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Ein König in LU - Ohne Leberwurst wird nicht geflogen

Beim anschließenden Filmgespräch Familie Bansah und Regisseurin
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Ludwigshafen. Beim Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen wurde am 14. September auch ein Film über „König Bansah und seine Tochter“ gezeigt. Der König, der hier von Ludwigshafen aus seine Heimat Ghana regiert und unterstützt, ist über die Region hinaus sehr bekannt und geschätzt. Er regiert praktisch von seiner Kfz-Werkstatt aus und anstatt Zepter hält er den Schraubenschlüssel in der Hand.

Bereits um 15.00 Uhr lief der Film im Freiluftkino auf der Parkinsel. Was ich bei meiner Reservierung in der dritten Reihe nicht ahnen konnte war, dass mich die Sonne voll erwischte. Da hatte es die angereiste Familie und Filmcrew wesentlich besser im Schatten der Bäume, obwohl …… König Bansah und seine Frau kamen in ihrem königlichen Gewand, das bestimmt auch nicht viel Luft an den Körper ließ. Vor die Kameras und Handys traten die Regisseurin Agnes Lisa Wegner, König Céphas Bansah, Katharina Bansah, Gabriele Bansah und von der Produktion Christoph Holthof, Daniel Reich & Luna Selle. Beim kurzen Plausch mit Filmfestival-Intendant Kötz vor Filmbeginn meinte Bansah „Ludwigshafen ist die schönste Stadt und nicht mit Ghana zu vergleichen“.

In dem Film erlebte man einen total sympathischen bodenständigen König mit seiner Familie. Er kam mit 22 Jahren nach Deutschland, besuchte die Berufsschule und Abendkurse, um der deutschen Sprache mächtig zu werden. Nach 3 Jahren legte er die Gesellenprüfung ab, um noch 5 Jahre Erfahrungen bei der Arbeit zu sammeln, denn das war früher „Gesetz“. Erfolgreich absolvierte er auch die Meisterschule und nun mit über 70 Jahren arbeitet er immer noch. Die Leute hätten ihn immer ausgelacht mit „Du bist König und arbeitest?“

Wir Zuschauer erfuhren, dass er süchtig nach Milch ist und abends Fencheltee mit Kümmel trinkt. Seit 1983 ist er selbständig und muss natürlich viele Rechnungen bezahlen, aber er sieht das völlig gelassen und meint „Uns geht es gut in Deutschland, man muss geben und nehmen.“ Ein bisschen schmunzeln musste man doch bei seinem Vergleich New York mit Ludwigshafen, aber das ist nun mal seine Heimat, die er von Herzen liebt. Seine Meinung: „Wenn Du etwas willst, kannst du alles in Deutschland werden und etwas mit den Händen arbeiten, denn nicht jeder kann studieren.“ Für Ghana sammelt er zwischenzeitlich bis zu seinem nächsten Staatsbesuch Fahrräder, Laptops, Handys und Inlineskater etc., das dann in einem Container auf den Weg geschickt wird. Er fliegt ab und zu in seine Heimat, um zum Beispiel einen neuen Brunnen einzuweihen. Bei seinen Besuchen gibt es eine Audienz, in der er sich die Sorgen und Nöte seines Volkes anhört. Nicht nur live vor Ort in Ghana, sondern auch in Ludwigshafen bekommt er Anrufe, wenn es um Bezahlungen von Operationen geht, dann muss er gefühlsmäßig von Fall zu Fall entscheiden, ob hierfür speziell Geld gesammelt wird oder nicht. Man setzt viel Hoffnung in das Königspaar und das macht ihnen ein wenig zu schaffen.

Neue Szenen gibt es mit seiner Tochter Katharina auf einem See, auf dem er sich im Boot beim Rudern übt. Ins Wasser fallen möchte er auf keinen Fall, obwohl es hier ja nicht wie in der Volta (größter Fluss in Ghana) von Krokodilen wimmelt, nur die kleinen Blutsauger wollen an sein Blut.

Er hat zwei Kinder – Katharine und Carlo -, eines davon übernimmt einmal den Thron, beide sind in Deutschland geboren. Katharina: „Wir sind MIT der Kultur aufgewachsen und nicht IN der Kultur“. Carlo: „Man ruft mich in Ghana weißer Mann“, was ihn zum Schmunzeln bringt.

