Konzert im Hofgut Battenberg
Missy Canis: Klang wird Hörgenuss
- Foto: Martina Stepper
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Wenn Klang zum Hörgenuss wird – Missy Canis entfacht ein musikalisches Feuerwerk im Hofgut Battenberg
Manchmal braucht es nur wenige Minuten, bis ein Konzert beginnt, seine ganz eigene Magie zu entwickeln.
Auf dem Battenberg passierte genau das. Kaum hatte Missy Canis begonnen, ihre ersten Rhythmen aufzubauen, entstand im Gewölbekeller diese besondere Spannung, die einen sofort spüren lässt: Hier passiert gerade etwas Außergewöhnliches.
Was Missy Canis an diesem Abend erschuf, war weit mehr als Musik – es war ein mitreißendes Zusammenspiel aus Rhythmus, Atmosphäre und unglaublicher musikalischer Kreativität.
Hoch oben über den Weinbergen gelegen, entfaltet das Hofgut Battenberg ohnehin seinen ganz eigenen Zauber. Der weite Blick über die Rheinebene, die besondere Ruhe rund um das Anwesen und das einzigartige Ambiente machen diesen Ort zu etwas Besonderem. Das Konzert selbst fand in einem beeindruckenden Gewölbekeller statt, dessen besondere Atmosphäre perfekt zu diesem Abend passte. Alte Natursteinmauern mit weißem Anstrich, warmes Licht und die sehr intime Nähe zwischen Künstlerin und Publikum verliehen dem Raum eine außergewöhnliche Mischung aus Gemütlichkeit, persönlichem Charakter und besonderer Atmosphäre.
Und genau in diesem besonderen Rahmen begann Missy Canis sofort, das Publikum in ihren Bann zu ziehen.
Mit beeindruckender Leichtigkeit wechselte Sabine Hund alias Missy Canis zwischen Saxophon, Percussion, Keys, Gitarre, Handpan, Didgeridoo, Indian Flute, diversen Klangkörpern und Gesang. Doch das eigentlich Faszinierende war die Art, wie sie all diese Instrumente mit ihrer Loop Station verband. Ein Rhythmus nach dem anderen wurde live eingespielt, gespeichert, erweitert und miteinander verwoben. Stück für Stück entstanden daraus komplexe Klangwelten, die sich immer weiter aufbauten und schließlich in einem regelrechten Feuerwerk aus Rhythmen und Sounds mündeten.
Gerade dieses Zusammenspiel wirkte fast unglaublich. Man saß da und fragte sich unweigerlich, wie ein einzelner Mensch eine solche Fülle an Klängen gleichzeitig erschaffen kann. Jeder Song entwickelte dabei seine ganz eigene Dynamik und überraschte aufs Neue. Genau das machte den Abend so besonders: Nichts wirkte vorhersehbar oder routiniert – alles lebte von dieser unmittelbaren Energie des Augenblicks.
Schon der Einstieg mit Handpan, Didgeridoo und Shaker sorgte für eine fast tranceartige Stimmung. Die rhythmischen Klänge von „Vashtakas (Westafrika)“ breiteten sich langsam im Gewölbekeller aus und zogen das Publikum sofort mit hinein in diese besondere musikalische Welt.
Musik, die direkt in den Körper geht
Im weiteren Verlauf zeigte Missy Canis die ganze Bandbreite ihres Könnens.
Stücke wie „Me and Your Cat“ oder „Your Moment“ wirkten leicht und verspielt, während „Strawberry Moon“ eine fast poetische Atmosphäre entstehen ließ.
Besonders eindrucksvoll war jedoch, wie sehr diese Musik die Menschen mitnahm. Die Rhythmen entwickelten eine unglaubliche Sogwirkung. Fast automatisch begann man mitzuwippen, den Takt mit dem Fuß aufzunehmen oder sich im Rhythmus der Musik zu bewegen. Je länger der Abend dauerte, desto mehr ließ sich das Publikum mitreißen. Einige Gäste tanzten schließlich im hinteren Bereich des Gewölbekellers, während andere im Takt mitwippten oder die Augen schlossen und sich ganz der Musik hingaben. Es war einer dieser seltenen Abende, an denen Musik nicht nur gehört, sondern körperlich spürbar wird.
Mit „Mosquito Girl“ entstand eine spürbar mitreißende Dynamik im Raum, während „Indian Spring“ das Publikum auf eine warme, fließende Klangreise mitnahm. Immer wieder staunte man darüber, wie aus einzelnen rhythmischen Elementen live komplette musikalische Landschaften entstanden.
Nach der Pause zeigte sich eine weitere Facette der Künstlerin.
Mit „Don’t Forget to Chill“ brachte Missy Canis einen entspannten Groove in den Gewölbekeller, bevor sie sich in einer freien Improvisation mit Drums und Didgeridoo vollkommen ihrer Spielfreude hingab.
Spätestens bei „Chill Age“ war klar: Diese Musik funktioniert nicht nur im Kopf – sie geht direkt in den Körper.
Ein besonders intensiver Moment entstand bei „What’s Perfect?“, das spürbar nachhallte und viele Zuhörer sichtbar berührte. Und als schließlich „I Still Dance with You“ erklang, lag eine fast greifbare Wärme im Raum.
Zum besonderen Flair des Abends trug auch das Betreiber-Ehepaar Schraut bei. Trotz Konzertbetrieb standen sie selbst hinter der Bar und kümmerten sich persönlich um ihre Gäste. Mit großer Herzlichkeit, spürbarer Leidenschaft und ausgezeichneten Weinen aus dem eigenen Weingut machten sie den Abend zu weit mehr als nur einem Konzertbesuch. Man merkte sofort, mit wie viel Herzblut hier gearbeitet und Gastfreundschaft gelebt wird.
Zum Abschluss schuf Missy Canis mit „Sunset Sax Mood“ noch einmal eine ruhige, fast cineastische Atmosphäre, bevor „The Never Stop Talking Cup“ einen wunderbar verspielten und humorvollen Schlusspunkt setzte.
Vielleicht war genau diese Mischung das Besondere an diesem Abend:
Ein einzigartiger Ort, ein atmosphärischer Gewölbekeller, herzliche Gastgeber und eine Künstlerin, die mit unglaublicher Kreativität und Spielfreude aus einzelnen Rhythmen ein mitreißendes musikalisches Gesamterlebnis entstehen ließ.
Und irgendwann saß man einfach nur noch da, hörte zu und wollte eigentlich nicht, dass dieser Abend endet.
Manchmal ist genau das vielleicht das schönste Kompliment, das man einem Konzert machen kann.
© M.S.
Autor:M. S. aus Frankenthal |
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