Miramar verklagt die Versicherungen Ergo und Mannheimer
- Brand im Miramar Weinheim am 8. Dezember 2024
- Foto: Miramar Weinheim
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Weinheim. Die Betreiber des Freizeitbads Miramar in Weinheim haben Klage gegen die Ergo Versicherung und die Mannheimer Versicherung eingereicht. Hintergrund sei die bis heute ausstehende Regulierung des Großschadens durch den Brand der Therme vom 8. Dezember 2024. Die Klage wurde am 25. November 2025 beim Landgericht Köln eingereicht (Az. 20 O 236/25). Die erforderlichen Gerichtsgebühren im mittleren sechsstelligen Bereich seien bereits bezahlt.
Klägerin ist organisatorisch die Aqualand Freizeitbad am Fühlinger See GmbH & Co. KG (Köln), die als Versicherungsnehmerin den Gruppenvertrag als Fremdversicherung für die Bäder der Familie Steinhart gezeichnet hat. Die geltend gemachten Ansprüche umfassen sowohl die Kosten zur Beseitigung der Brandschäden als auch den Umsatzausfall infolge der Betriebsunterbrechung. Insgesamt beläuft sich der vorläufige Forderungsbetrag auf rund 21 Millionen Euro.
Seit dem Schadensereignis seien den Versicherern Ergo und Mannheimer fortlaufend Unterlagen in erheblichem Umfang zur Verfügung gestellt und die angeforderten Nachweise vollständig erbracht worden. Bislang ist jedoch keinerlei Entschädigungszahlung erfolgt. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte bereits im Januar 2025 mitgeteilt, dass nach damaligem Ermittlungsstand vieles auf einen technischen Defekt an einem Wäschetrockner hindeutet.
Marcus Steinhart, Sprecher der Geschäftsführung für Miramar und Aqualand, betont, dass der Schritt vor Gericht notwendig geworden sei, nachdem über viele Monate hinweg keine substanziellen Fortschritte in der Regulierung erkennbar gewesen seien. Er habe den Eindruck gewonnen, dass sich der Prüfprozess der Versicherer ungewöhnlich lange hinzieht: „Mein Vertrauen in diese Vertragspartner ist durch die Gesamtumstände spürbar erschüttert.“ Gleichzeitig unterstreicht das Unternehmen, dass die Klage kein Ausdruck von Konfrontationsbereitschaft sei: „Wir sind gezwungen, die rechtliche Klärung unserer Ansprüche durchzusetzen“, sagt Steinhart.
Der Wiederaufbau der durch den Brand zerstörten Therme läuft unterdessen weiter – im Mai 2026 soll diese den rund 700.000 Gästen wieder zur Verfügung stehen. Das Unternehmen finanziert diese Investitionen aus eigenen Mitteln, die in den vergangenen Jahren durch wirtschaftlich erfolgreiche Geschäftstätigkeit erwirtschaftet wurden. Bislang sind dies bereits gut 11 Millionen Euro in Vorleistung. Zusätzlich wurden bereits weitere 3 Millionen Euro in Sanierung und Modernisierung investiert; die neue Therme selbst erfordert rund weitere 8 Millionen Euro. „Wir sind in der hervorragenden Lage, wirtschaftlich gut dazustehen und dadurch resilient gegen den durch die nicht geleisteten Zahlungen aufgebauten Druck.“
Das Landgericht Köln hat zunächst das schriftliche Vorverfahren eingeleitet. Ein Verhandlungstermin steht derzeit noch nicht fest. Das Unternehmen rechnet damit, dass das Verfahren mehrere Jahre dauern könnte. Gleichzeitig hofft die Geschäftsführung, dass die Klage dazu beiträgt, grundsätzliche Fragen zur Dauer und Transparenz von Versicherungsprüfungen in Großschadensfällen zu klären.
Zum Unternehmen:
Die Familie Steinhart hatte das frühere kommunale Bad Miramar 1987 übernommen und seither kontinuierlich zu einem der bekanntesten und beliebtesten Freizeitbäder in Deutschland weiterentwickelt. Das Freizeitzentrum ist die Top-Touristenattraktion in Weinheim mit durchschnittlich rund 700.000 Gästen jährlich und besteht aus einem Familienbad mit Rutschen, einer weitläufigen Saunalandschaft sowie der Therme, die seit 2006 in Betrieb ist. Das Unternehmen beschäftigt am Standort Weinheim rund 200 Mitarbeiter.
In der Nacht vom 8. Dezember 2024 wurde die Therme durch einen Vollbrand zerstört. Dadurch wurden auch die zentralen Sanitäranlagen und die Umkleiden in Mitleidenschaft gezogen, weshalb das Miramar über ein halbes Jahr geschlossen bleiben musste und erst im Juni 2025 das Bad und die Saunalandschaft wieder öffnen konnte. Der Baukörper der Therme konnte nach einer umfassenden Sanierung erhalten werden, sodass die neue Therme in den Bestand hinein gebaut werden kann. Ende dieses Jahres wird das Dach installiert, danach erfolgt der Innenausbau.
Autor:Kristin Hätterich aus Mannheim |
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