Prof. Dr. Doron Kiesel vom Zentralrat der Juden spricht in Landau über jüdisches Leben in Deutschland nach 1945
Appell gegen fremdenfeindliche Tendenzen in der Gesellschaft

Dr. Timo Werner, Prof. Dr. Doron Kiesel und Oberbürgermeister Thomas Hirsch (v.l.n.r.) beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Landau.
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  • Dr. Timo Werner, Prof. Dr. Doron Kiesel und Oberbürgermeister Thomas Hirsch (v.l.n.r.) beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Landau.
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Landau. Jüngster Gast der von Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch gemeinsam mit Dr. Timo Werner, Geschäftsführer des Frank-Loeb-Instituts der Universität Koblenz-Landau, ins Leben gerufenen Nahost-Gesprächsreihe „Gescher - Die Brücke“ war der Wissenschaftliche Direktor der Bildungsarbeit im Zentralrat der Juden in Deutschland, Prof. Dr. Doron Kiesel. Der studierte Sozial- und Erziehungswissenschaftler tauschte sich in Landau mit Studierenden des Instituts für Katholische Theologie der Universität aus und hielt einen öffentlichen Abendvortrag zum Thema „Judentum in Deutschland“. Zuvor besuchte er die Dauerausstellung „Juden in Landau“ im Frank-Loebschen Haus und trug sich dort auch in das Goldene Buch der Stadt ein.
OB Hirsch, der die Gesprächsreihe unter dem Eindruck seiner Israel-Reise im Jahr 2016 initiiert hatte, verwies in seiner abendlichen Begrüßung im bis auf den letzten Platz besetzten Säulenraum des Frank-Loebschen Hauses auf das besondere Datum des „Gescher“-Vortrags. „Vor 86 Jahren, am 30. Januar 1933, ergriffen die Nationalsozialisten die Macht und brachten unvorstellbares Leid über Deutschland, Europa und die ganze Welt. Die Zeit des NS-Terrors stellt eine besondere Verantwortung für nachfolgende Generationen dar, der sich die Stadt Landau unter anderem mit der «Gescher-Reihe», die in der Tradition der «Landauer Gespräche» steht, stellt.“
Nach vier erfolgreichen Veranstaltungen könne man ein positives Fazit der Nahost-Gesprächsreihe ziehen, waren sich der OB und Dr. Werner einig. „Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Frank-Loeb-Institut klappt hervorragend und das Prinzip, unterschiedliche Blickwinkel nicht in Form einer Podiumsdiskussion, sondern mit einzelnen Gesprächspartnern zu beleuchten, hat sich bewährt“, so Dr. Werner. „Gescher - Die Brücke“ habe sich zum Ziel gesetzt, Verständnis und Interesse für Israel, das Judentum, aber auch die gesamte Nahost-Region zu wecken, so die beiden Veranstalter. Dies sei Prof. Dr. Kiesel auf besonders sympathische, humorvolle und eindringliche Weise gelungen.
Der Gastredner ging in seinem Abendvortrag vor allem auf das jüdische Leben in Deutschland nach 1945 ein und zeichnete die Entwicklung von den Nachskriegsjahren über die Zeit der Wende, als viele Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik einwanderten, bis hin zum heutigen Tag nach. Der Vertreter des Zentralrats brachte in Landau auch seine Sorge über jüngste, fremdenfeindliche Tendenzen in der Gesellschaft zum Ausdruck. „Wie kann es sein, dass solche Entwicklungen in einem Land mit der Vergangenheit Deutschlands wieder möglich sind?“, stellte er die rhetorische Frage. Prof. Dr. Kiesel rief die Menschen dazu auf, sich über jüdisches Leben zu informieren - so wie dies im Frank-Loebschen hervorragend möglich sei. Von der Dauerausstellung im Herzen der Stadt Landau, die im ehemaligen Wohnhaus des Urgroßvaters von Anne Frank die Geschichte der Landauer Jüdinnen und Juden präsentiert, zeigte sich der Gast aus Landau tief beeindruckt und bewegt. stp

Autor:

Thomas Klein

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