Fritz-Wunderlich-Musiktage 2026: Preisträger und Programm im Überblick
- Ingrid Hirschberger und Thomas Germain blicken voller Vorfreude auf die Fritz-Wunderlich-Musiktage
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Kusel. Im September wird die Kreisstadt erneut zum Treffpunkt für Freunde des klassischen Gesangs. Vom 13. bis 19. September finden die inzwischen elften Fritz-Wunderlich-Musiktage statt. Die Veranstaltungsreihe verbindet musikalische Nachwuchsförderung mit der Erinnerung an einen der bedeutendsten Tenöre des 20. Jahrhunderts, Fritz Wunderlich – und setzt dabei konsequent auf die Begegnung von Publikum und jungen Künstlerinnen und Künstlern.
Von Anja Stemler
Dass die Musiktage den Namen des berühmten Tenors tragen, ist in Kusel mehr als eine Reminiszenz. Fritz Wunderlich wurde am 26. September 1930 in Kusel geboren und entwickelte sich nach seinem Studium in Freiburg zu einem international gefeierten lyrischen Tenor. Besonders als Mozart- und Liedsänger machte er sich einen Namen. Seine Karriere endete 1966 durch seinen frühen Tod im Alter von nur 35 Jahren.
Die Musiktage wollen dieses Erbe allerdings nicht allein bewahren. Sie sollen es vor allem weitertragen. Der Blick richtet sich deshalb auf eine neue Generation von Sängerinnen und Sängern, die am Beginn ihrer professionellen Laufbahn stehen.
Auftakt mit renommierten Dozenten
Den Auftakt bildet am Sonntag, 13. September, um 19 Uhr ein Dozentenkonzert in der Aula des Horst-Eckel-Hauses. Zu erleben sind Prof. Thomas Heyer, Tenor, und Marina Unruh, Sopran. Am Klavier begleitet sie Klaus Bernhard Roth. Auf dem Programm stehen Lieder und Arien von Richard Strauß, Richard Wagner und Alban Berg, berichtet Ingrid Hirschberger, Vorsitzende der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft.
Am folgenden Abend, 14. September, ebenfalls in der Aula des Horst-Eckel-Hauses, steht Fritz Wunderlich selbst im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Von der Hutmacherkapelle bis zum Tamino“ zeichnet ein musikalisch-literarischer Abend die frühen Stationen und Erfolge des Kuseler Tenors nach. Moderiert wird die Veranstaltung von Daniel Böhm, dem künstlerischen Direktor des Pfalztheaters Kaiserslautern. Mitwirken werden außerdem Sonia Koch aus dem Vorstand der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft, der Bariton Johannes Fritsche vom Pfalztheater sowie die Pianistin Anna Anstett. Ergänzt wird der Abend durch Videoaufnahmen von Zeitzeugen. Anlass für dieses Highlight ist der 90. Geburtstag von Fritz-Wunderlich.
Gerade dieser Programmpunkt verspricht einen interessanten Blick auf den Menschen hinter dem großen Namen. Denn Wunderlichs Weg begann nicht auf den großen internationalen Opernbühnen, sondern in seiner Heimatstadt Kusel. Schon als Jugendlicher trat er mit der Theatergruppe des Kulturrings auf; später studierte er in Freiburg Gesang, Horn und Klavier. 1954 sang er erstmals den Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ – eine Rolle, die zu einem Markenzeichen seiner Karriere werden sollte.
Öffentliche Einblicke in die Arbeit junger Stimmen
Vom 14. bis 18. September folgt der eigentliche Kern der Musiktage: der Meisterkurs mit Prof. Thomas Heyer. Gesangsstudentinnen und -studenten arbeiten dabei intensiv an ihrer künstlerischen Entwicklung. Interessierte Besucher können die Arbeit an den Stimmen von Dienstag bis Donnerstag, jeweils von 18 bis 19.30 Uhr öffentlich verfolgen.
