Mehr Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten
Neue Klimaschutzportale

Dr. Fritz Brechtel, Dietmar Seefeldt, Hans-Ulrich Ihlenfeld und Lukas Hartmann
  • Dr. Fritz Brechtel, Dietmar Seefeldt, Hans-Ulrich Ihlenfeld und Lukas Hartmann
  • Foto: Karin Hiller
  • hochgeladen von Wochenblatt Redaktion

Bad Dürkheim. Uneinheitlich aufbereitete Zahlen zu Energieverbräuchen und -erzeugung oder Energie-Einsparziele, die sich auf unterschiedliche Zeiträume beziehen und so für Verwirrung sorgen: Dieser Zustand gehört nun in der ersten rheinland-pfälzischen Region der Vergangenheit an. Für die Region Mittelhaardt & Südpfalz der Energieagentur Rheinland-Pfalz – die Kreise Bad Dürkheim, Germersheim und Südliche Weinstraße sowie die Stadt Landau – stellten die Universität in Landau und die Landesenergieagentur jetzt die ersten kommunalen Klimaschutzportale vor.
In den Klimaschutzportalen sind Zahlen und Daten zu Status und Vorankommen bei der Energiewende abrufbar. Alle Daten sind einheitlich aufbereitet und werden in interaktiven Karten dargestellt. Dieses regionale Projekt in der Region Mittelhaardt & Südpfalz dient als „Vorlage“ für weitere regionale Klimaschutzportale nach einheitlicher Bilanzierungsmethodik für rheinland-pfälzische Landkreise und Städte. Die Klimaschutzaktivitäten der Verwaltungen und BürgerInnen sollen somit transparenter werden und durch digitale Vernetzung verstärkt zusammen gedacht werden. Zudem bieten die Portale einen besonderen Mehrwert: Bürgerinnen und Bürger erhalten eine einfache Möglichkeit, Ideen einzubringen und sich an Klimaschutzprozessen zu beteiligen.

Vergleichbare Daten und Zahlen bis zur „kleinsten Einheit“

Treibhausgasemissionen (THG) sind nach Sektoren bis zur Verbandsgemeinde- und Ortsgemeindeebene – also der kleinsten Verwaltungseinheit – abrufbar. Auch Einsparpotenziale für verschiedene Handlungsfelder, wie dem Ausbau Erneuerbarer Energien oder dem Gebäudebereich, lassen sich abbilden. Der Nutzer kann durch individuelle Gewichtung eigene Szenarien erzeugen. „Durch die Darstellung der Zahlen auf allen Ebenen werden die Anteile und Möglichkeiten, die jeder einzelne vor der eigenen Haustür hat, sichtbarer“, so Dr. Christel Simon, Projektleiterin bei der Energieagentur Rheinland. „Zudem kann jeder die Maßnahmen der Konzepte in der Region und ihren Beitrag nachlesen.“
„Durch die interaktive Darstellung der Zahlen im Klimaschutzportal in Verbindung damit, sich selbst auf einfache Art und Weise einbringen zu können, wird es lebendiger und anschaulicher und motiviert hoffentlich viele Menschen dazu mitzuwirken“, ergänzt Dr. Stefan Jergentz von der Universität Koblenz-Landau.
Die webbasierten Klimaschutzportale sind Ergebnis des Projekts „KomBiReK – Kommunale Treibhausgas-Bilanzierung und Regionale Klimaschutzportale“, das aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und vom Land Rheinland-Pfalz gefördert wird.

