Das Deutsche Schuhmuseum in neuem Gewand
Mit Freude entdecken

Präsentation der neugestalteten Räumlichkeiten
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von Britta Bender
Hauenstein. Am heutigen Samstag öffnete das Deutsche Schuhmuseum nach eineinhalb Jahren Umbauzeit und Zwangspause endlich wieder, pünktlich könnte man sagen zum Internationalen Museumstag der am morgigen Sonntag, 15. Mai, ist. Dieser Aktionstag wird beworben mit dem Slogan „Museen mit Freude entdecken“. Zu entdecken gibt es im Schuhmuseum wahrlich unglaublich viel, und es präsentiert sich obendrein in völlig neuem Gewand.
Ortsbürgermeister Michael Zimmermann, Museumsleiter Carl-August Seibel und sein Stellvertreter Gerhard Seibel luden am Donnerstag, 12. Mai, zum ersten inoffiziellen Rundgang durch die neugestalteten Räumlichkeiten ein, um vorab Appetit auf die Ausstellung zu machen und zu präsentieren, „was draus geworden ist“, so Zimmermann.
Das Deutsche Schuhmuseum sei seit der Eröffnung 1996 ein Anziehungspunkt gewesen, auch für den Ort selbst, denn 20.000 bis 25.000 Besucher seien jährlich gezählt worden, berichtet Bettina Scheeder, Geschäftsführerin des Museumsverbandes Rheinland Pfalz.
65 Prozent der Museen im Land werden ehrenamtlich betreut, so auch hier in Hauenstein, „eine Besonderheit für dieses große Haus“, sagt sie.
Im Jahre 2018 haben die Beratungen begonnen und es wurde beschlossen, dass denkmalgeschützte Gebäude, damals während der Bauhaus Jahre auf dem Grundsatz modernes Bauen errichtet, zu sanieren, modernisieren und ihm ein neues Leben, einen frischen Wind einzuhauchen. Die Ausstellung zuvor hatte den Fokus auf die Schuhproduktion gelegt, denn diese Industrie war einst für Hauenstein und die Region, aber auch für ganz Deutschland von großer Bedeutung. Ziel war es bei der Neugestaltung, das Thema Schuhe vielschichtiger zu betrachten und zu präsentieren, denn mit ihnen sind lebenslange, sehr persönliche, aber auch geschichtlich relevante Emotionen verknüpft. So wurde die Ausstellung völlig neu konzipiert.
Es sei von der ersten Stunde an eine spannende Zeit und auch spannungsreiche Zeit gewesen, berichtet Museumsleiter Carl-August Seibel. Es gab coronabedingte Verzögerungen, auch der Brandschutz sorgte für neue Herausforderungen. Deshalb sind aus den geplanten fünf Monaten Planungs- und Bauzeit insgesamt 18 Monate geworden. Bald sind auch die Arbeiten an der Fassade abschlossen, dann erstrahlt das Museum nicht nur innen sondern auch außen in neuem Glanz.
Seibel bedankte sich von Herzen bei seinem fleißigen Team und allen freiwilligen Helferinnen und Helfern für die tatkräftige Unterstützung. „Das Ganze sei vor allem auch eine gewaltige ehrenamtliche Leistung gewesen“, freut er sich. Es sei für den ein oder anderen teilweise schmerzlich gewesen „alte Zöpfe abzuschneiden“.
Einiges ist verschwunden, was ans Herz gewachsen war, aber das Ziel war nunmal, sich zukünftig neu darzustellen. Weg vom „Industriemuseum“ hin zu einer Ausstellung auf 4.000 Quadratmetern in der der Schuh und die Mode in den Vordergrund gerückt wurde.
Die Neukonzeption und -gestaltung übernahmen Regina Hauber, Anja Kalinowski und Wolfgang Knapp, die zu dritt durch die neue, helle und freundlich anmutende Ausstellung führten.
Die durchaus professionelle Gestaltung war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr dem Stand der heutigen Zeit. 2018 begann die Grundlagenermittlung, es folgten Workshops, Fragen und Wünsche wurden berücksichtigt und so lag Mitte 2019 der Entwurf vor. Bis auf kleine Details und neu hinzu gewonnene Exponate sei man nah am Entwurf geblieben, so Regina Hauber.
Man habe das Gebäude optisch öffnen wollen, der Eingang ist verlegt worden und es entstand ein Rundgang der in sich schlüssig ist.
