Malereien im Südostjoch der Stiftskirche erstmals präsentiert
Himmlische Entdeckungen

Beeindruckend: Nach ihrem Jahrhunderte alten Dornröschenschlaf wurden die mittelalterlichen Fresken im Südostjoch der Stiftkirche erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
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  • Beeindruckend: Nach ihrem Jahrhunderte alten Dornröschenschlaf wurden die mittelalterlichen Fresken im Südostjoch der Stiftkirche erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
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Von Markus Pacher

Neustadt. 1.600 Stunden Arbeit hat das Restauratoren-Team um Kirsten Harms in den letzten sieben Monaten investiert. Am vergangenen Freitag wurden die freigelegten Fresken im Südostjoch der Stiftskirche erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

„Was da passiert ist, ist etwas, das nicht jeden Tag passiert“ bemerkte Dekan Armin Jung mit Blick auf das achtteilige Bildprogramm an den Deckensegeln im Südostjoch der Stiftskirche. „Zurück liegt eine Zeit voller Überraschungen“, resümierte Restauratorin Kirsten Harms vor allem in Anspielung auf die gleich zu Beginn der Arbeiten auftauchenden Probleme: Über eine undichte Stelle am Dachanschluss drang Wasser ein und sorgte für eine sogenannte „Versinterung“ , d. h. die dadurch verstärkt miteinander „verbackenen“ Putz- und Farbschichten erforderten den Einsatz feiner Druckluftmeisel. „Wir merkten sehr rasch, dass wir mit dem klassischen Skalpell nicht mehr weiterkommen“, erläutert Harms, die bereits für die Freilegung der Malereien im Hauptschiff vor fünf Jahren verantwortlich zeichnete.

Akribie, Geduld und Einfühlsamkeit

Sehr viel Akribie, Geduld und Einfühlsamkeit forderte die Retusche, wie Restaurator Bruno Helmstetter erklärte, galt es doch, das Original möglichst zu erhalten und gleichzeitig fehlende Malschichten zu ergänzen. „Unsere Strichretusche zeigt, an welchen Stellen ergänzt wurde. Man kann ganz genau sehen, was Original ist und an welchen Stellen retuschiert wurde“, so Helmstetter.

Hochkarätiger Kunstschatz

Auf die Frage des Stadtanzeigers nach der kunsthistorischen Bedeutung der Malereien bzw. deren künstlerischen Qualität gab Harms nach einer kleinen Bedenkpause eine verblüffende, bei nicht wenigen anwesenden Neustadtern regelrecht Gänsehaut verursachende Antwort: „Wir haben so etwas in dieser Qualität während unserer langjährigen Laufbahn bisher noch nicht gesehen.“
Die Neustadter dürfen also zurecht stolz auf ihren Kunstschatz aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sein, der möglicherweise schon wenige Jahrzehnte nach seiner Entstehung - wahrscheinlich während der Reformation - zugetüncht wurde und danach in einen Jahrhunderte alten Dornrösschenschlaf verfiel. In den acht freigelegten Segeln zwischen den Netzgraten des spätgotischen Gewölbes sind die vier Kirchenväter (Gregor, Ambrosius, Hieronymus, Augustinus) und die vier Evangelisten (Markus, Lukas, Johannes, Matthäus) dargestellt. „Der Pinselduktus und die Art der Plastizität der Inkarnate unter Einberechnung der Gewölbekrümmung innerhalb der Segelsegmente verrät uns, dass hier kein ’Dorfkirchenmaler’ agierte. Und auch wenn wir niemals herausbekommen werden, welcher Name dahinter steht, war es zweifellos jemand, der sein Handwerk richtig gut verstanden hat“, so Harms.

Himmelsstifter gesucht

Wie wird es weitergehen? Was geschieht mit den anderen Seitenschiff-Jochen? Oder, um die Frage eines älteren Herrn aus dem anwesenenden Publikums zu zitieren: „Wie alt muss ich werden, um auch die weiteren Malereien sehen zu können?“ Eine Frage, die Harms schlagfertig mit einer Gegenfrage beantwortete: „Wie schnell können sie spenden?“
Mit dem Fundraisingprojekt „Schenken Sie ein Stück Himmel“ können alle Stiftskirchenliebhaber weiterhin „Himmelsstifter“ werden. Bisher sind schon über 20.000 Euro eingegangen. Entsprechende Flyer mit Bestellcoupon liegen in der Stiftskirche aus. Nähere Informationen können bei Christiane Conrad telefonisch eingeholt werden (0172 7166171). pac

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