• 31. Mai 2018, 08:00 Uhr
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Eine Märchenwelt braucht eine Renovierung
Blick in die Geschichte in Palmbach

War jahrelang versteckt hinter Gipsplatten: die "Palmbacher Märchenwelt“
War jahrelang versteckt hinter Gipsplatten: die "Palmbacher Märchenwelt“ (Foto: ht)

Geschichte. 6,30 Meter breit und 1,60 Meter hoch ist das Wandbild „Palmbacher Märchenwelt“ von Hans Fischer-Schuppach im historischen Klassenzimmer des „Badischen Schulmuseums“. Und der Name ist in diesem Fall Programm, denn mit viel Liebe zum Detail hat der Kunstmaler 1929 Motive aus über 40 bekannten und weniger bekannten deutschen Märchen im Klassenraum der ehemaligen Waldenserschule verewigt, dabei auch einige versteckte Hinweise zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Erzählungen platziert.

Über vier Jahrzehnte lang fristete das Gemälde hinter einer mehrere Millimeter dicken Schicht von aufgeschraubten Gipskartonplatten sprichwörtlich ein Schattendasein – und erst als das Schulmuseum nach einer jahrelangen Odyssee mit mehreren Standortwechseln im Waldenserstadtteil eine neue Heimat fand, wurde 2014 die „Märchenwelt“ im Rahmen der Klassenzimmerrenovierung freigelegt. „Das war ein richtiger Zufallstreffer und das Bild ist einfach einzigartig“, freut sich die Schulmuseumsvorsitzende Trudel Zimmermann. Sorgen bereitet ihr allerdings der etwas marode Zustand des Bildes.

Weil die Gipskartonplatten 1970 ohne große Rücksichtnahme auf die Wand genagelt wurden, klaffen im Märchensammelsurium mehrere Löcher. „Das Bild muss dringend restauriert werden, denn mittlerweile bröckelt rund um die Nageleinschläge schon der Putz von den Wänden“, so Zimmermann.
Vom Landesdenkmalamt wurde das Bild bereits als schützenswert eingestuft und die Stadtverwaltung will rund 8.000 Euro für eine fachgerechte Sanierung in den Doppelhaushalt 2019/20 einstellen. Bei dieser Gelegenheit sollte dann auch der komplette Schulraum renoviert und der historische Holzfußboden unter dem vergilbten 70er-Jahre-Teppich freigelegt und auch restauriert werden, appelliert Zimmermann.

Auch aus ortshistorischer Sicht ist das Bild von Fischer-Schuppach, der in den 20er Jahren an der „Badischen Landeskunstschule“ in Karlsruhe studierte, in der als Kulturdenkmal ausgewiesenen Waldenserschule von Bedeutung: Für die Erstellung seiner „Märchenwelt“ hat der damalige Kunststudent die Palmbacher Schüler des Jahrgangs 1929 portraitiert – und so als Märchenfiguren für die Nachwelt erhalten. So ist der einzige noch lebende Schüler dieses Jahrgangs, der 1919 geborene Wilhelm Höger, als „Der beherzte Flötenspieler“ aus dem Märchenbuch von Ludwig Bechstein auf der Klassenzimmerwand verewigt. Und seine spätere Frau Liesel Tron ist am linken unteren Bildrand als Rotkäppchen im Gespräch mit dem Wolf zu sehen. Bei der Identifizierung der einzelnen Gesichter halfen übrigens ein Schulfoto des Jahres 1929, die Einschätzung einiger älterer Palmbacher Bürger sowie die Expertise eines Profilers von der Kriminalpolizei. ht

Infos: www.badisches-schulmuseum.de

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