Er beginnt im Erdgeschoss: Welche vielfältigen Funktionen und Bedeutungen Schuhe hatten und haben können, wird an 12 Stationen gezeigt. „Schuhe sind bunt“, „Schuhe sind funktional“, sind klein, Schuhe glitzern, Schuhe schützen und so weiter. Es ist eine kleine Schuhwerkstatt anno dazumal eingerichtet, große Maschinen sind zu sehen, bekannt ist vielen die übergroße Dampfmaschine, das mächtigste Exponat des Deutschen Schuhmuseums.
Weiter führt der Rundgang zuerst in das zweiten Obergeschoss hinauf. Hier dreht sich alles um das Schuhhandwerk und die Geschichte der Schuhindustrie von 1900 bis 1945. Im Mittelpunkt stehen die Traditionsfirmen vor allem aus Hauenstein, aber auch aus Pirmasens und der Region. Das Thema Reklame keimte in den 20-er und 30-er Jahren auf und die ersten Schuhe wurden in Ladengeschäften angeboten. Beeindruckend ist die Maschinenhalle, in der übrigens alle Maschinen noch funktionsfähig sind. Bedrückend dann das Ende dieser Epoche, welche aber nicht unerwähnt bleiben sollte: die Geschichte der Schuhe in den Kriegsjahren.
Bunter wird es dann in der Nachkriegszeit und somit im ersten Obergeschoss. Wirtschaftswunder, die Schuhfabriken und die Schuhgeschäfte schießen wie Pilze aus dem Boden. Schuhe werden modisch und bunt. Die Werbung boomt. Die Industrie wird automatisiert und in den 60-ern ist „Italien auf der Überholspur“, so wird es auf einem Plakat dargestellt. Unzählige Schuhfabriken aus Hauenstein, Pirmasens, aber auch deutschlandweit, haben diese Zeit nicht überstanden. Schicke Schuhe aus Italien kosteten damals nur halb so viel wie die aus deutscher Produktion. Neu hinzu kamen dann später die Gesundheitsschuhe, die Herstellung von orthopädischem Schuhwerk, dargestellt werden Schuhe in der Kunstgeschichte, Stil-Ikonen prägten die Modewelt und es gibt doch tatsächlich original Fußbekleidung von prominenten Menschen zu sehen.
Die Zukunft der Schuhe ist kreativ und sollte nachhaltig sein. Mehr Augenmerk sollte beim Verbraucher auf qualitativ hochwertige Materialien gelegt werden. Leider werben die großen Marken mit unlauteren Nachhaltigkeitsversprechen. So endet die Ausstellung mit prominenten Schuhen aber auch Exponaten, die zum Nachdenken anregen.
Der Streifzug Schuhgeschichte(n), Schuhherstellung, Schuhhandel und Schuhwerbung beginnt im Museum weit zurück in der Vergangenheit, durch das letzte Jahrhundert hindurch, bis hin in die Gegenwart und mit Blick in die Zukunft.
Apropos Zukunft: am Ende des ersten Obergeschosses ist Platz für zukünftige Vorträge oder Sonderausstellungen und im dritten Obergeschoss wird das Pfälzer Sportmuseum einziehen.
Jedenfalls kann sich das Ergebnis absolut sehen lassen, verbirgt sich doch auch eine zurückliegende, unglaublich intensive Arbeit hinter den Kulissen. Es wurde viel recherchiert, Kontakte ausfindig gemacht, neue Exponate kamen hinzu, zahlreiche wurden ausgelagert, die Schuhsammlung wurde digitalisiert. Räumlich gesehen wurden die Sackgassen und Engpässe entzerrt, die Fenster „geöffnet“ und um die wertvollen Exponate vor UV-Licht zu schützen, musste dann doch Lichtschutz angebracht werden, jedoch ohne die Ausstellungshalle abzudunkeln. Genutzt wurden die großen Leinwände, um kurze, kackige Informationen mitzuteilen. Überhaupt wurden grundsätzlich die gesamten Textbeiträge kleiner und „leichter verdaulich“ gehalten.
Es ist eine tolle Präsentation entstanden, nicht nur zum schauen, sondern um sie mit allen Sinnen zu erfahren. Es gibt Blätterbücher, eine Taststation, eine Schuhanprobe ist möglich mit musikalischer Begleitung, modern und informativ ist die Hörstation und die Medienstationen.
Das neugestaltete Museum für Schuhproduktion und Schuhkultur, Turnstraße 5, 76846 Hauenstein, ist täglich geöffnet von 9.30 bis 17 Uhr, auch sonn- und feiertags.

Kontaktdaten
06392 923334-0
E-Mail: info@museum-hauenstein.de

Autor:

Britta Bender aus Annweiler

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