Zehn tote Störche in Rheinland-Pfalz: Rocky ohne Signal
- Viele Weißstörche aus Rheinland-Pfalz sind schon in Spanien, Marokko oder in Afrika angekommen. Über eine App kann das Zugverhalten von einigen beobachtet werden. (Symbolbild)
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Rheinland-Pfalz. Wer in diesen Wochen geschwächte Zugvögel findet, sollte fachkundige Hilfe einschalten: Senderdaten aus Rheinland-Pfalz und Zahlen der Mauerseglerhilfe zeigen, wie gefährlich die Reise in die Winterquartiere derzeit ist.
Wenige Wochen nach dem Abflug der Weißstörche aus Rheinland-Pfalz meldet das Storchenzentrum Bornheim erste Verluste. Von 150 Tieren, die mit einem Senderring ausgestattet wurden, sind nach Angaben von Wolfgang Fiedler von der Zentrale für Tiermarkierungen in Radolfzell bereits zehn sicher gestorben. Die Einrichtung gehört zum Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. Häufigste Todesursache bleibe der Stromschlag, sagte Fiedler.
Hoffnung auf „Rocky“ aus Freinsheim
Unsicher ist das Schicksal von „Rocky“ aus Freinsheim. Das Aufwachsen des jungen Storches war im Sommer von Tausenden Tierfreunden über eine Storchenkamera verfolgt worden. Das letzte Lebenszeichen, das auch über die App „Animal Tracker“ abrufbar war, stammt vom 20. August aus der spanischen Provinz Saragossa am Fluss Ebro. Der Ort liegt rund 1.200 Kilometer entfernt.
Fiedler hält es für möglich, dass Rocky beim Aufsuchen eines Schlafplatzes auf einem Mast einen Stromschlag erlitt und dabei auch der Sender ausfiel. Das sei Spekulation. Die Chancen seien inzwischen aber „nicht mehr sehr groß“, dass der Vogel nur in einem Funkloch sitze und wieder auftauche.
Marie Louise Wiesenbach, die mit ihrem Mann Florian Graus die Storchenkamera in Freinsheim betreibt und auf Instagram über das Nest berichtet, gibt die Hoffnung nicht auf. „Wir hoffen, dass Rocky trotzdem gut durchkommt und es einfach nur ein technisches Problem gab“, sagte sie. Schließlich handele es sich bei den Sendern um Prototypen. Von zwei weiteren Störchen aus der Umgebung, „Fortuna“ und „Schorschi“ aus Erpolzheim, gebe es seit dem 22. und 24. August ebenfalls keine Informationen mehr. „Das kann ja kein Zufall sein.“
Ungewöhnliche Routen bis Syrien und Senegal
Ein Großteil der Jungstörche befindet sich laut Fiedler derzeit in Spanien und Marokko oder bereits weiter südlich in Richtung Senegal. Aus manchen Regionen kämen wegen schlechter Netzverbindung kaum Daten. Mehrere Fälle fallen den Forschern besonders auf:
- „Clarinette 12356 AJE91“ von der Zeiskamer Mühle meldete sich als erster aus dem Senegal. Dort kam der Vogel bereits am 18. August an.
- „Rafael 12353 AJE68“ aus Maximiliansau nahm für Rheinland-Pfälzer Störche ungewöhnlich die Ostroute. Seine jüngsten Daten kamen am 9. September aus Syrien.
- „Sol 12281 ALL01“ aus Kapsweyer flog zunächst ostnordöstlich nach Sachsen und weiter ins Grenzgebiet zwischen Polen und der Slowakei.
Fiedler spricht in diesem Jahr von „ungewöhnlich vielen ungewöhnlichen Zugstrategien“. Ob das mit dem ungewöhnlichen Sommer mit Hitze, Bränden und Trockenheit zusammenhängt, sei noch offen. Klar sei nach bisherigen Untersuchungen aber: Von den 150 Vögeln seien nach einem Jahr voraussichtlich nur noch etwa 45 am Leben. Gründe seien Stromschlag, Beutegreifer, Unfälle und Bejagung.
Mauerseglerhilfe meldet harte Saison
Auch die „Mauerseglerhilfe Apus“ in Gorxheimertal im hessischen Kreis Bergstraße zieht eine ernüchternde Bilanz. Vorsitzende Jeanette Mayer nannte das diesjährige Mauersegler-Jahr trotz hunderter erfolgreicher Auswilderungen „ausgesprochen erschütternd“. Die Pflegestellen nahmen in dieser Saison knapp 1.300 Mauersegler und Alpensegler auf, darunter 294 aus Rheinland-Pfalz.
Besonders die zweite Saisonhälfte habe die Helfer stark gefordert. Ab August seien zunehmend Tiere mit erheblichen Gefiederschäden aufgenommen worden. Ein Teil der Schäden sei durch extreme Hitze und die damit verbundenen Belastungen entstanden. Hinzu kam nach Angaben des Vereins weniger Insektennahrung. Das sei vor allem für junge und geschwächte Tiere problematisch gewesen.
Fachkundige Pflege entscheidet über Freilassung
Nach Darstellung der Mauerseglerhilfe kamen auch viele Tiere von Privatpersonen und anderen Stationen, deren Gefieder und Gesundheitszustand durch unsachgemäße Haltung oder Pflege stark geschädigt waren. Eine Rettung sei teils nicht mehr möglich gewesen. „Ein Mauersegler kann nur mit einem vollständig intakten Großgefieder wieder erfolgreich in die Freiheit entlassen werden“, sagte Mayer.
Die Saison zeige dem Verein, dass er sich besser auf die kommenden Jahre vorbereiten müsse. Extreme Wetterlagen wie Hitzeperioden und ihre Folgen für die Tiere könnten häufiger werden. Erforderlich seien daher mehr fachkundige Helfer und Spenden. Trotz Erschöpfung bleibe für den Verein auch etwas Positives: Jeder wieder ausgewilderte Mauersegler und Alpensegler zeige, warum sich der Einsatz lohne. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |