Als auf dem Kirchberg noch Feuer brannte
- Der Bismarckturm erhebt sich auf dem Kirchberg über Landstuhl. Die freie Sicht über die Stadt lässt erahnen, wie weit die Feuer auf seiner Plattform einst zu sehen gewesen sein müssen. Im Hintergrund öffnet sich der Blick über Landstuhl und die Westpfalz.
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Der Bismarckturm in Landstuhl in der Westpfalz ist mehr als ein Aussichtsturm.
Landstuhl. Nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt führt die Luitpoldstraße hinauf auf den Kirchberg. Nach einem kurzen Fußweg erhebt sich zwischen den Bäumen der 19 Meter hohe Bismarckturm – eines der markantesten Wahrzeichen der Sickingenstadt. Wer heute die 74 Stufen zur Aussichtsplattform hinaufsteigt, genießt vor allem den Blick über Landstuhl und die Umgebung. Kaum jemand ahnt jedoch, dass auf dem Turm einst meterhohe Feuer brannten. Ebenso wenig bekannt ist, dass das Wahrzeichen überhaupt nur entstand, weil ein wohlhabender Industrieller den Bau vollständig finanzierte.
Der saarländische Großindustrielle Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg gehörte zu den bekanntesten Bewunderern Otto von Bismarcks. Kurz nach dessen Tod fasste er den Entschluss, auf dem Kirchberg eine monumentale Bismarcksäule errichten zu lassen – konzipiert als sogenannte Feuersäule. Als Standort wählte er ein Grundstück aus seinem Landstuhler Waldbesitz, das ihm selbst gehörte. Die Baukosten von rund 27.000 Mark finanzierte er vollständig aus eigener Tasche – eine außergewöhnliche private Stiftung um die Jahrhundertwende.
- Der Bismarckturm auf dem Kirchberg ist eines der markantesten Wahrzeichen Landstuhls. Einst befand sich auf seiner Spitze eine fast zwei Meter große Feuerschale.
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Ein preisgekrönter Entwurf
Für den Turm entschied sich der Stifter für den Entwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis, der damals deutschlandweit als Vorbild für zahlreiche Bismarcksäulen diente. Gebaut wurde der 19 Meter hohe Turm aus Buntsandstein, der in unmittelbarer Nähe des Bauplatzes gebrochen wurde. Die Arbeiten führte die Landstuhler Firma Franz Schreiber unter der Leitung des Homburger Bezirksbaumeisters Löhner aus. Auf größere Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung wurde wegen des schlechten Gesundheitszustands des Stifters verzichtet. Nur wenige Monate nach der Einweihung der Säule am 30. Juni 1900 starb Freiherr von Stumm-Halberg.
Als auf der Turmspitze die Flammen loderten
Seine wohl außergewöhnlichste Besonderheit befand sich auf der Turmspitze. Dort stand eine fast zwei Meter große gusseiserne Feuerschale. Zu Gedenktagen wurde sie mit Kiefern- und Buchenholz, Pech und Werg bestückt und entzündet. Die weithin sichtbaren Flammen machten ihrem Beinamen als Feuersäule alle Ehre. Nachdem der Turm 1907 in den Besitz der Stadt Landstuhl übergegangen war, verpflichtete sich die Kommune sogar, am Geburts- und Todestag Bismarcks jeweils ein Feuer auf der Plattform zu entzünden.
- Von Landstuhl aus wirkt der Bismarckturm auf dem Kirchberg beinahe unscheinbar. Nur seine Spitze ragt über die Baumwipfel hinaus.
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Ein Wahrzeichen mit Geschichte
Im Laufe der Jahrzehnte verschwand die Feuerschale. Der Turm wurde mehrfach instand gesetzt, blieb in seiner ursprünglichen Form jedoch erhalten. Bis heute führen 74 Stufen zur Aussichtsplattform, von der sich ein weiter Blick über die Sickingenstadt und den Pfälzerwald bietet. Mehr als 125 Jahre nach seiner Einweihung gehört der Bismarckturm längst zur Identität Landstuhls. Viele kennen den markanten Aussichtsturm, doch nur wenige wissen, dass hinter dem Bauwerk die Geschichte einer außergewöhnlichen privaten Stiftung steckt – und dass auf seiner Spitze einst weithin sichtbare Feuer brannten. est
Autor:Erik Stegner aus Landstuhl |
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