„Klimaschutzportal ist ein Instrument zur Umsetzung der Energiewende vor Ort“

Das kreisübergreifende Projekt ist aus der Arbeit im Beirat des Regionalbüros Mittelhaardt & Südpfalz der Energieagentur Rheinland-Pfalz hervorgegangen. Neben den Gebietskörperschaften sind in diesem Beirat Akteure aus der Region vertreten, die aktiv die Energiewende vor Ort mitgestalten oder die betroffenen Berufsgruppen vertreten. Insgesamt wirken Vertreter von 19 Institutionen und Verbänden in dem Gremium mit. „Die Energiewende vor Ort umsetzen, das ist ein Hauptanliegen unseres Beirats“, so Hans-Ulrich Ihlenfeld, Landrat des Kreises Bad Dürkheim und Vorsitzender des Beirats. „Das Klimaschutzportal ist genau hierfür ein Instrument. Kommunen und Bürgerinnen und Bürger können einfach online einsehen, wie viel Treibhausgase bei ihnen vor Ort emittiert werden und wo und wie diese eingespart werden können. Das große Thema Klimaschutz wird damit auf die lokale Ebene heruntergebrochen. Nur so wird ein Wandel begreifbar und machbar.“ Dadurch, dass die Daten kommunenübergreifend nach einer einheitlichen Methode erfasst und dargestellt sind, könne sich jeder sich innerhalb kurzer Zeit einen Überblick über den Stand der Dinge verschaffen.
Der Kreis Südliche Weinstraße wird das Klimaschutzportal aktuell insbesondere dafür nutzen, Bürgerinnen und Bürger bei der Erstellung des Klimaschutzkonzepts für den Kreis einzubeziehen. „Für uns erfolgt der Live-Gang des Portals genau zur richtigen Zeit, da wir in unserem Klimaschutzkonzept natürlich möglichst alle Ideen dazu, was vor Ort geht, berücksichtigen möchten. Über das Portal kann jeder unkompliziert Ideen einbringen, welche Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende hier bei uns gut passen würden“, stellt Landrat Dietmar Seefeldt den Nutzen für die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern heraus. „In Zeiten von Kontaktbeschränkungen, wo größere Veranstaltungen schwierig umzusetzen sind, ist das natürlich besonders hilfreich. Und auch wenn jemand interessiert ist mitzuwirken, sich die Zeit für die Teilnahme an Veranstaltungen nicht nehmen kann, hat er doch die Möglichkeit, sich über das Klimaschutzportal zu beteiligen.“
Im Landkreis Germersheim geht das Klimaschutzportal quasi zeitgleich mit der neuen Klimaschutzmanagerin an den Start. „Mithilfe des Portals wird Dr. Annika Weiss unser 2020 in den Gremien verabschiedete Klimaschutzkonzept sehr effizient umsetzen können“, sagen Landrat Dr. Fritz Brechtel und die für Klimaschutz zuständige Kreisbeigeordnete Jutta Wegmann. „Einerseits können wir - und perspektivisch auch unsere Verbandsgemeinden und Städte - sehr transparent darstellen, welche Maßnahmen zur Senkung von Treibhausgasen umgesetzt werden. Andererseits ist natürlich jede einzelne Person und ihr Handeln wichtig, wollen wir der Klimakrise ernsthaft entgegentreten. Das Tool ermöglicht daher eine unkomplizierte Beteiligung, hält aber auch Tipps zu Einsparmöglichkeiten und Vermeidung von klimaschädlichem Handeln bereit.“
Für die kreisfreie Stadt Landau in der Pfalz, in der bereits seit längerem ein Klimaschutzkonzept vorliegt und deren Umsetzung die Klimaschutzmanagerin Maren Dern koordiniert, eröffnet das Klimaschutzportal aktuell insbesondere die Möglichkeit, die Solaroffensive noch zielgerichteter umzusetzen. Beigeordneter Lukas Hartmann stellt fest: „Das Klimaschutzportal verdeutlicht anschaulich Potenziale und Möglichkeiten. Und mit einer Klima-Challenge bieten wir den Landauerinnen und Landauern gleich einen Anreiz, sich auf unserem neuen Klimaschutzportal umzusehen – und freuen uns auf gute Ideen!“ ps

Adressen der Klimaschutzportale:

Landau in der Pfalz: landauer.klimaschutzportal.info
Kreis Bad Dürkheim: kreis-bad-duerkheim.klimaschutzportal.info
Kreis Germersheim: germersheimer.klimaschutzportal.info
Kreis Südliche Weinstraße: suedliche-weinstrasse.klimaschutzportal.info

Autor:

Franz Walter Mappes aus Bad Dürkheim

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