GEW Donnersbergkreis ehrt Jubilare
Jedes Jahr ein spannender Rückblick
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Es ist ein Ritual, am Ende eines Jahres wird zurückgeblickt - persönlich, in der Familie oder im Freundeskreis, in Radio, TV oder Zeitungen.
Bei der GEW im Donnersbergkreis wird im Dezember noch weiter zurückgeblickt und Jubilare werden vom Vorsitzenden-Team geehrt. Es gibt ein musikalisches oder kulturelles Rahmenprogramm, für das in diesem Jahr mal wieder Barbara und Gregor Dittmer verantwortlich waren. Der gewerkschaftliche Input bestand aus einem Bericht über Möglichkeiten der Arbeit für Seniorinnen und Senioren innerhalb und außerhalb der GEW. Die Tradition der Ehrungen im Kreisverband ist inzwischen auch schon zu so etwas wie einem Ritual geworden.
Auf dem Jahrestreffen Anfang Dezember im Hotel Berg in Dannenfels wurden insgesamt 73 Jubilare für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt.
Vor zehn Jahren traten im Donnersbergkreis 37 Kollegen und Kolleginnen in die Bildungsgewerkschaft ein – eine spiegelbildliche Umkehr der Gesamtzahl der zu ehrenden.
Auslöser dafür waren Tarifauseinandersetzungen um die Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen und Erzieher in Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen, in denen Bildung und Erziehung für unsere Kleinsten beginnt. Kirchheimbolanden war 2015 Zentrum dieser Auseinandersetzungen mit einem Streik von über 1.000 Kollegen und Kolleginnen.
Neben dem Ritual der Ehrungen hat es Tradition, dass für das jeweilige Eintrittsjahr der Jubilare eine zeitgeschichtliche Einordnung erfolgt. Wer weiß noch, wann es die ersten Realschule-plus-Zeugnisse gab? Das war 2010, entsprechend dem nächsten Fünfjahresschritt der Jubilare – immerhin sechs an der Zahl.
Zeitgeschichtlich geht die Reise weiter zur ersten Bundeskanzlerin, Angela Merkel. Ein- und mehrklassige Dorfschulen mussten weichen und wurden durch Verbands- und Mittelpunktschulen ersetzt. Für zwanzigjährige Mitgliedschaft konnten zwei Kolleginnen geehrt werden.
Vier sind es für das Jahr 2000, für das zu Beginn der Milleniumscrash - der Zusammenbruch der digitalen Systeme - befürchtet wurde. Er blieb aus. Immerhin, das Jahr steht für ein Vierteljahrhundert Mitgliedschaft in der GEW.
Es geht weiter zurück - ins vorige Jahrhundert. Es sind sechs Kolleginnen und Kollegen, die für dreißig Jahre geehrt werden können. Gerhard Schröder wurde 1995 zum Ministerpräsidenten von Niedersachsen gewählt. Thomas Gottschalk präsentierte am Samstagabend „Wetten, dass?“
Der 3. Oktober ersetzt 1990 den 17. Juni, und wird zum neuen „Tag der Deutschen Einheit“. Die DDR ist Geschichte und erweitert damit nicht nur die Geschichte der Gewerkschaften. Der GEW im Donnersbergkreis bringt das Jahr fünf neue Mitglieder.
Reinhard Horsch aus dem Vorstand, der jedes Jahr den zeitgeschichtlichen Background liefert, fragt „Wer erinnert sich noch an Glasnost?“ Die GEW-Mitglieder unter uns, die jünger sind als 40 können sich aus eigenem Erleben gar nicht mehr daran erinnern. Bundespräsident Richard von Weizsäcker spricht am 8. Mai vom „Tag der Befreiung“. Vier Mitglieder sind zu der Zeit eingetreten und werden geehrt.
Nun nähern wir uns schon einem halben Jahrhundert Mitgliedschaft in der GEW: Einen Jubilar mit 45 Jahren und gar vier für 50 Jahre. Zu der Zeit wird die Partei „Die Grünen“ in Karlsruhe gegründet, Bundeskanzler Helmut Schmidt wird von Franz-Josef Strauß herausgefordert und kann sich behaupten – zumindest für 2 Jahre. Am 17. Juli 1975 gelingt das Kopplungsmanöver von Apollo 18 und Sojus 19 im Weltall. In Rheinland-Pfalz wird die „reformierte Oberstufe“ eingeführt - auch „Mainzer Studienstufe“ genannt. Aus Klassen werden Kurse: Grund- und Leistungskurse.
Für mehr als ein halbes Jahrhundert wurden Erhard Kern-Eimann, Gerlinde Sünder und Hubert Totthoff (55 Jahre Mitgliedschaft) sowie Anni Rothley für gar 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt.
Bei der zeitgeschichtlichen Einordnung wird es nun auch für die Älteren unter uns immer schwieriger, die Ereignisse aus eigener Erinnerung heraus nachvollziehen zu können. Das verdeutlicht das Ausmaß der Zeitspanne, in der die Jubilare der GEW treu geblieben sind.
Viele von uns - und auch von den Anwesenden des Jahrestreffens der GEW am 4. Dezember - kennen den Kniefall Willy Brandts in Warschau nur von Bildern. Oder wer erinnert sich noch an die Kurzschuljahre, hat die Trennung der Beatles miterlebt und ihren Song „Let it Be“ noch als aktuellen Hit aus der Jukebox gehört?
Es war, wie jedes Jahr, eine schöne und angemessene Veranstaltung, die nach der Ehrung von regem Austausch der Gäste und Jubilare untereinander geprägt war.
Autor:Rainer Niemann aus Kirchheimbolanden |
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