Urteil in Zweibrücken: Fall um getöteten Zugbegleiter
- Der Angeklagte hat die Tat eingeräumt, aber eine Tötungsabsicht bestritten. (Archivbild)
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Zweibrücken. Für Bahnreisende und Beschäftigte rückt heute die Frage nach Konsequenzen bei Gewalt im Zug in den Mittelpunkt: Im Landgericht Zweibrücken wird das Urteil gegen einen 26-Jährigen erwartet, der einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle nahe Landstuhl tödlich verletzt haben soll.
Der Angeklagte soll Anfang Februar in einem Regionalexpress in der Westpfalz ohne Fahrschein unterwegs gewesen sein und sich nicht ausgewiesen haben. Nach Angaben der Anklage forderte der Zugbegleiter Serkan Calar den Mann daraufhin auf, den Zug zu verlassen. Dabei soll der 26-Jährige mehrfach mit großer Wucht gegen den Kopf des 36-Jährigen geschlagen haben. Zwei Tage später starb das Opfer im Krankenhaus an einer Hirnblutung.
Tat laut Anklage per Video dokumentiert
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ist der äußere Ablauf der Tat durch Kameras im Zug vollständig aufgezeichnet. Staatsanwalt Christian Horras forderte in seinem Plädoyer zwölf Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Einen Tötungsvorsatz sieht die Anklage nicht.
Die Verteidigung geht von einem minderschweren Fall aus und fordert ein Urteil im unteren Strafrahmen. Die Anwälte der Opferfamilie bewerten die Tat deutlich schwerer und plädieren auf Mord aus niedrigen Beweggründen mit lebenslanger Freiheitsstrafe.
Familie des Opfers zeigt sich enttäuscht
Die Nebenklage kritisiert, dass aus ihrer Sicht eine Verurteilung wegen Totschlags oder Mordes nicht ausreichend in Betracht gezogen worden sei. Angehörige und Freunde des getöteten Zugbegleiters wollen nach Angaben ihres Anwalts nicht zur Urteilsverkündung erscheinen. Schon bei den Plädoyers waren sie ferngeblieben.
Der Opferbeauftragte der Landesregierung Rheinland-Pfalz, Detlef Placzek, sprach von einer schweren Belastung für die Familie. Serkan Calar hinterlässt demnach zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren. Er war alleinerziehender Vater.
Mehr Übergriffe gegen Bahnmitarbeitende
Im Prozess wurde auch auf die wachsende Zahl von Angriffen auf Beschäftigte der Bahn verwiesen. Ein Security-Manager der DB Regio Mitte berichtete, in seinem Bereich habe es im Jahr 2025 231 Körperverletzungsdelikte gegeben. Häufig gehe es um Anspucken, doch auch die Schwere der Übergriffe nehme zu.
Seit mehr als 20 Jahren gibt es bei der Bahn Deeskalationstrainings. Der getötete Zugbegleiter habe demnach mehrfach daran teilgenommen. Einen Angriff mit einer solchen Heftigkeit habe es nach Aussage des Zeugen zuvor nicht gegeben. dpa/red
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |