Nazi-Zeit: Soll Ludwigshafen diese Namen aus dem Stadtbild verbannen?
- Nach dem Flashmob widmete Wadle-Rohe, ehemaliger Stadtrat für die Linken, die Moltkestraße bereits inoffiziell um.
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Ludwigshafen. Der Kulturausschuss wird am 28. Mai über die Umbenennung des Carl-Wurster-Platzes diskutieren. Die CDU unterstützt den Antrag der Linken/Piraten auf einen neuen Namen für das Eingangstor zum Hemshof, die Angelegenheit wird von Sachverständigen des Kulturausschusses derzeit geprüft. Auch die Umwidmung der Moltkestraße wird Thema sein, für die die Fraktion Die Linke/Piraten gestern auf die Straße ging.
Linke und Piraten demonstrierten gestern Abend dafür, die Moltkestraße umzuwidmen. Der Straßenname soll nicht länger an den preußischen Feldmarschall Graf Moltke erinnern, der Antidemokrat gewesen sei und für Militarismus und Nationalismus stehe, erklärt Wadle-Rohe: „Die Fraktion Linke/Piraten beantragt die Umwidmung der Moltkestraße zur Ehrung des hingerichteten Widerstandskämpfers Helmut James Graf von Moltke, der sich gegen Hitler und die Ideologie des Dritten Reichs wandte.“
Auch die Umbenennung des Carl-Wurster-Platzes schrieb sich die Linke auf die Agenda. Morgen spricht darüber der Kulturausschuss. Carl Wurster spielte im Dritten Reich eine fragwürdige Rolle. Das zeigte die Anklage in den Nürnberger Prozessen wegen der Unterstützung des Angriffskriegs als Werksleiter bei der BASF und später bei der IG Farben sowie wegen Plünderungen in diesem Zusammenhang. Zudem warf man ihm Verantwortung für Zwangsarbeit im Zwangsarbeiterwerk der BASF Ludwigshafen sowie Massenmord vor.
Im Unterschied zu fast allen anderen Chemikern in führenden Positionen bei IG Farben wurde Wurster allerdings freigesprochen. Einfluss auf die Verhandlung hatte, dass er sich bei Kriegsende weigerte, die BASF zu sprengen, und das Werk den US-Truppen übergab. Damit zeigte er, dass er nicht bis zuletzt hinter dem Regime stand. Hinzu kam, dass er schlichtweg für Wiederaufbau und Reparationen gebraucht wurde und dabei bereits viel geleistet hatte, glauben Experten.
Der Chemieprofessor war Betriebsleiter im Zwangsarbeiterlager der IG Farben in Ludwigshafen, in dem verschleppte Frauen harte Arbeit leisten mussten, unterernährt waren und misshandelt wurden. Ob Wurster, der auch über das weitere Zwangsarbeiterlager der IG Farben im KZ Monowitz Bescheid wusste, wie viele anderen Deutsche nicht nur Mitwisser in einem gleichgeschalteten Regime war, oder ob er Mitentscheider war, sollte vor dem Kriegsgericht geklärt werden. Als Werksleiter traf er wohl einige Entscheidungen selbst und trug damit Mitverantwortung für die unwürdigen Bedingungen im Lager Ludwigshafen. jg
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Autor:Julia Glöckner aus Ludwigshafen |
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