Oscarpreisträger und große Filmklassiker: Das erwartet Besucher beim FilmGugger-Festival in Neustadt
- Die Goldenen Zwanziger treffen auf das Kino von heute: Das FilmGugger-Festival bringt drei Tage lang Filmklassiker, junge Talente und persönliche Gespräche mit Filmschaffenden nach Neustadt.
- Foto: Bettina Höchel
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Neustadt. Oscarpreisträger, außergewöhnliche Kurzfilme und große Klassiker: Von Donnerstag, 29. Oktober, bis Samstag, 31. Oktober 2026, verwandelt sich das Roxy-Kino in Neustadt an der Weinstraße wieder in einen Treffpunkt für Filmbegeisterte. Das FilmGugger-Festival geht in seine fünfte Runde und widmet sich unter dem Motto „Die Goldenen 20er – Reloaded“ den Parallelen zwischen den 1920er- und den 2020er-Jahren. Erstmals wird dabei auch der Filmpreis „Pfälzer Freiheit“ verliehen.
Künstlerischer Aufbruch, gesellschaftliche Veränderungen und neue Freiheiten, aber auch politische Krisen, Fanatismus und technologische Umbrüche prägen beide Jahrzehnte. Festivalleiterin und Filmemacherin Bettina Höchel greift diese Gemeinsamkeiten auf und stellt bedeutende Werke der frühen Filmgeschichte aktuellen Kurzfilmen gegenüber. „Das Kino kann Veränderungen sichtbar machen, bevor wir Worte dafür finden“, sagt Höchel. „Und es bringt Menschen mit unterschiedlichen Blickwinkeln ins Gespräch.“
Oscarpreisträger und junge Filmtalente zu Gast
Zu den Höhepunkten gehört der brandneue Animationsfilm „77 Leben“ der Oscarpreisträger Christoph und Wolfgang Lauenstein. Der achtminütige Puppentrickfilm gewährt einen ebenso skurrilen wie bitterbösen Blick in ein Hochhaus mit 77 Bewohnern und erzählt mit schwarzem Humor von menschlichen Schwächen und Abgründen.
Auch der Berliner Filmemacher Dave Lojek ist zu Gast. Er präsentiert mehrere seiner fantasievollen und gesellschaftskritischen Kurzfilme, darunter die gemeinsam mit Egzona Fetahaj realisierte Märchensatire „Katoptrik“. Im Gespräch mit Bettina Höchel gibt er Einblicke in seine Arbeit.
Das Kurzfilmprogramm vereint Nachwuchstalente von Filmhochschulen aus München, Ludwigsburg, Köln, Berlin, Hamburg, Mainz und Darmstadt mit etablierten Filmschaffenden. Die Beiträge reichen von humorvollen Animationen bis zu politischen Satiren und Gesellschaftsdramen.
So erzählt der Mainzer Jannik Brondke in „Hang In There“ humorvoll von der Kunst des Zen. Hannah Apollonia Stroiczek hinterfragt in „80 Frauen vor mir“ traditionelle Frauenbilder, während Marius Schwingel in „Plantasia“ eine grüne Rebellin in den Mittelpunkt stellt. Elias Förderer inszeniert mit „Knallrot“ einen psychologischen Machtkampf in der Ästhetik der 1920er-Jahre.
Politisch wird es in „Malina“ von Lorenz Wetscher, in dem ein junges Mädchen Stalin entdeckt, sowie in der Kriegssatire „War a Wonderful World“ von Kalli Prokscha und Sascha Piraht-Dosenbach.
Weitere Beiträge stammen von den Schauspielern und Regisseuren Steffen Jürgens mit „Toilettengespräche im 21. Jahrhundert“ und Kai Groenwald mit „The Penrose Triangle“. Der ehemalige Neustadter Künstler Torsten Galts steuert das düstere Schwarz-Weiß-Musikdrama „Who Do You Think You Are Foolin?“ bei. Festivalleiterin Bettina Höchel ist mit ihrem eigenen Kurzfilm „Zaster Eaten und Miss Gunst“ vertreten, der die Schattenseiten des Ruhms und der Filmindustrie der Goldenen Zwanziger beleuchtet.
Viele Filmschaffende reisen persönlich nach Neustadt, um ihre Werke vorzustellen und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen.
Drei Klassiker der Filmgeschichte an drei Abenden
Den zeitgenössischen Kurzfilmen stehen an jedem Festivalabend bedeutende Werke der frühen Filmgeschichte gegenüber.
Den Auftakt macht am Donnerstag, 29. Oktober, „Berlin Alexanderplatz“ von Phil Jutzi. Der aus Neustadt stammende Regisseur verfilmte Alfred Döblins berühmten Großstadtroman mit Heinrich George in der Hauptrolle. Jutzi, der seine Laufbahn als Plakatmaler in Ludwigshafen begann, wurde mit sozialkritischen Werken wie „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ zu einem bedeutenden Filmemacher der Weimarer Republik.
Am Freitag, 30. Oktober, steht die Animationspionierin Lotte Reiniger im Mittelpunkt. Das Festival zeigt ihr Erstlingswerk „Das Ornament des verliebten Herzens“ von 1919 sowie sechs weitere frühe Kurzfilme. Mit ihrer kunstvollen Scherenschnitttechnik revolutionierte Reiniger den Trickfilm. Ihr Langfilm „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von 1926 gilt als Meilenstein der Animationsgeschichte. Die zunehmende Bedrohung durch den Nationalsozialismus zwang die Künstlerin und ihren Ehemann später, Deutschland zu verlassen.
Den Abschluss bildet am Samstag, 31. Oktober, Georg Wilhelm Pabsts Stummfilmklassiker „Die Büchse der Pandora“ von 1929. Die amerikanische Schauspielerin Louise Brooks wurde in der Rolle der unangepassten Lulu mit ihrem markanten Bubikopf zur Stilikone der Goldenen Zwanziger. Der Film beschäftigt sich mit Freiheit, Moral, Macht und gesellschaftlichen Zwängen – Themen, die bis heute aktuell geblieben sind.
Filmgespräche, Livemusik und erstmals ein Filmpreis
Das FilmGugger-Festival versteht sich nicht nur als Kinoveranstaltung, sondern auch als Ort der Begegnung. Die Gespräche mit den anwesenden Filmschaffenden sind deshalb ein fester Bestandteil des Programms. Eine Premiere ist die erstmalige Verleihung des Filmpreises „Pfälzer Freiheit“.
An allen drei Tagen beginnt das Programm im Roxy-Kino, Konrad-Adenauer-Straße 23, um 18 Uhr mit Einlass und Livemusik. Ab 18.30 Uhr folgen die Kurzfilme mit Gästen und Filmgesprächen. Nach Pausen mit Wein und Snacks, darunter einer um 20.30 Uhr, beginnt gegen 20.50 Uhr der jeweilige Filmklassiker.
Für das Festival sind sowohl Tageskarten als auch Festivalpässe für alle drei Veranstaltungstage erhältlich. Schüler und Studierende erhalten ermäßigten Eintritt. Tageskarten können online oder direkt an der Kinokasse erworben werden, während die Festivalpässe ausschließlich an der Kinokasse erhältlich sind.
Weitere Informationen zum Programm und zu den Eintrittskarten gibt es unter www.filmgugger.de sowie unter www.roxy.de/event/127182. Telefonische Auskünfte erteilt das Roxy-Kino unter 06321 2659.
Autor:Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße |