Schülergruppe des HBG Bruchsal untersucht politische Beziehungen Südasiens/Workshop an der Universität Heidelberg
Wo Indien an Grenzen stößt

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Bruchsal/Heidelberg (sm). Dass Vorlesungen an der Universität in der Regel „c.t.“ („cum tempore“), also mit 15 Minuten Verspätung beginnen, nahmen die Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums Bruchsal (HBG) noch belustigt – und nicht ganz neidlos - zur Kenntnis. Was sie danach erlebten, verschlug einigen jedoch die Sprache. Dr. Rahul Mukherji, leitender Politikprofessor des Südasieninstituts der Universität Heidelberg (SAI), spannte in einer 90-minütigen Vorlesung auf Englisch gekonnt den Bogen zwischen Theorie und Praxis und legte damit gleich zu Beginn des ganztägigen Workshops zum Thema „Internationale Beziehungen Südasiens“ die akademische Messlatte hoch. Die 18 angehenden Abiturientinnen und Abiturienten jedenfalls tauchten in den nächsten Stunden ein in die wechselvolle Geschichte und politischen Verwicklungen Indiens mit seinen südasiatischen Nachbarstaaten Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka und Nepal.
    Im Rahmen des vom „Centrum für Asienwissenschaften und Transkulturelle Studien“ (CATS) organisierten Schülerlabors erhielten die Gäste aus Bruchsal nach der Einführung von SAI-Geschäftsführer Dr. Martin Gieselmann durch Professor Mukherji zunächst einen Eindruck von der wirtschaftlichen und politischen Macht Indiens in Südasien, zu dem man neben den genannten Ländern noch Bhutan und die Malediven zählt. „Indien deckt über 73,1% der Landmasse und über 80% der Wirtschaftskraft ab“, unterstrich der Wissenschaftler, betonte jedoch, dass der Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen des Landes sehr unterschiedlich sei. Bevor sich die HBG-Gruppe, die aus den Neigungskursen Englisch und Gemeinschaftskunde von Lehrer Henning Belle bestand, mit Kooperationen und Konflikten der Vergangenheit und Gegenwart näher beschäftigte, gab Mukherji, selbst Inder, den Teenagern noch ein theoretisches Grundgerüst mit auf den Weg - vom Zustand der Anarchie bei Thomas Hobbes über den Ansatz des Mächtegleichgewichts bei Kenneth Waltz bis hin zu Alexander Wendts These, wonach internationale Beziehungen von Feindschaft, Rivalität oder Freundschaft geprägt seien. Mit diesen drei Antriebskräften sei dann auch das Verhalten von Staaten – vom Krieg bis zur Entwicklungshilfe – erklärbar. „Es geht nicht nur um Ereignisse und Jahreszahlen“, so Mukherji, „sondern um das zugrundeliegende Konzept, um die Art der Beziehung zwischen zwei Staaten!“
    Mit einigen konkreten Beispielen, allen voran dem Kaschmir-Konflikt, leitete der Südasienexperte zur Teamarbeit über, bei der vier Gruppen – unterstützt von den SAI-Tutoren Alexander Smit, Ronja Gottschling und Tirthankar Chakraborty - jeweils das bilaterale Verhältnis Indiens zu einem der genannten Nachbarstaaten unter die Lupe nahmen. In der Institutsbibliothek mussten dazu englischsprachige Texte analysiert und diese dann auf Plakaten zusammengefasst werden. Nach einer wohl verdienten Pause, bei der so mancher am „Sri Lanka“-Foodtruck nebenan auch kulinarisch in die Region eintauchte, präsentierten die Nachwuchsakademiker ihre Ergebnisse auf Englisch einem Expertenpanel, dem der indische Politikprofessor K.C. Suri von der Universität Hyderabad, der Wirtschafts- und Entwicklungsexperte des SAI, Dr. Wolfgang-Peter Zingel, sowie der iranische Politologe Dr. Seyed Hossein Zarhani angehörten. Die Wissenschaftler zeigten sich von der Präsentationskompetenz der Teenager sehr angetan und lobten unisono deren Fähigkeit, sich „in kürzester Zeit, ohne Vorkenntnisse und in einer Fremdsprache“ Grundlagen der politischen Beziehungen Indiens anzueignen und diese nachvollziehbar auf den Punkt zu bringen. Entsprechend selbstbewusst dürften die „Heisenberger“ nun dem Abitur entgegenfiebern, wo nicht zuletzt Methodenkompetenz gefordert ist und Sprachkenntnisse mündlich und schriftlich geprüft werden. Internationale Beziehungen sind zudem ein Schwerpunktthema im Fach Gemeinschaftskunde, während im Fach Englisch Wissen über die englischsprachige Welt außerhalb von Großbritannien und den USA vorausgesetzt wird – eine Welt, zu der auch die ehemaligen Kolonialgebiete in Südasien zählen.

Autor:

Heisenberg-Gymnasium Bruchsal aus Wochenblatt Bruchsal

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