Rund 2.000 Läufer beim 44. Internationalen Bienwald-Marathon
Trotz Sturmtief respektable Leistungen auf der Strecke

Start zum Bienwald-Marathon.

Kandel. Immer am zweiten Wochenende im März kommen etwa 2.000 sportbegeisterte Läufer aus 30 Nationen in die Bienwaldstadt Kandel um Teil des Bienwald-Marathons oder zumindest der halben Distanz zu sein. Die weiteste Anfahrt hatte dieses Jahr zugleich auch einer der interessantesten Starter. Der australische Triathlet Alistair Kealty hat sich für das Jahr 2019 das Ziel gesetzt, jedes Wochenende, 52 gibt es davon, in einem anderen Land einen Marathon zu laufen. Dem nicht genug, versucht er dabei mit speziellen Outfits den zugehörigen Rekord im Guinnessbuch der Rekorde zu brechen. Letztes Wochenende zum Beispiel lief er in der Türkei den Marathon einen Fußball spielend, in 3:35 h und unterbot damit aktuellen Rekord. Von seinen neun Läufen bisher gelang es ihm sechs Mal den Rekord zu holen. Kandel ist seine zehnte Station, die er als Rugbyspieler meistern möchte. Unter https://42point2.com/ kann man seine Läufe verfolgen.

