Besichtigung bis 28. August möglich
Schewior-Ausstellung im Kahnweilerhaus eröffnet

Rockenhausen. In ihrer Begrüßungsrede bedankte sich Luise Busch hauptsächlich bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern für ihr Erscheinen, aber auch ganz besonders beim Arbeitskreis Kahnweilerhaus für sein jahrelanges Engagement für die Kunst und bei Beate Rusch, die mit ihr zusammen beim Aufbau der Ausstellung die Künstlerin Sigrid Schewior unterstützt hatte. Noch bis zum 28. August kann die Ausstellung jeweils donnerstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr besichtigt werden. Busch begrüßte auch ganz besonders Michael Vettermann, den Stadtbürgermeister von Rockenhausen, unter den Gästen.
„Seit Mitte der 1980er Jahre beschäftigt sich Sigrid Schewior kontinuierlich neben ihrer Malerei mit den Mitteln der Fotografie und dabei dem Ziel der Erweiterung konkreter Gestaltungsformen. Bereits ihre ersten Fotoarbeiten zeigen einen räumlich-flächigen Ansatz, der, verbunden mit einer dezidierten Zurücknahme des Materiellen , ihr weiteres fotografisches Schaffen grundsätzlich bestimmt. Durchgehende Konstanten der Formfindungen Schewiors sind die Verschleierung der fotografischen Realität und die Befragung der Motive durch malerische Intervention. Banale Motive aus Alltag, Landschaft und Natur werden einer medialen Metamorphose unterworfen. Die Künstlerin setzt diese Methode gezielt ein zur Schärfung der Wahrnehmung-und eben auch zum Diskurs über das Medium. Die Metamorphosen ihrer Bilder werfen dadurch zwingend die Frage nach Abbildung und Wirklichkeit auf, sie sind geeignet ,zur Reflexion der Beziehungen von Raum, Zeit und Materie anzuregen,“ sagte Dr. Heinz Höfchen vom Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zu Beginn seiner Einführung in die Ausstellung „paperworks“ mit Werken von Sigrid Schewior im Kahnweilerhaus in Rockenhausen.
Die Künstlerin sammele Naturerfahrungen, wobei das Erfahrungsobjekt Garten oft eine große Rolle spiele, bewege sich auf der Spur der organischen Strukturen und folge damit dem Wesen der Naturerscheinungen. Die Pflanzen-und Blumenmotive, vom einfachen Notat bis zum komplexen Ereignis, sprächen zunächst ganz einfach von den Befragungen der Naturformen. Sie akzeptiere auch zufällige Ergebnisse, die das Leben eben bringt. Damit kokettiere sie mit Harmlosigkeit und absichtlicher Einfalt. Ihre Arbeiten spiegeln und hinterfragen somit auch die Ästhetik der Schnappschussfotografie und die Praxis der Digitalfotografie als permanenten Begleitern im Alltag. Fotografie werde als Phänomen der modernen Wirklichkeit begriffen und bringe Kunst und Leben in eine neue Beziehung.
Auffällig sei vor Ort die Methode der Doppel-und Mehrfachbelichtungen, wobei unterschiedliche Realitätsebenen in einem Bild festgehalten werden könnten und die einzelnen Belichtungen ineinander verschwimmen und die Suggestion des bewegten Sehens entsteht. Es wird so ein Verwandlungskosmos erzeugt, dessen träumerische Atmosphäre ein erweitertes Weltverständnis eröffnen kann.
Schewiors gitter- beziehungsweise netzartige Übermalungen von Naturmotiven wie Bäume, Blüten oder Blätter nannte Höfchen ihre herausragende Werkgruppe, wofür der formale Hintergrund in einer langjährigen Auseinandersetzung der Künstlerin mit Rasterpunkten und des Transfers von Malerei in eine digitalisierte Bildsprache liegt.
Sie drückt die Farbe durch ein Metallsieb auf das Motiv und erreicht dadurch eine gewisse Körperhaftigkeit und eine fast gänzliche Überlagerung der fotografischen Vorlage.
Malerische Auflösung verschmilzt mit digitaler Auflösung. Das Flechtwerk ihrer Gitterformen antwortet auf das philosophische Bild Theodor W. Adornos von der Verflochtenheit von Wahrheit und Unwahrheit und die Nichtidentität von Sache und Begriff, von Subjekt und Objekt in ihrer Unversöhnlichkeit.
„Neben den durch transformatorische Prozesse verfremdeten Fotomalereien und Fotoarbeiten gibt es im Schaffen Sigrid Schewiors weitere fotografische Werkgruppen, die auf den ersten Blick zugänglicher und in ihrem Realitätsgehalt augenfälliger fassbar erscheinen. Die Künstlerin verzichtet vor Ort, das heißt im Garten, im Wald, in der Stadt oder am Rhein auf serielle oder strategische fotografische Konstanten. Sie fotografiert so, wie es ihr gefällt“, berichtete der Laudator.
Schewior erreiche in der fotografischen Umsetzung mit der Projektion von Raum und Fläche eine Umkehrung der originären künstlerischen Vorgehensweise im Sinne des natürlichen Wachsens vom Punkt zur Linie und über die Fläche zum Raum. Sie dekonstruiere damit Räumlichkeit und kehre den Werkprozess um, stelle damit auch die Idee von Genese in Frage, eben wie die Natur, die sich auch nicht daran hält, erklärte Dr. Höfchen zum Schluss seiner Ausführungen.ps

Autor:

Claudia Bardon aus Wochenblatt Kirchheimbolanden

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