Sorgen Impulse der Planungswerkstatt für Verbesserung am Werderplatz?
- Am Modell lassen sich vortrefflich Maßnahmen zur künftigen Gestaltung des Werderplatzes diskutieren
- Foto: Stadt Karlsruhe, Sabine Wand
- hochgeladen von Jo Wagner
Karlsruhe. Hand aufs Herz: Der Werderplatz in der Karlsruher Südstadt war früher ein angenehmer Platz, ein hipper Ort in der Südstadt, an dem man gerne verweilte, wo der Markt, die Geschäfte und die Außengastronomie Besucher und Besucherinnen aus der gesamten Region anzog. Doch dann .. kippte die Situation im öffentlichen Raum dramatisch!
Im Video der Stadt Karlsruhe - als Grundlage für die Diskussion zum Thema - geht es um den Platz, um Menschen, die den Zustand am Werderplatz aus ihrer Sicht schildern.
Verdrängungseffekte, Konzentration einer Drogen- und Alkoholszene: Waren es früher eher ein paar Trinker, die sich um den Indianerbrunnen aufhielten, hat sich die Situation in Sachen Drogen gewandelt. Einhergehend war die Verschmutzung (Drogenspritzen), Straftaten häuften sich, Prügeleien nahmen zu, oft gab es Lärm, dazu kamen Konflikte mit Anwohnern und Gewerbetreibenden, Gäste wurden angepöbelt, Anwohner waren verunsichert, man mied mitunter durchaus den Werderplatz, ging Umwege - und in der Folge blieben auch Gäste der Geschäfte und Lokale weg! All das belastete zusätzlich das Sicherheits- und Sauberkeitsgefühl vieler! Kein Wunder, dass der Niedergang am Werderplatz es mehrfach auf die Tagesordnung im Gemeinderat schaffte!
Seit Jahren ein Thema
Statt aber die Wurzel des eigentlichen Übels konkret zu benennen und anzugehen, wurde nach ausgiebiger Diskussion im Gemeinderat auch 2020 dran herumgebastelt: Alkoholverbot am Platz, zeitlich befristete Regeln, ordnungspolitische und sozialpolitische Maßnahmen; ein Bündel von Ideen, ein "Zehn-Punkte-Programm", das aber unterm Strich meist dazu führte, dass es nicht wirklich eine Verbesserung brachte! Immer wieder wurde gemahnt - auch vom Bürgerverein -, dass eine Verdrängung ins Umfeld des Werderplatzes (Marien- und Werderstraße) erfolge, wo dann das stattfinde, was zuvor kritisiert wurde! 2022 monierten in einem "Baden TV"-Beitrag (Link: https://www.baden-tv.com/mediathek/video/grenze-absolut-erreicht-haendler-und-anwohner-am-karlsruher-werderplatz-fordern-unterstuetzung/) Händler erneut die Zustände am Platz.
Long story short: Eine Planungswerkstatt sollte zündende Ideen sammeln; angefangen von Alkoholverbot, bis Alkoholkonsumorte, Gestaltung des öffentlichen Raums über kulturelle Akzente bis hin zu Autofreiheit auf dem gesamten Platz. Es wurde mit Lebensqualität, Erhöhung der Verkehrssicherheit und Raum für Fußgänger, Außengastronomie oder Grünflächen argumentiert. Allerdings wäre aus Sicht etlicher Anwohner eine solche Maßnahme meist verkehrs- und umweltpolitisch motiviert, denn der wenige Autoverkehr mit ein paar Parkplätzen sei nicht das Problem. Eine solche Verkehrsberuhigung habe auch unerwünschte Nebeneffekte wie "Verödung" des Platzes, denn eine soziale Kontrolle finde eben nur bei gutem Wetter statt. Die Neugestaltung des Platzes löse nicht das eigentliche Problem der Kriminalität und Sucht, sondern verlagere oder verschlimmere es oft.
Retten Autofreiheit und Umbau den Platz?
Jetzt hat die Stadt - im Juli 2026 - verkündet, dass mit der "Planungswerkstatt Werderplatz" ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer höheren Aufenthaltsqualität auf dem Werderplatz gelungen sei. Die Veranstaltung sei Teil der Bemühungen, den Platz "gemeinsam mit den Menschen im Stadtteil weiterzuentwickeln". Grundlage der Veranstaltung seien zwei Beschlüsse des Gemeinderats: Autos sollen vom westlichen Teil des Platzes vertrieben, so die Fußgängerzone erweitert werden, und Umbaumaßnahmen (für 100.000 Euro): Das soll den Platz wieder zur früher üblichen Attraktivität bringen.
Im Mittelpunkt der Planungswerkstatt stand die Frage, wie der Werderplatz künftig gestaltet werden kann, damit er von möglichst vielen Menschen gerne genutzt wird. Betroffene wurden dazu eingeladen: Einwohnerinnen und Einwohner der Südstadt, die über eine Zufallsauswahl aus dem Melderegister ausgewählt wurden. Dazu waren die Gemeinderatsfraktionen, Vereine aus dem Stadtteil sowie Kirchen und soziale Träger dabei. Die Gestaltung eines öffentlichen Raums beeinflusse, wie er wahrgenommen und genutzt werde, so die Stadt - aber er muss auch genutzt werden (wollen)! Nur dann kann er dazu beitragen, dass sich Menschen dort gerne aufhalten - und ihn nicht wegen der vorigen "Nebengeräusche" meiden!
Infos: Die Stadtverwaltung steht vor und nach der Planungswerkstatt im fachlichen Austausch mit dem KIT, das den Werderplatz im Rahmen eigener Forschung wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse der Planungswerkstatt werden in das weitere Verfahren eingebracht und sollen Grundlage für die nachfolgende Planung sein ab Ende 2027.
Autor:Jo Wagner |
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