BriMel unterwegs
Ein unvergesslicher Abend mit „The Leonard-Cohen-Project“
- Jürgen Gutmann und Manuel Dempfle vom "The Leonard-Cohen-Project"
- Foto: Brigitte Melder
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Böhl-Iggelheim, OT Iggelheim. Was für ein großartiges Event hatte der Verein DorfArt am 14. Dezember in der restlos ausverkauften SG-Halle da veranstaltet! Heute noch immer von „The Leonard-Cohen-Project“ mit Songs of Love and Hate geflasht und wird wohl auch noch eine Weile anhalten. Doch der Reihe nach.
Damit die vielen Menschen in der SG-Halle Platz fanden, wurden die Wandtische entfernt. Die SG-Gaststätte war krankheitsbedingt geschlossen und die DorfArt-Mitglieder hatten spontan in Eigenregie eine Bar mit einer kleinen Auswahl an Getränken mit Brezeln und Weihnachtsgebäck organisiert und standen nun selbst hinter der Bar. Der Saal war gestopft voll wie schon lange nicht mehr. Da hatte man wohl ein gutes Gespür für den Musikgeschmack gehabt. Leonard Cohen geht immer! Die 2. Vorsitzende Sibylle Böttcher-Hoff und Kassenwartin Katja Friedrich hatten regen Andrang bei der Abfertigung an der Abendkasse, obwohl hier nur noch hinterlegte Karten abzuholen waren.
Der 1. Vorsitzende Günter Handwerker hatte wie immer die Begrüßung inne und musste vom Konzept abweichen, da heute alles anders als sonst sei. Sein großer Dank ging an seine Helferinnen und Helfer, die alle mit angepackt haben, woraufhin großer Applaus aufbrandete. Mehr als zwei Stunden solle man sich auf einen Musikgenuss freuen, der die Seele berührt. Er ging auf das Studio-Album des kanadischen Musikers und Schriftstellers Leonard Cohen aus dem Jahr 1971 ein mit dem Titel „Songs of Love and Hate“, dem heute hier gehuldigt werden sollte. „Und wer hats erfunden?“ Nein, nicht die Schweizer, sondern die Schwaben mit dem in Esslingen geborenen Jürgen Gutmann und in Lindau geborenen Manuel Dempfle. Ein musikalisches Erlebnis wird es sein, wenn die beiden Vollblutmusiker sanft und leise, voller Lust, Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht die Musik von damals wieder aufleben lassen. Sie spielen diese Songs in einer ganz auf Gitarrenmusik und Gesang reduzierten und doch authentischen Version, ohne Show, ohne technische Manipulationen und ohne Leonard Cohen zu imitieren. Mit dem Ausruf „Halleluja“ gab er die Bühne frei.
Jürgen Gutmann fungierte als glänzender Moderator über den Abend und hatte zu jedem Song eine Anekdote bereit, die er so lebendig erzählte, dass das Publikum immer wieder in Gelächter ausbrach. Leonard Cohen wurde 1934 geboren und starb im Jahre 2016 und mit allem, was in seinem Leben von Bedeutung war, hatte sich Jürgen Gutmann akribisch befasst. Er bekam schon Preise während seiner Studienzeit und hat spät begonnen seine Gedichte zu vertonen und das macht ihn so einzigartig. Zwei warme, kräftige Stimmen und zwei Akustikgitarren, was braucht man mehr? Man schloss die Augen und versank in wundervollen Melodien. Die Norwegerin Marianne Ihlen war die große Muse von Leonard Cohen. Es war eine Beziehung, die auf der griechischen Insel Hydra in den 60er Jahren begann und ihn zu seinen berühmtesten Liedern wie dem etwas flotteren Song „So long, Marianne“ und „Bird on the wire“ inspirierte. Der berühmte Song „Suzanne“ folgte, welcher über eine Reflektion der Anziehungskraft erzählte. Sie spielten aus zwei mitgebrachten CDs mal laut und mal leise, ohne Beats, alles handgemacht. „I’am your man“ und das französische Widerstandslied „The partisan“ mit der Textzeile „I have changed my name so often, I've lost my wife and children“ folgten mit ein paar Gedanken zu den Gräueltaten im dritten Reichen. Zweistimmig, perfekt harmonisierte „Hey, that’s no way to say Goodbye“. „Famous blue Raincoat“ handelte aus Cohens Zeit in New York, ein Brief-Song, der das Gefühl von Leere einfängt.