Für ein Festival, das den Namen eines großen Sängers trägt, ist dieses Konzept besonders stimmig. Der Meisterkurs macht musikalische Ausbildung sichtbar und zeigt, wie viel Arbeit hinter dem scheinbar mühelosen Auftritt auf einer Opernbühne steckt. Technik, Interpretation, Ausdruck und Bühnenpräsenz werden dabei nicht abstrakt vermittelt, sondern unmittelbar vor Publikum erlebbar.
Am Freitag, 18. September, präsentieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich die Ergebnisse ihrer Arbeit im Abschlusskonzert des Meisterkurses. Beginn ist um 19 Uhr in der Aula des Horst-Eckel-Hauses.
Fünf junge Talente im Finale
Besonders gespannt darf man auf den Abschlussabend am Samstag, 19. September, sein. Beim Konzert der Preisträgerinnen und Preisträger um 19 Uhr stellt die Fritz-Wunderlich-Gesellschaft fünf junge Gesangstalente vor, die von der Auswahlkommission im Juni ausgewählt wurden. Insgesamt haben sich rund 45 junge Talente mit einem Motivationsbrief, Lebenslauf und einer Aufnahme vorgestellt. Das Niveau sei nach wie vor hoch, berichtet Thomas Germain, Vorstandsmitglied der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft.
Zu den fünf Preisträgerinnen und Preisträgern gehört die deutsche Sopranistin Isabella Schulz, die Gesang an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover studiert. Die Sopranistin Lucia Gasser verbindet ihr Studium der Kirchenmusik und Orgel in Regensburg mit ihrer Ausbildung im Gesang. Die aus China stammende Mezzosopranistin Zinuo Chen studiert Operngesang an der Universität der Künste Berlin. Der schwedische Tenor Ludvig Sjöstedt absolviert sein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Komplettiert wird das Quintett durch den serbischen Bariton Andrija Sekulic, der an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim studiert und bereits internationale Wettbewerbserfolge sowie Bühnenerfahrung vorweisen kann.
Damit zeigt sich zugleich die internationale Ausrichtung des Fördergedankens: Die fünf ausgewählten Sängerinnen und Sänger kommen aus unterschiedlichen musikalischen Ausbildungswegen und Ländern, eint aber das Ziel einer professionellen Karriere im Gesang.
Freier Eintritt als Einladung an das Publikum
Bemerkenswert ist auch der Zugang: Alle Veranstaltungen der Fritz-Wunderlich-Musiktage sind kostenlos. Damit bleibt die Veranstaltungsreihe nicht nur der Fachwelt oder eingefleischten Opernliebhabern vorbehalten. Gerade der öffentliche Meisterkurs bietet die Möglichkeit, klassische Gesangsausbildung einmal aus nächster Nähe kennenzulernen.
Die Fritz-Wunderlich-Gesellschaft hält damit an einem Konzept fest, das sich bewährt hat: Erinnerungsarbeit, Nachwuchsförderung und Konzertveranstaltungen werden miteinander verbunden. Bereits 2025 fanden die Musiktage zum zehnten Mal statt. Die Veranstaltungsreihe hat sich damit längst als fester Bestandteil des Kuseler Kulturlebens etabliert.
Ein Festival mit Blick nach vorn
Die Fritz-Wunderlich-Musiktage 2026 sind deshalb mehr als eine Hommage an einen berühmten Sohn der Stadt. Sie schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Fritz Wunderlich steht für eine außergewöhnliche Sängerkarriere, die von Kusel ausging und ihn auf die großen Bühnen führte. Die jungen Preisträgerinnen und Preisträger stehen dagegen noch am Anfang ihres Weges.
Vielleicht liegt gerade darin die besondere Idee dieser Musiktage: In Kusel wird nicht nur an eine große Stimme erinnert. Es wird zugleich danach gesucht, welche Stimmen die Opern- und Konzertwelt von morgen prägen könnten.
Autor:Anja Stemler aus Kusel-Altenglan |
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