König Bansah erlebte man überraschenderweise auch als Schlagersänger in einem Fernsehgarten. Und als er beim Packen seines Koffers für Ghana war offenbarte er, dass er niemals ohne seine Ration Leberwurstdosen nach Ghana fliegen würde, was das Publikum in schallendes Gelächter ausbrechen ließ, denn es waren nicht nur ein paar, sondern fast ein ganzer Koffer voll.

Beim anschließenden Filmgespräch mit dabei waren die Regisseurin Agnes Lisa Wegner, König Céphas Bansah, Katharina Bansah und Gabriele Bansah. Es wurde gefragt, wie sich das Ehepaar kennengelernt habe und ob sie sich als eine Art Entwicklungshelfer sehen, worauf Bansah antwortete, dass er damals durch einen internationalen Austausch nach Deutschland gekommen sei und von seinem beruflichen Werdegang. Als er mitbekam, dass es in Ghana kein Trinkwasser gab, hatte es bei ihm Klick gemacht und er beschloss zu helfen. In kürzester Zeit hat er veranlasst, dass vier Brunnen gebohrt wurden. Ein Dank ging an das deutsche Volk und seine Hilfsbereitschaft.

Die Attribute Pflicht und Zuverlässigkeit hat auch die Tochter mitbekommen. Sie lebt im soliden Mittelstand und ist sehr dankbar. Sie hat das Privileg, eine gute Bildung mitbekommen zu haben. Ihr Opa aus Kirrweiler habe immer gesagt „Mit guter Arbeit bekommst Du gutes Geld“! Sobald sie laufen konnte, war sie immer in der Kfz-Werkstatt ihres Vaters anstatt auf dem Spielplatz. Arbeit und Wissen waren in der Familie immer groß geschrieben. Sie konnte ihre Neugier ausleben.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob in Ghana eine Demokratie herrsche, antwortete Bansah, dass es seit 30 Jahren eine stabile Demokratie gebe. Und er erzählte wie er zu der Krönung zum König kam. Sein Vater hatte 12 Frauen und er habe 72 Geschwister, ja, sein Vater sei fleißig gewesen. Als sein Vater starb kam einer aus Deutschland auf den Thron, nämlich er. Er hatte die Möglichkeit an so ziemlich alles zu kommen, was sein Volk in Ghana medizinisch brauchte. So hatte man bisher für Operationen und Bauchweh immer nur Aspirin verabreicht. Er bekam von einer hilfsbereiten Ärztin auch andere Mittel für die Behandlung von den Würmern, die sich am Körper und in den Augen des Volkes breit machten. Als es um die Wahl zum neuen König ging, war man der Meinung, der König müsse dick sein, er jedoch war in jungen Jahren eher dünn. Wenn man König werden will, kommt man zuerst in Quarantäne in eine Hütte. Es folge dann eine eher blutige Zeremonie mit Schnitten in Arm, Rücken, Brust und Knie, die es zu bestehen gilt.

Katharina Bansah erzählte, dass sie mit der Kraft des Wassers etwas verändern konnten und der Vater meinte „Ich bin ganz stolz auf Euch, Ihr seid Spitze“. Er sei sehr dankbar für die Hilfe aus Deutschland wie zum Beispiel einer Reinigungsfirma, die die Kosten für den Fahrradtransport gänzlich übernommen hatte und begrüßte den anwesenden Chef im Publikum, der auch später mit auf den roten Teppich zum Fototermin dabei sein durfte.

Eine Zuschauerin bedankte sich einfach für den tollen Film und das Publikum stimmte mit Applaus dafür ein. Eine andere Zuschauerin fing mit Diskriminierung und Mobbing an, was jedoch nichts mit dem Film zu tun hatte und für etwas Unmut sorgte. Das Filmgespräch mit anschließenden Autogrammen dauerte über 1 Stunde, die jedoch auch tatsächlich benötigt wurde bei den vielen Fragen. Am Donnerstag, dem 16.09., um 17.00 Uhr kann man sich den Film über den äußerst sympathischen König noch einmal im Zeltkino B anschauen. (mel)

Autor:

Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim

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