Schrauber-Gruppe des MTM wagt Alpenüberquerung auf Kleinkrafträdern
Mit 50 Kubikzentimetern über das Timmelsjoch

Dieter Guth, Thomas Pöllath, Sigges Richter und Thomas Hohlfeld mit ihren Maschinen.
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  • Dieter Guth, Thomas Pöllath, Sigges Richter und Thomas Hohlfeld mit ihren Maschinen.
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Von Thomas Pöllath und Jürgen Link 

Quirnheim. Einen Jugendtraum verwirklicht haben sich jetzt vier gut situierte Herren aus dem Schrauber-Zirkel des Motorrad- und Technikmuseums Quirnheim. Die Männer, die sich in der Regel ein Mal in der Woche jeweils Dienstags zum „Schrauben“ - so nennt man in Fachkreisen das ebenso zeitaufwändige wie Fachkunde voraussetzende Aufarbeiten historischer Fahrzeuge – in der Werkstatt des Museums auf dem Quirnheimer Berg treffen, haben vor wenigen Tagen die Alpen überquert.
Wer die Technik-Freaks des Museums auch nur ansatzweise kennt, dem wird schon jetzt klar sein, dass diese Überquerung nicht in einem bequemen Pkw, einem hochmodernen Reisebus oder gart per Pedes erfolgte, sondern die vier Herren weit zurück in die Anfänger ihrer motorisierten Fortbewegungs-Geschichte zurückführte, in die Zeit, als sie mit 16, 17 Jahren mit ihren Kreidlers, Zündapps oder einer Herkules unterwegs waren. Ihre knatternden Maschinen zogen blaue Rauchfahnen hinter sich her und allen gemein war, dass sie ihre Kraft aus 50 Kubikzentimetern Hubraum schöpften, die ausreichend war, um seinerzeit den Wind der Freiheit um die Nase wehen zu lassen und die heute ausreichen musste, um die Mopeds samt Fahrer sicher über die Alpen zu bringen – so der Verwegne Plan der vier.
Mit von der Partie waren Dieter Guth, seit seiner Kindheit begeisterter Fan kleiner 4-Takt Motoren mit seiner Honda XL50, Thomas Pöllath als Vertreter der Zwei-Takt-Fraktion und bereits als Jugendlicher mit Kreidler RS Elektronik unterwegs, die Motorradlegende Sigges Richter aus Frankenthal als Team-Chef und Technik Guru sowie Thomas Hohlfeld auf seiner bärenstarken BMW R1100 GS, um den notwendigen Vorsprung für Film und Foto-Aufnahmen herauszufahren.
Gemeinsamer Treffpunkt für die Alpenüberquerung war Füssen. Von dort aus ging es über Reutte entlang des Lechs nach Elmen. Auf den gut ausgebauten Landstraßen konnte die Kreidler ihr volles Leistungspotential von 6,25 PS ausschöpfen. Auf leichten bergab Passagen wurden die 100 Stundenkilometer angekratzt. Nach der Ortschaft Elmen war es damit schnell vorbei. Bereits auf der steilen Anfangspassage zum Hahntennjoch war nur noch ein Fortkommen im ersten Gang bei maximal 40 Stundenkilometer.
In Boden gab es die erste Verschnaufpause für die Kleinkrafträder. Am nächsten Morgen wurden zu früher Stunde die letzten Meter zum Joch überwunden, um die Morgensonne für Filmaufnahmen nutzen zu können. Die schöne Abfahrt vom Hahntennjoch führte das Team weiter nach Imst ins Inntal und von dort bei stetig ansteigenden Temperaturen ins Ötztal. Kurz vor Sölden hatte die kleine Honda XL50 erstmals mit Temperaturproblemen zu kämpfen, was zu Leistungsverlust und Fehlzündungen führte. Da das Abkühlen bei Temperaturen von über 30 Grad zu lange gedauert hätte, kam kurzer Hand eine von Karl-Heinz Täffner liebevoll restaurierte Museumsmaschine von Typ KTM 50 PL zum Einsatz um den letzten Teil der Tagesetappe nach Vent zu bewältigen.
Tag drei der Alpenfahrt und gleichzeitig Königsetappe der Tour führte über das 2509 Meter hohe Timmelsjoch. Kurz vor der Mautstelle wurde dem höchst gelegenen Motorrad-Museum Europas ein Besuch abgestattet. Beim Fotoshooting auf der Passhöhe waren die kleinen Maschinen wie immer Publikumsmagnet und die Opas erklärten ihren Enkeln jedes Detail. Bei der nun folgende schnelle Bergabfahrtpassage bewährte sich die damals schon verbaute vordere Scheibenbremse der Kreidler RS von 1977.
Auf den schmalen Pass-Straßen konnten Wohnmobile und Pkw auch an Stellen überholt werden, wo es für breitere Maschinen mit riesigen Anbaukoffern zu eng war. Auch einige Motorradfahrer staunten nicht schlecht, wie flink die Pfälzer mit den kleinen Maschinen bergab vorankamen. Bei den Zwangsstopps vor den Baustellenampeln ernteten sie stets ein anerkennendes Lächeln. Die letzte Etappe führte von St.Leonhard über Meran durch die Obst- und Weinbaugebiete des Etschtals nach Bozen.
Glücklich und Zufrieden zeigten sich die vier Moped-Enthusiasten am Ziel darüber, dass sowohl Mensch als auch Material die Reise wohlbehalten überstanden haben.

Dieter Guth, Thomas Pöllath, Sigges Richter und Thomas Hohlfeld mit ihren Maschinen.
Natürlich wurde dem höchst gelegenen Motorrad-Museum Europas ein Besuch abgestattet.
Autor:

Jürgen Link aus Grünstadt

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