Es ging in die Pause, in der die beiden sympathischen Musiker von Fans umlagert wurden und etliche CDs signieren mussten, Fotos inbegriffen. Es lag ein absolut positiver Vibe in der Luft. Unterhielt man sich mit dem ein oder anderen Gast, so erhielt man nur positives Feedback. Ein Gast aus Waldsee meinte an Jürgen Gutmann gerichtet, er habe so eine Fassung von Cohen noch nie gehört und das heute sei die beste.
Mit dem sehr bedächtigen Song „Who by fire“, eine Adaption eines jüdischen Gebets aus dem Yom-Kippur-Gebetsbuch ging es weiter. Jürgen Gutmann spielte auf die raue Reibeisenstimme von Joe Cocker an, die er auch nicht mit zwei Schachteln Zigaretten am Tag bekommen würde. Mit emotionaler Tiefe sang das Duo den von Cocker gecoverten Song „First we take Manhattan“. Ein mit dunkler Sprechstimme vorgetragenes Gedicht über „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel als Tribute an Paul Simon mit musikalischer Umsetzung und garantierter Gänsehaut folgte. Zum Heulen schön! Ein Blick ins Publikum bestätigte das Empfinden, gebannt schaute man zur Bühne und hätte eine Stecknadel fallen hören können. Ein heftiger Applaus für diese Darbietung!
Jürgen Gutmann (geb. 1959) und Manuel Dempfle (geb. 1958) spielen seit 13 Jahren zusammen und haben auch neuere Songs im Gepäck. Sein guter Musikfreund Bob Dylan wohnte drei Monate bei Leonard Cohen im Haus und bekam 2016 für seine poetischen Neuschöpfungen als erster Musiker überhaupt den Nobelpreis für Literatur. Cohen ging leer aus, obwohl seine Texte literarisch hochwertiger waren und eine Debatte über Songwriter als Preisträger auslöste. Stattdessen erhielt Cohen 2011 den renommierten Prinz-von-Asturien-Preis für Literatur. Beide Musiker sind auf dem legendären Soundtrack von Oliver Stones Film „Natural Born Killers“ (1994) vertreten. Cohen steuerte „Waiting for the Miracle“ und „The Future“ bei. Jürgen Gutmann fand es an der Zeit, sich bei allen Helfern und dem Publikum zu bedanken, da Musik ohne Unterstützung nicht möglich wäre. Nach „You belong to me“ stellten sich die beiden Musiker gegenseitig vor. Cohen litt vor allem in den 60er Jahren unter schweren Depressionen, begleitet von starken Selbstzweifeln und Lampenfieber. Er schrieb über eine Nacht im „Chelsea Hotel“ und hauchte „I need you“ ins Mikrofon. Wieder klasse zweistimmig gesungen wurde „Dance me to the end of love“. Dank an DorfArt und das phantastische Publikum und Heiko Rusnak für den tollen Sound. Sie haben sich hier sehr wohlgefühlt und es hat Spaß gemacht. Danke für den schönen Abend und dem Ehepaar Handwerker für die Einladung. „Tonight will be fine“ sollte eigentlich das letzte Lied sein, wenn da der tosende Applaus nicht gewesen wäre, der anstatt „Zugaberufe“ ertönte. Gutmann griff dieses Thema auf und blickte auf alte Zeiten zurück als man anstatt Zugaberufe bei Rockkonzerten als Begeisterung mit den Füßen gestampft hatte, das zog sich wie ein roter Faden durch das Musikerleben. Sie wollten heute drei Zugaben geben, das seien 50 % mehr als früher und die erste war „You want it darker“. Das Publikum war lernwillig und ein Gast rief tatsächllich „Zugabe!“, was zu etlichen Lachern führte. Der Song „Hymn“ von Barclay James Harvest handelt von der spirituellen Suche, Glauben und der Hoffnung auf Erlösung und sie spielten es in ihrer Version, die durch und durch ging. Was noch fehlte war natürlich DAS LIED überhaupt, das mit Leonard Cohen einhergeht – „Halleluja“ als krönender Abschluss, das vom Publikum im Refrain mitgesungen wurde. Mehr geht nicht, Gänsehaut am ganzen Körper! Stehende Ovationen und fulminanter Applaus als krönender Abschluss dieses Events. Danke für diesen Abend Jürgen Gutmann und Manuel Dempfle! (mel)
Autor:Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim |
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