Bunt wie ein Krokusfeld im Frühling erscheint nicht nur optisch das Teilnehmerfeld, genauso vielfältig ist auch das Leistungsspektrum, das in Kandel an den Start geht. Vom Spitzenläufer bis zum Spaßläufer ist alles dabei. Das obere Ende des Spektrums wird dieses Jahr durch die 40-fache Deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt belegt. Nach 22 Jahren Leistungssport mit WM-, EM und Olympia-Teilnahmen lässt sie ihre Profikarriere langsam auslaufen.
Leider stand dieses Jahr die Veranstaltung unter keinem guten Stern. Schon in der Nacht hatte es kräftig geregnet und für den Sonntag gab es sogar Sturmwarnungen, was für eine Veranstaltung, die größtenteils im Wald stattfindet ein Sicherheitsrisiko darstellt. Als um 10 Uhr Thomas Hitschler(MdB) und Landrat Dr. Fritz Brechtel mit ihrem Startschuss die Läufer auf die Strecke entließen, war noch nicht klar, ob der Lauf nicht wegen zu starkem Wind abgebrochen werden musste. Schon auf dem Weg nach Minfeld ging ein ordentlicher Wind. Marathon oder auch Halbmarathon zu laufen erfordert neben körperlicher Fitness auch ein Maß mentaler Härte. Besonderen Respekt sei den Läufern gezollt, die trotz der widrigen
Wetterverhältnisse sich spontan für den Start entschieden haben und noch nachgemeldet haben.
Rennverlauf Halbmarathon
Bei den Männern wurde Simon Stützel von der LG Karlsruhe seiner Favoritenrolle mehr als gerecht. Der Streckenrekordinhaber, gelaufen 2016 mit 1:05:14 h, machte vom Start weg richtig Tempo und lief die komplette Strecke allein an der Spitze. Sein
Ziel den Streckenrekord erneut zu brechen, wäre bei normalen Wetterbedingungen mit Sicherheit geglückt, aber der Wind machte dieses Vorhaben zunichte. Mit 1:06:18 h im Ziel zeigte sich der ehrgeizige Läufer doch enttäuscht und brauchte erst ein paar Minuten, bevor er sich über den Sieg freuen konnte. Fast 1:30 Minuten brauchte es bis der zweitplatzierte Tim Niklas Schwippel von der LG Braunschweig ins Ziel folgte.
Bei den Frauen gab es eine Siegerin, mit der man so eigentlich nicht rechnen konnte. Sabrina Mockenhaupt, angetreten als Pacemaker für eine Freundin, kam nach 1:20:43 h lächelnd ins Ziel. Nach Kilometer zehn war ihrer Laufpartnerin klar, dass das angepeilte Ziel von 1:24 h nicht machbar war und sie beschlossen sich zu trennen. Sabrina schaltete darauf in den Wettkampfmodus und gab richtig Gas. Bis Kilometer 19 dauerte es als sie an der später Zweitplatzierten Aoife Quigly (TV Schriesheim) vorbei zog, natürlich nicht ohne sich dafür zu entschuldigen. Im Ziel erklärte sie, dass sie sich zwar langsam vom Leistungssport zurückziehe, aber immer noch die Herausforderung sucht. Nicht trainieren zu müssen, sondern das zu machen wozu man gerade Lust hat, genießt sie richtig. Ihre nächste Herausforderung ist die Teilnahme an der Tanzshow „Let’s dance“, für die sie sich gerade vorbereitet.
Rennverlauf Marathon
Richard Schumacher (Sparda- Team Rechberghausen) kann einem etwas leidtun. 2016 noch Sieger des Bienwald-Marathons, belegte er auch dieses Jahr zum dritten Mal in Folge den zweiten Platz. Dieses Jahr musste er sich Jochen Uhrig von der TSG Weinheim geschlagen geben. Zum ersten Mal in Kandel zeigte sich Uhrig begeistert von dem Lauf, der ihm trotz Wetterkapriolen sichtlich Spaß bereitete. Er nutze den Lauf als Standortbestimmung vor seinem persönlichen Jahreshighlight, dem Boston Marathon in vier Wochen. Er ging auch nicht an seine Grenzen, wie er im Ziel zu Protokoll gab und war deshalb mit seiner Zeit von 2:28:06 h mehr als zufrieden. Zu seiner persönlichen Bestzeit ist noch fünf Minuten Luft, die behält er sich für Boston. Als 5. Läufer im Ziel sicherte sich Matthias Wagner (TV Hinterweidenthal) mit einer Zeit von 2:41:59 h, vor dem Titelverteidiger Michael Ohler, den Pfalzmeistertitel. Mit 2:46:13 h im Ziel nahm dieser seine Vizemeisterschaft gelassen und gönnte nach drei Jahren Pfalzmeisterschaft seinem Nachfolger den Titel. Als Trost bleibt ihm, gemeinsam mit seinen Vereinskollegen vom TSV Kandel, Christian Flügel und Dirk Karl, die Pfalzmeisterschaft in der Mannschaftswertung gewonnen zu haben.
Sieger der Frauenkonkurrenz und damit auch Pfalzmeisterin wurde, die eigentlich mehr im Berglauf beheimatetet, Eva Katz von RC Vorwärts Speyer mit einer Zeit von 3:02:22 h. Vor zehn Jahren war sie schon mal in Kandel, musste aber verletzungsbedingt abbrechen, und konnte danach 5 Monate nicht laufen. Diese Negativerfahrung konnte sie mit ihrem Sieg nun hinter sich lassen. Vielleicht kommt sie noch mal nach Kandel um ihr zweites Ziel „unter drei Stunden laufen“ anzugehen. Auf den weiteren Plätzen folgten Margit Klockner (SRL Triathlon Koblenz) mit 3:06:01 h und Nina Wabic (Run & More) mit 3:10:24 h. Als fünfte Frau im Ziel konnte sich die in Kandel lebende Pia Winkelblech (Landau Running Company) mit einer Zeit von 3:21:50 h die Vizemeisterschaft in ihrer Altersklasse sichern. Pfalzmeister ihrer Altersklasse wurde, die für den ausrichtenden TSV Kandel startende, Sandra Fätsch (3:27:09h). Auch glücklich ins Ziel kam der australische Freund Alistair Kealty. Mit einer Zeit von 3:14:53h konnte er den bestehenden Rekord eines Laufs im Rugby Outfit unterbieten und kann damit eine weitere Station auf seiner Welttour erfolgreich abhaken.
Fazit des Veranstalters
Jede Veranstaltung hat ihren eigenen Charakter. Obwohl in Kandel eine 44-jährige Erfahrung mit dem Ausrichten dieses Wettbewerbs existiert, gibt es dennoch Dinge, die im Vorfeld nicht abzusehen sind. Dieses Jahr war das Wetter der Spielverderber. Nach drei Baumbrüchen musste der Marathon sogar frühzeitig beendet werden. Gott sei Dank kam niemand zu Schaden und der Abbruch erfolgt zu einem sehr späten Zeitpunkt, so dass nur wenige Läufer betroffen waren. Was die Farbe des diesjährigen Finisher Shirts angeht, möchte der Veranstalter deutlich hervorheben, dass neongelb eine schöne Farbe ist, die man gut sieht, was bei Läufern auch ein Sicherheitsaspekt sein kann. Es ist nicht als politisches Statement zu verstehen zumal es ja auch ein Shirt ist und keine Weste. ps/end

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