Manuel Just: Neuer Landrat des Rhein-Neckar-Kreises
- Dafür gab`s von den 230 Gästen Standing Ovations.
- Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
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Rhein-Neckar-Kreis. „Unser Landrat ist on fire“ – mit diesem humorvollen, aber aufrichtig gemeinten Satz begrüßte Frank Werner den neuen Landrat Manuel Just bei dessen feierlicher Verpflichtung am Dienstag, 19. Mai, in der Astoria-Halle in Walldorf. Vor rund 230 Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft eröffnete der Erste stellvertretende Vorsitzende des Kreistags die feierliche Sitzung des Kreistags und leitete diese bis zum Ende. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von den jazzig-groovigen Klängen der Band „Delta Groove Selection“.
In seiner Rede für die Fraktionen des Kreistags zeichnete Frank Werner anschließend ein eindringliches Bild der aktuellen Herausforderungen für Landkreis und Kommunen – von wirtschaftlichen Unsicherheiten über den Fach- und Arbeitskräftemangel bis hin zur Krankenhausreform und den steigenden Belastungen der kommunalen Haushalte. „Es ist nicht so, dass harte Zeiten auf uns zukommen. In Sachen harte Zeiten sind wir schon mittendrin“, sagte Werner mit Blick auf die derzeitigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Der Rhein-Neckar-Kreis stehe – ebenso wie Städte und Gemeinden – vor tiefgreifenden Veränderungen. Werner verwies unter anderem auf die hohen Belastungen der Sozialsysteme, die Folgen des Klimawandels, die Digitalisierung, den zunehmenden Arbeitskräftemangel sowie die angespannte Lage der kommunalen Haushalte. Zugleich warnte er davor, dass die kommunale Familie zunehmend an ihre finanziellen Grenzen stoße. „Da geht es schon längst um die Frage, ob man Angebote, Serviceleistungen und öffentliche Einrichtungen überhaupt noch der Bevölkerung anbieten kann“, sagte er mit Blick auf Schwimmbäder, Bibliotheken oder kulturelle Angebote.
Frank Werner: „Du bringst die nötige Erfahrung und das Rüstzeug mit“
Trotz aller Schwierigkeiten warb der Angelbachtaler Bürgermeister zugleich für Zuversicht und Zusammenhalt. Bürgernähe, Verlässlichkeit und Transparenz müssten weiterhin der Kompass kommunalpolitischen Handelns bleiben. Dem neuen Landrat sprach er großes Vertrauen aus: „Ja, wir erwarten viel – und wir wissen, Du bringst die nötige Erfahrung, das nötige Rüstzeug und den unbändigen Willen mit, sich diesen Herausforderungen zu stellen.“ Besonders hob Werner Justs Fähigkeit hervor, Menschen zusammenzubringen und unterschiedliche Perspektiven auszugleichen. Mit Blick auf den engagierten Start des neuen Landrats sagte Werner: „Unser Landrat ist on fire.“
Im Anschluss begrüßte Walldorfs Bürgermeister Matthias Renschler zunächst die Gäste in der Astoria-Halle, bevor Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder die Verpflichtung des neuen Landrats vornahm. Eine Vereidigung war nicht erforderlich, da Manuel Just bereits im Jahr 2002 vereidigt worden war. „Diese Verpflichtung ist kein Selbstzweck, sondern immer am Wohl der Bürgerinnen und Bürger orientiert. Das ist die eigentliche Verpflichtung: auf die Zukunft, auf das Wohl des Landkreises und seiner Einwohnerschaft. Diese Suche nach dem Gemeinwohl besteht im Ausbalancieren und Aushalten von Gegensätzen“, sagte Regierungspräsidentin Felder.
Danach sprach der Sinsheimer Oberbürgermeister Marco Siesing als Vorsitzender des Kreisverbands Rhein-Neckar-Kreis ein Grußwort. „Der neue Landrat kennt die kommunale Wirklichkeit nicht nur aus Akten und Vorlagen“, betonte Siesing mit Blick auf Justs langjährige Erfahrung in der Kommunalpolitik und Verwaltung. Zugleich verwies er auf die anspruchsvollen Rahmenbedingungen der kommenden Jahre: „Du trittst das Amt in einer anspruchsvollen Zeit an.“ Siesing zeigte sich überzeugt davon, dass Manuel Just das vertrauensvolle Verhältnis seines Vorgängers innerhalb des Kreistags fortsetzen werde.
