landschaft sowie der Rückgang der Pflanzen-Vielfalt in den Hausgärten als Insekten-Nahrungsquelle tragen zu diesem Schwund bei. Dieser Mangel an Nahrung trifft Schwalben besonders hart, da sie während der Brutzeit und auf ihren langen Zugstrecken auf eine konstante Insektenversorgung angewiesen sind. „In Jahren mit extremen Wetterbedingungen, wie kühlen, nassen Frühlingsmonaten, kann der ohnehin schon knappe Insektenbestand noch weiter reduziert werden, was die Überlebenschancen der Jungvögel zusätzlich gefährdet“, weiß Kurt Klemm. ha
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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