Martin Streib, Vorsitzender des Personalrats des Landratsamts, begrüßte Manuel Just im Namen der Mitarbeitenden des Landratsamts, des Eigenbetriebs Bau, Vermögen und Informationstechnik sowie der kreiseigenen Gesellschaften und Einrichtungen. „Die Herausforderungen sind groß: die Haushaltskonsolidierung, die fortschreitende Digitalisierung der Verwaltung, der Führungs- und Fachkräftemangel und der demografische Wandel“, sagte Streib. Diese Aufgaben könnten nur gemeinsam erfolgreich bewältigt werden. Der Personalrat sichere dem neuen Landrat dabei eine konstruktive und verlässliche Zusammenarbeit zu.
In seiner Antrittsrede stellte Manuel Just den Dialog als zentrales Leitmotiv seiner Amtszeit heraus. „Der Dialog mit den Menschen, sprich den Betroffenen, die ich gerne zu Beteiligten machen möchte“, sei für ihn ein wesentlicher Schlüssel, um den Rhein-Neckar-Kreis erfolgreich weiterzuentwickeln. Dabei gehe es um den Austausch mit Mitarbeitenden, Bürgerinnen und Bürgern, dem Kreistag, den Kommunen sowie den unterschiedlichsten Partnern des Landkreises.
Zugleich machte Just deutlich, dass er auf Kontinuität und sorgfältige Analyse statt auf schnelle Symbolpolitik setzen wolle. „Es macht schlicht und ergreifend keinen Sinn, aus dem Stand heraus alles zu verändern – schlimmstenfalls nur um der Veränderung wegen“, betonte der neue Landrat. Vielmehr gelte die Maxime: „Wir werden jeden Stein umdrehen und Dinge erneut bewerten, sie jedoch nur dann verändern, wenn wir uns sicher sind, dass es an der jeweiligen Stelle einer Veränderung bedarf.“ Ausdrücklich würdigte Just zudem die Arbeit seines Vorgängers Stefan Dallinger. Die Übergabe der Amtsgeschäfte sei von hoher fachlicher Kompetenz und einem außergewöhnlich guten menschlichen Miteinander geprägt gewesen. „Stefan Dallinger hat ein hervorragend aufgestelltes Haus hinterlassen“, sagte Just. Zugleich bedauerte er, dass sein Vorgänger an der Verpflichtung nicht persönlich teilnehmen konnte.
Just kündigt Haushalts- und Strukturkommission an
Einen Schwerpunkt seiner Rede legte Just auf die schwierige finanzielle Lage der Kommunen. Eine weiter steigende Kreisumlage dürfe nicht dazu führen, „die finanzielle Leistungsfähigkeit unserer 54 kreisangehörigen Kommunen zu erdrücken“. Deshalb kündigte er an, dem Kreistag bereits in den kommenden Tagen die Bildung einer Haushalts- und Strukturkommission vorzuschlagen, die sich intensiv mit Konsolidierungs- und Strukturfragen beschäftigen solle. Große Chancen sieht der neue Landrat in der Digitalisierung und im Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ziel müsse es sein, Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten und Mitarbeitende zu entlasten. „Es geht nicht darum, Mitarbeitende durch KI zu ersetzen“, sagte Just. Vielmehr solle Technologie dabei helfen, Ressourcen für Aufgaben freizumachen, bei denen menschliche Erfahrung, Lösungskompetenz und Empathie unverzichtbar seien.
Mit Blick auf die großen Zukunftsfragen nannte Just insbesondere die Themen Gesundheitsversorgung, Klimaschutz, Mobilität, Bildung und Wirtschaftsförderung. Gerade bei den GRN-Kliniken liege noch ein anspruchsvoller Weg vor dem Landkreis. „Die Gesundheit unserer Menschen darf auch bei allem Anspruch, die Krankenhausversorgung wirtschaftlich auszurichten, kein Spielball der politischen Ebenen sein“, betonte Just. Darüber hinaus forderte der neue Landrat erneut eine stärkere finanzielle Unterstützung der kommunalen Ebene durch Bund und Land. „Wer Leistungen bestellt oder ausweitet – so sinnvoll sie auch sein mögen –, muss auch dauerhaft für ihre Finanzierung einstehen“, sagte Just mit Blick auf das Konnexitätsprinzip und die steigenden Sozialausgaben.
Zugleich bekannte sich der neue Landrat ausdrücklich zu einer engen Zusammenarbeit mit Kreistag, Kommunen, Mitarbeitenden und den Bürgerinnen und Bürgern des Rhein-Neckar-Kreises. „Mit Ihnen allen gilt es, die kommenden Monate und Jahre zu nutzen, um mit Engagement und Einsatz, mit Mut und Verlässlichkeit, aber auch mit der gebotenen Demut Potentiale zu erkennen, Impulse in neue Richtungen zu geben und Transformationsprozesse zu durchlaufen“, sagte Just zum Abschluss seiner Rede und endete mit den Worten „Packen wir’s gemeinsam an!“red
Autor:Karin Hoffmann aus Ludwigshafen |
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